Startschuss für die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG| WOTech Technical Media

Startschuss für die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG

Um die Energiewende weiter voranzutreiben und das bestehende Fraunhofer-Portfolio zu ergänzen, hat die Fraunhofer-Gesellschaft die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG gegründet. Wesentliche Bestandteile der neuen Einrichtung sind die Integration des Internationalen Geothermiezentrums Bochum (GZB) in die Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Aufbau zweier weiterer Einrichtungsteile zu Energieinfrastrukturen in Cottbus und zur Sektorkopplung in Jülich. Die Standorte schlagen eine Brücke zwischen den vom Strukturwandel besonders betroffenen Regionen im Westen und Osten Deutschlands. Das Fraunhofer IEG wird zudem an den Außenstellen in Aachen/Weisweiler und Zittau forschen.

Für die nächste Phase der Energiewende ist die zunehmende Verflechtung der Energiesektoren Strom, Wärme und Verkehr auf der Basis sektorengekoppelter Energieinfrastrukturen der Schlüssel zur Senkung der CO2-Emissionen und zur verbesserten Integration erneuerbarer Energien. Insbesondere die Geothermie hat das Potenzial, eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung der Zukunft zu spielen. Sie kann die Versorgung von Fernwärmenetzen ergänzen, wenn verstärkt fossil getriebene Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen aus dem Netz gehen.

Basierend auf einer eingehenden Analyse vorhandener Strukturen und Expertisen – und unter Berücksichtigung von Faktoren wie dem Strukturwandel in Deutschland – baut die Fraunhofer-Gesellschaft daher die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG auf. Auf diesem Weg soll der Markt für die Anwendung von Geothermie und Technologien zur Kopplung der Energiesektoren Wärme, Strom und Verkehr noch gezielter erschlossen werden. Schwerpunktthemen sind Energieinfrastrukturen und Sektorenkopplung, Wärmebergbau und Speicherung, Bohrlochtechnologien, Georessourcen und die Entwicklung der dafür benötigten Technologiebausteine, Energietechnik sowie CO2-Abscheidung.

Integration des Internationalen Geothermiezentrums Bochum

Das zum 1. Januar 2020 in die Fraunhofer-Gesellschaft integrierte Internationale Geothermiezentrum Bochum (GZB) wird als ein Kernbaustein für die neue Einrichtung in die Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen und an den Standorten Bochum und Aachen/Weisweiler ausgebaut und vergrößert. Mit der Ruhr-Universität Bochum und der Hochschule Bochum, der derzeitigen Heimat des GZB, wird die Fraunhofer-Gesellschaft eng kooperieren, um so neben der Technologie auch hochqualifizierte Fachkräfte auszubilden, die für die Energiewende insbesondere im Wärmesektor dringend notwendig sind. Am Standort Aachen werden in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen die Aktivitäten zur Nutzung von Georessourcen sowie thermischer und stofflicher Speicher angesiedelt. Darüber hinaus wird am RWE-Kraftwerk in Weisweiler ein Großlabor für tiefengeothermische Technologien zur Wärme-, Kälte- und Stromerzeugung eingerichtet.

Am Einrichtungsteil Jülich, am Open District Hub Research Center, werden digitale Lösungen für eine Kopplung von Strom, Wärme und Verkehr auf Quartiersebene entwickelt. Durch die Schaffung von informationellen Technologien und Marktmechanismen entstehen Lösungen, die auf verschiedene Quartiere in Deutschland ausgerollt werden können.

Geleitet wird der Einrichtungsteil Geothermie und Speichertechnologien von Prof. Rolf Bracke, Geologe und Direktor des GZB: Auch nach dem Ende des fossilen Energiezeitalters kommt dem unterirdischen Raum eine besondere Bedeutung zu für die Gewinnung und Speicherung von Wärmeenergie und Energierohstoffen. Der Untergrund bleibt ein zentrales Element zukünftiger vernetzter Energieinfrastrukturen. In nur wenigen Regionen weltweit sind die Technologien und das Know-how zu dessen Nutzung so konzentriert vorhanden wie in den westdeutschen und den ostdeutschen Bergbaurevieren. Deshalb wird die Fraunhofer IEG eine Vielzahl von Unternehmen der traditionellen Energiebranche bei der Umstellung ihres Technologieportfolios auf CO2-arme Verfahren unterstützen.

Aufbau des Einrichtungsteils Energieinfrastrukturen in der Lausitz

Der Standort in Cottbus mit Außenstelle in Zittau soll Fragen der Infrastruktur zur Kopplung der Energiesektoren Wärme, Strom, Gas und Verkehr erforschen. Hierzu wird an der Lausitz der Einrichtungsteil Energieinfrastrukturen zu den Schwerpunkthemen Wärme- und Gasinfrastrukturen aufgebaut. Die BTU Cottbus-Senftenberg wird dabei ihre umfangreichen wissenschaftlichen Kompetenzen und Erfahrungen im Design und Betrieb großer Kraftwerksanlagen einbringen. Schwerpunktthemen in Zittau sind Energietechnik und Fertigungstechnik für thermodynamische Wandler in Zusammenarbeit mit der Hochschule Zittau/Görlitz.

Struktureller und institutioneller Aufbau

Für den strukturellen und institutionellen Aufbau der neuen Einrichtung sind Bau- und Investitionsmittel sowie Betriebsmittel notwendig. Gleichwohl ist angestrebt, dass sich die Fraunhofer-Einrichtung IEG von Anbeginn an gemäß dem Fraunhofer-Finanzierungsmodell zusätzlich aus Aufträgen der Wirtschaft sowie über Projektförderungen der öffentlichen Hand, insbesondere der Sitzländer, finanziert. Für eine erste Phase hat der Bund 25 Mio €, die drei Sitzländer 2,7 Mio € für den Betriebsaufbau bereitgestellt. Außerdem stellen Bund und die drei Sitzländer 50 Mio € für Baumaßnahmen und Erstausstattungen.

https://www.fraunhofer.de

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