Neubau für Faserpilotanlage in Bayreuth eröffnet| WOTech Technical Media

Neubau für Faserpilotanlage in Bayreuth eröffnet

Keramikfasern sind der Schlüssel für neue keramische Faserverbundwerkstoffe, die bei hohen Temperaturen eingesetzt werden können und ähnlich duktil sind wie Metalle. Viele Hochtemperaturprozesse lassen sich mit diesen Werkstoffen energieeffizienter und damit nachhaltiger durchführen. So können z. B. die Betriebstemperaturen von Gasturbinen mit keramischen Faserverbundwerkstoffen weiter erhöht und deren CO2-Emissionen abgesenkt werden. Derzeit werden keramische Verstärkungsfasern in Ostasien und ordamerika hergestellt und sind für europäische Hersteller und Anwender von Faserverbundwerkstoffen nur eingeschränkt verfügbar. Mit der Faserpilotanlage in Bayreuth soll eine eigenständige europäische Fertigung von Keramikfasern auf den Weg gebracht werden.

Die Mitarbeitenden des Fraunhofer-Zentrums HTL entwickeln seit fast 20 Jahren sowohl nichtoxidische als auch oxidische Keramikfasern und können diese im Technikumsmaßstab erfolgreich fertigen. Die so hergestellten Fasermengen sind aber viel zu gering für deren Qualifizierung in Bauteilen aus Faserverbundwerkstoffen. Bevor diese Bauteile eingesetzt werden können, sind umfangreiche mehrjährige Testprogramme erforderlich. Hier kommt die Faserpilotanlage im Technologiepark Bayreuth ins Spiel. Sie soll mit zwei Fertigungslinien – einer Linie für oxidische und einer Linie für nichtoxidische Keramikfasern – jeweils Fasern im Maßstab einiger Tonnen pro Jahr herstellen. Zunächst soll mit Industriepartnern wie der Firma BJS Ceramics GmbH aus Gersthofen die Qualität bereits bekannter Keramikfasern erreicht werden. Dann sollen auch neue Fasertypen für noch höhere Einsatztemperaturen entwickelt werden.

Am 12. April 2019 fand die feierliche Eröffnung der Faserpilotanlage statt. Vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Industrie würdigten der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft Andreas Meuer, die Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth Brigitte Merk-Erbe und der Kanzler der Universität Bayreuth Dr. Markus Zanner in ihren Grußworten die hohe Bedeutung der Baumaßnahme für die Stadt Bayreuth und für die regionale und europäische Industrie. Der Leiter des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden, Prof. Dr. Hubert Jäger, und der Leiter des Fraunhofer-Zentrums HTL, Dr. Friedrich Raether, erläuterten in zwei Vorträgen die technischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge.

Das Fraunhofer-Zentrum HTL hat mit dieser Anlage einen wichtigen Baustein für den zukünftigen Einsatz von Materialien in der Kraftwerks- und Antriebstechnologie gelegt, mit denen sich die Energieeffizienz wesentlich steigern und der CO2-Fußabdruck verkleinern lässt, so Prof. Dr. Gerhard Sextl, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung – Stammhaus des Zentrums HTL.

Die Gesamtkosten für das Projekt betrugen 20 Mio. Euro, wovon der Bund und der Freistaat je ca. 8 Mio. Euro und die Fraunhofer-Gesellschaft die restlichen knapp 4 Mio. Euro tragen. „Fraunhofer steht seit nunmehr 70 Jahren für Spitzenforschung. Bereits im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, die außeruniversitäre Forschungsinfrastruktur weiter auszubauen. Durch die Faserpilotanlage werden bayerischen Unternehmen Keramikfasern zur Verfügung gestellt, die ansonsten kaum verfügbar sind. Somit schafft die Anlage einen Mehrwert für bayerische Unternehmen, insbesondere im Bereich Luftfahrt und Automobil, Wärme- und Energietechnik. Unsere Fördersumme von rund 8 Mio. Euro ist bestens angelegt“, so Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Die Faserpilotanlage konnte planmäßig innerhalb einer Bauzeit von 20 Monaten fertiggestellt werden, was vor dem Hintergrund der derzeit boomenden Baubranche keine Selbstverständlichkeit ist. Auch weil das Gebäude mit einer Nutzfläche von 1500 m² eine technisch anspruchsvolle Infrastruktur benötigt. Dazu zählen Reinstgase, explosionsgeschützte Labore und elektrische Anschlüsse für leistungsstarke Hochtemperaturöfen. Den Kernbereich bildet eine bis zu 11 m hohe, 15 m breite und 55 m lange Halle, in der in den kommenden Monaten die beiden Fertigungslinien aufgebaut werden.

https://htl.fraunhofer.de

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