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Voller Erfolg für die Plasma- und Oberflächentechnik
Mit einer inspirierenden und äußerst erfolgreichen Bilanz ist am 3. September 2026 die 20. International Conference on Plasma Surface Engineering (PSE2026) in Erfurt zu Ende gegangen. Vom 31. August bis 3. September kamen nach Mitteilung der EFDS 638 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie 73 Aussteller aus Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Industrie zusammen, um gemeinsam die neuesten Forschungsergebnisse, technologischen Entwicklungen und Anwendungsfelder der Plasma- und Oberflächentechnik zu diskutieren und voranzutreiben. Organisiert wird die Konferenz alle zwei Jahre vom European Joint Committee on Plasma and Ion Surface Engineering gemeinsam mit der Europäischen Forschungsgesellschaft Dünne Schichten e. V. (EFDS). Erneut hat die PSE damit eindrucksvoll bewiesen, wie lebendig und zukunftsweisend diese Fachcommunity ist.

Eindrücke von der Poster- und Industrieausstellung auf der PSE 26 (Bilder: Peter Nierhoff (obere Reihe) und EFDS)
Die stetig wachsende Teilnehmerzahl und die zunehmende Zahl von wissenschaftlichen Beiträgen der vergangenen Jahre zeigen zudem, welch zentrale Rolle die Plasma- und Oberflächentechnik für die großen Zukunftsthemen unserer Zeit spielt. Die starke internationale Beteiligung unterstreicht dabei einmal mehr, dass sich die PSE längst zu einer europäischen Fachkonferenz mit weltweiter Strahlkraft entwickelt hat. Von den 638 Teilnehmenden reisten 345 aus dem Ausland an – mehr als die Hälfte aller Gäste kam damit aus zahlreichen europäischen Ländern ebenso wie aus Asien, Australien sowie Nord- und Südamerika. Ein sehr erfreuliches Zeichen für die weltweite Vernetzung an Fachleuten.
Oberflächentechnik für die Energiewende
Mit dem diesjährigen Konferenzthema Surface Engineering for Clean Energy Solutions griff die PSE2026 eine der spannendsten und wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit auf. In den wissenschaftlichen Sessions, einem Industrie-Workshop und neuen, innovativen Formaten innerhalb der Ausstellung wurde engagiert diskutiert, welchen wertvollen Beitrag Plasma- und Oberflächentechnologien zur Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Energietechnologien leisten können.
Im Fokus standen unter anderem zukunftsweisende Anwendungen für Batterien, Wasserstofftechnologien, die Photovoltaik und weitere Energiesysteme. Neben neuen Beschichtungsverfahren und Materialien wurde besonders inspirierend diskutiert, wie sich innovative Technologien konsequent in Richtung industrieller Anwendung weiterentwickeln lassen. Skalierbarkeit, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit erwiesen sich dabei als entscheidende Erfolgsfaktoren, denn gerade im Umfeld der Energiewende müssen neue Technologien nicht nur technisch überzeugen, sondern es gilt, sie auch unter industriellen Bedingungen wirtschaftlich und ressourcenschonend einsetzbar zu machen.
Austausch zwischen Forschung und Industrie
Die PSE2026 brachte auf besonders gelungene Weise Wissenschaft, Technologieentwickler und industrielle Anwender zusammen: 46 Prozent der Teilnehmenden kamen aus der Industrie, 54 Prozent aus Forschung und Entwicklung – eine ausgewogene und äußerst fruchtbare Mischung. Gerade bei den Energiethemen zeigte sich somit, wie wertvoll der direkte Austausch über konkrete Anforderungen und Rahmenbedingungen der industriellen Umsetzung ist.
Angeregt diskutiert wurde unter anderem die Übertragung von Laborergebnissen auf größere Maßstäbe, geeignete Prozessbedingungen sowie Möglichkeiten zur Erprobung und Skalierung neuer Technologien. Formate wie der Industrie-Workshop, die Panel Discussion und das neue Silent Forum innerhalb der Ausstellung boten hierfür wertvolle zusätzliche Räume für Austausch und Vernetzung. Sie machten einmal mehr deutlich: Erfolgreiche Technologietransfers gelingen besonders dann, wenn Forschung und Industrie eng zusammenarbeiten, um neue Ansätze unter realen Bedingungen weiterzuentwickeln und für die industrielle Anwendung vorzubereiten.
Partnerland Iberia
Ein ganz besonderer Höhepunkt der Tagung war in diesem Jahr die iberische Halbinsel als Partnerland. Spanien und Portugal präsentierten ihre vielfältige Forschungslandschaft sowie wichtige Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft mit beeindruckender Sichtbarkeit und großem Engagement. Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte ein gemeinsamer Workshop in San Sebastián den fachlichen Austausch auf hilfreiche Weise eingeleitet. Auf der PSE2026 selbst folgten eine eigene Partner Country Session, zahlreiche wissenschaftliche Beiträge als Vorträge und Poster sowie ein eigener, ansprechend gestalteter Ausstellungsbereich für Iberia. Eine Landkarte der Region stellte die wichtigsten Akteure und Kompetenzzentren vor, ergänzt durch eine informative Broschüre zu ausgewählten Partnern und Einrichtungen.
Die starke wissenschaftliche Beteiligung spiegelte sich schon bei der Einreichung der Vortragsabstracts wider: Spanien und Portugal bildeten gemeinsam die zweitstärkste Ländergruppe nach Deutschland und brachten damit eine beeindruckende Bandbreite an Forschungsbeiträgen und Expertise in unterschiedlichsten Anwendungsfeldern ins Konferenzprogramm ein. So wurde die PSE2026 auch zu einer interessanten Plattform, um die Kompetenzen und Kooperationsmöglichkeiten der iberischen Plasma- und Oberflächenforschung international sichtbar zu machen.
Mit viel Engagement und einem ausgeprägten Sinn für Gastfreundschaft wurde Iberia auch kulturell erlebbar: Spanischer Schinken, portugiesischer Käse und iberischer Wein sowie eindrucksvolle traditionelle Trachten machten den Partnerlandbereich zu einem lebendigen, herzlichen Treffpunkt. Den internationalen Gästen bot sich so die Möglichkeit, Spanien und Portugal nicht nur als starke Forschungs- und Wirtschaftsstandorte, sondern auch als Regionen mit einer reichen kulturellen Identität kennenzulernen.
Ehrung engagierter und international sichtbarer Experten
Ein besonders schöner und bewegender Bestandteil des zweijährigen Treffens ist die Vergabe der renommierten PSE Awards sowie des Rudolf-Jaeckel-Preises.
Mit dem PSE Leading Scientist Award wurde in diesem Jahr ein herausragendes und überaus aktives Mitglied der Plasmagemeinschaft aus Schweden geehrt: Prof. Ulf Helmersson von der Linköping Universität erhielt den Preis für seine herausragenden und langjährigen Beiträge zur Plasmaoberflächentechnik, zur Dünnschichtphysik und zur physikalischen Gasphasenabscheidung (PVD) über einen beeindruckenden Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten. Prof. Helmersson gilt international zu Recht als einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet des plasmaunterstützten Dünnschichtwachstums. Er verbindet tiefgreifende physikalische Erkenntnisse mit technologischer Innovation, Führungsstärke als auch gesellschaftlichem Engagement und hat damit das Fachgebiet maßgeblich geprägt.

Die Preisträger der diesjährigen PSE (Bild: EFDS)
Der Rudolf-Jaeckel-Preis 2026 der Deutschen Vakuum-Gesellschaft (DVG) ging an Dr. Jörg Vetter. Mit dieser Auszeichnung würdigt die DVG seine herausragenden wissenschaftlichen und technologischen Beiträge zur Vakuumbogenverdampfung und deren industrieller Anwendung. Dr. Jörg Vetter hat die Entwicklung der modernen Oberflächen- und Beschichtungstechnik über mehrere Jahrzehnte maßgeblich mitgeprägt. Zu seinen besonderen Leistungen zählen die Entwicklung des Arc Enhanced Glow Discharge (AEGD)-Verfahrens zur Ionenreinigung und Plasmaunterstützung sowie wegweisende Arbeiten zu AlTiN- und AlCrN-Hartstoffschichten, amorphen und diamantartigen Kohlenstoffschichten (DLC/ta-C) und zu hybriden Beschichtungsverfahren, insbesondere der Kombination von Bogenverdampfung und HiPIMS.
Mit dem Nachwuchspreis des PSE Early Career Awards wurden gleich drei junge Talente geehrt, auf die die gesamte Community besonders stolz sein darf: Dr. Ramses Snockx von der EMPA in der Schweiz, Dr. Martin Rudolph vom IOM Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e. V. aus Deutschland sowie Tiago Filipe da Ponte Silva von der Universität Lissabon aus Portugal. Alle drei Nachwuchswissenschaftler haben schon jetzt, fachlich, durch internationale Kooperationen und großes persönliches Engagement, beeindruckende Leistungen erbracht und sich einen ausgezeichneten Namen in der Fachwelt erarbeitet.
Wissenschaftlicher Kern und aktive Fachwelt
Bei aller Anwendungsorientierung bleibt die PSE jedoch im Kern das, was sie seit 20 Jahren so besonders macht: eine lebendige wissenschaftliche Konferenz. Die große Zahl an Vorträgen und Postern unterstrich auch in diesem Jahr eindrucksvoll die hohe wissenschaftliche Aktivität der internationalen Fachwelt. Die Postersession und die Konferenz insgesamt boten gerade jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine wertvolle Bühne, um ihre Ergebnisse vorzustellen und sich mit erfahrenen Forschenden sowie anderen Nachwuchstalenten auszutauschen.
Gleichzeitig entwickelt sich die PSE als Plattform für wissenschaftliche Entwicklungen kontinuierlich und mit viel Elan weiter. Neben dem klassischen Konferenzprogramm entstehen zunehmend spannende Möglichkeiten, neue Themen gezielt sichtbar zu machen und eigene Schwerpunkte einzubringen. Ein interessantes Beispiel dafür war die Invited Session Metallic Glasses, die aus dem Kreis der Fachleute heraus organisiert worden war. Thematisch gebündelte Sessions wie diese ermöglichen es, aktuelle Entwicklungen hervorzuheben, verschiedene Forschungsansätze zusammenzuführen und auch größere Forschungs- und Projektkonsortien gemeinsam zu präsentieren.
Die begeisterte Resonanz auf dieses neue Format zeigt: Die Expertinnen und Experten nutzen die Möglichkeit, die Entwicklung des Konferenzprogramms aktiv mitzugestalten, mit großer Freude. Die PSE2026 hat damit auf beeindruckende Weise gezeigt, wie dynamisch und zukunftsgewandt sich die Plasma- und Oberflächentechnik entwickelt: Die wachsende Zahl an Teilnehmenden und wissenschaftlichen Beiträgen, die internationale Beteiligung, neue Themenfelder und Formate sowie der intensive Austausch mit der Industrie machen die Veranstaltung zu einer der wichtigsten Plattformen für Forschung, Innovation und den Weg von neuen technologischen Ideen in die industrielle Anwendung.
Wiedersehen auf der V2027
Nach einer erfolgreichen PSE2026 blicken die Veranstalter schon jetzt mit großer Vorfreude auf das nächste Highlight im Konferenzkalender: die V2027 vom 11. bis 14. Oktober 2027 in Dresden. Auch 2027 lädt die EFDS wieder dazu ein, gemeinsam mit der gesamten Plasma- und Oberflächentechnik-Community neue Ideen zu diskutieren, sich zu vernetzen und die Zukunft des Fachgebiets aktiv mitzugestalten.
- www.efds.org
- www.pse-conferences.net

Text zum Titelbild: Gut besuchte Eröffnungsveranstaltung der Tagung(Bild: EFDS)