Einblicke in fachliches Know-how und technische Ausstattung

Oberflächen 08. 10. 2018
Schlötter als Gastgeber im Rahmen der Arbeit der DGO-Bezirksgruppe erfährt hohes Interesse

Die Bezirksgruppe Stuttgart der DGO - Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e. V. - hatte im Juli die Gelegenheit erhalten, bei der Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG eine Abendveranstaltung zu gestalten. Auf dem Programm stand ein Vortrag von Vera Lipp zum Thema Wasserstoffversprödung bei galvanisch aufgebrachten Zinkschichten sowie ein Statusbericht zur Autorisierung von Chromverbindungen für die galvanische Beschichtung. Mit mehr als 30 Teilnehmern aus ganz Süddeutschland stieß dieser Termin auf ein überdurchschnittlich hohes Interesse. Besonders erfreulich für die Organisatoren der Veranstaltung war die Teilnahme der Schlötter-Geschäftsführerin Dr. Stefanie Geldbach; dadurch erhielten die Teilnehmer der Veranstaltung nicht nur Einblick in interessante Technologien und Verfahren, sondern durften auch wichtige Persönlichkeiten der Branche kennenlernen.

 

Wasserstoffversprödung im ­Bereich Galvanotechnik

Vera Lipp von der Schlötter GmbH & Co. KG eröffnete die Bezirksgruppenveranstaltung mit der Zusammenfassung einer breit angelegten Projektarbeit, die unter anderem im Rahmen des DGO-Fachausschusses Wasserstoffversprödung mit Partnerunternehmen durchgeführt worden war. Das Arbeitspaket der Vortragenden enthielt unter anderem Untersuchungen zur Entstehung und Wirkung von Wasserstoff aus Beizbehandlungen, wie sie vor allem bei Stählen unerlässlich sind. Das Beizen von Stählen hat die Aufgabe, die im Verarbeitungsprozess ­entstanden Oxide und Zunderschichten zu entfernen, um einerseits die Funktion der Bauteile - Beispiel Verbindungselemente - zu gewährleisten und andererseits eine gute Haftung von nachfolgenden Beschichtungen zu erzielen.

Eine wichtige Gruppe an Beschichtungen für Stähle - auch für hochfeste Stahlsorten - ist die galvanische Beschichtung mit Zink oder Zinklegierungen. Hier wird ­bekanntermaßen der Gefahr der Wasserstoffversprödung durch entstehenden, kathodischen Wasserstoff beziehungsweise deren Vermeidung ein besonderes Augenmerk geschenkt. Um die Belastung von metallischen Grundwerkstoffen durch Wasserstoff im Rahmen des Beizprozesses messtechnisch erfassen zu können, wurden umfangreiche Messreihen mit darauf angepassten Messverfahren durchgeführt. Hierbei wurde insbesondere der Frage nachgegangen, wann sich in dem System Werkstoff, mechanisches Belastungskollektiv und Wasserstoffangebot ein kritischer Bauteilzustand einstellt. Dazu wurden Proben mit einem modifizierten Prüfverfahren in der Bauteilverspannung sowie mit elek­trochemischen Prüfverfahren untersucht. Die Bauteilverspannung ist seit einigen Jahren im Bereich der Versprödungsprüfung unter Einsatz von Wellensicherungsringen in Gebrauch, wobei die Untersuchungen nahe­legen, durchaus auch andere Modellprüfkör­per in Betracht zu ziehen. Die Ergebnisse der Untersuchungen dienen als Basis für die Weiterentwicklung von Beizverfahren und Beizinhibitoren. Dieser Bereich ist von hoher Relevanz und bestimmt neben der Ver­zinkung darüber, ob auch in Zukunft für hochfeste Stähle die nasschemischen Verfahren der Metallbearbeitung im bisherigen Umfang zum Einsatz kommen.

REACh - Erzeugnis oder Gemisch

Die europäische Chemikalienverordnung REACh hat inzwischen vor allem im Bereich der Galvanotechnik einen Relevanzstatus erreicht, der über die Zukunft des gesamten Fachgebiets entscheiden kann. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Bearbeitung der notwendigen REACh-Aufgaben erhebliche Arbeitszeiten und technisch-wissenschaftliche Kenntnisse erforderlich machen. Bei der Schlötter GmbH & Co. KG ist Dr. Joachim Heermann für die Belange von REACh und deren ordnungsgemäßen Erfüllung befasst. Mit ihm ist nicht nur ein ausgewiesener Fachmann der Chemie tätig, sondern auch eine Person mit ausgezeichneter Gabe, die unhandlichen und komplexen Sachverhalte interessant und sehr gut verständlich darzustellen, wie er in seinen Ausführungen zu der Fragestellung Erzeugnis oder Gemisch unter Beweis stellte.

Die Frage, ob es sich bei einem Produkt im Bereich der Galvanotechnik um ein Erzeugnis oder Gemisch handelt, ist entscheidend dafür, wie das Verhalten gegenüber dem Gesetz­geber ist. REACh zufolge müssen ­Stoffe dann registriert werden, wenn sie bestimmungsgemäß freigesetzt werden sollen. Ansonsten besteht keine Registrierungspflicht für Erzeugnisse. Das entscheidende Kriterium ist die äußere Form beziehungsweise die mit dem Stoff verbundene Funktion. Insbesondere die Funktion führt dazu, eine Entscheidung zur Einordnung zu treffen. Besonders zu beachten sind die Informationspflichten in der Lieferkette bezüglich Stoffe und Erzeugnisse. Galvanikunternehmen müssen sich hier unter anderem bei ihren Lieferanten dahingehend informieren, ob die Erzeugnisse kritische Stoffe enthalten. Zur Beantwortung der kritischen Fragestellungen hat die ECHA Fragen­kataloge herausgegeben.

Zur Verdeutlichung zeigte der Vortragende Beispiele: Ein Kugellager ist beispielsweise ein Erzeugnis. Eine Kerze wird dagegen nicht in Bezug auf die Form eingeordnet, sondern der Stoff ist hier wichtig und dessen chemische Zusammensetzung, als ist Stoff oder Gemisch maßgebend. Metallbarren sind ein Stoff, Metallrohre dagegen Erzeugnisse. Besonders schwierig nachzuvollziehen ist die Situation bei Drähten.

Standortsicherung in Geislingen

Im Anschluss an die Vorträge bot der Gastgeber den anwesenden Interessenten einen Einblick in die Räumlichkeiten. Hier war gut erkennbar, dass die Schlötter GmbH & Co. KG ihre Stärken im Standort Deutschland sieht und infolgedessen die Einrichtungen in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert hat und technisch auf dem höchsten Stand hält. Vor allem das vor kurzem eingerichtete Technikum bietet umfangreiche Möglichkeiten, neue Verfahren im Maßstab von Kleinserien zu testen, für Kunden Musterbeschichtungen durchzuführen oder auch Beschichtungs­probleme im Rahmen der Kundenbetreuung zu bearbeiten. Darüber hinaus bietet die Anlage die Möglichkeit, Gestell- und Trommelbeschichtungen vorzunehmen oder auch neue Arten an peripheren Geräten, wie beispielsweise Gleichrichter oder Pumpen, im Einsatz auf deren Eignung zu testen.

Die Bezirksgruppe Stuttgart bedankt sich auf diesem Wege für den interessanten Abend, die Führung und den lockeren Ausklang des Abends, der Raum für weitere Gespräche bot.

  • www.schloetter.de
 
 

Text zum Titelbild: Das neue Technikum bei Schlötter bietet ideale Möglichkeiten zur Prüfung von galvanischen Beschichtungssystemen für unterschiedliche Anwendung

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