Zu den beliebtesten Streitthemen auf Fachtagungen im Bereich der Oberflächentechnik zählt die Eignung von Methoden zur Bestimmung der Korrosionsbeständigkeit. Die moderne Wissenschaft richtet ihr Augenmerk auf die Vorgänge im Mikrobereich und deren Bestimmung und Erklärung, beispielsweise durch die Aufzeichnung von sogenannten anodischen und kathodischen Stromdichten um das Ruhepotenzial und der daraus ermittelten Korrosionsstromdichte. Die Praktiker ziehen die Betrachtung großer Flächen und deren Bewertung nach gut sichtbaren Angriffspunkten oder Angriffsflächen vor, wie sie aus der Belastung im Salzsprühnebeltest schnell und einfach zu gewinnen sind. Kunden aus der Automobilindustrie erweitern diesen einfachen Test durch komplexe Verläufe mit unterschiedlichen Temperaturen und Belastungsszenarien, die näher an der Realität sind (oder sein sollten – auch das ein Thema für ausufernde Diskussionen).
In einer umfangreichen Untersuchung hat Jonas Rehbein im Rahmen seines Studiums an der TU Ilmenau verschiedene Korrosionsverfahren herangezogen, um die Eigenschaften von Kombinationsschichten aus Nickel und Chrom, abgeschieden aus einem Chrom(III)elektrolyten, unter verschiedenen Aspekten zu betrachten (Beitrag auf Seite 21 ff). Die Untersuchung bezog sich dabei nicht nur auf die verschiedenen Prüfverfahren, sondern auch auf einen wichtigen Aspekt bei Chromschichten aus Chrom(III)systemen: die Anwesenheit von Eisen und Nickel im Elektrolyten, die bei der galvanischen Beschichtung stets in mehr oder weniger großem Umfang in den Elektrolyten als Störstoffe vorhanden sind. Diese haben einen erheblichen Einfluss auf die Eigenschaften der Chromschichten. Er zeigt damit einerseits, welche Wirkung die beiden Störstoffe haben, andererseits lassen seine Untersuchungen erkennen, dass der klassische Salzsprühnebeltest durchaus Vorteile gegenüber den moderneren elektrochemischen Messtechniken bei der Untersuchung von derartigen Beschichtungen hat.
Viele Praktiker wird diese Erkenntnis freuen. Nicht nur die gute Vergleichbarkeit aufgrund langjähriger Nutzung und einer umfangreichen Datenlage sprechen für diesen klassischen Korrosionstest; unter bestimmten Bedingungen überzeugt er auch durch seine einfachere Durchführung und die gut zu interpretierenden Resultate.

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