Präzise gestanzte Metallteile: Schlüssel zur Innovation in Automobil, Elektronik und Bauwesen

Werkstoffe 05. 11. 2023
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Valentin Wilhauk von der Heinzmann Metallverarbeitung GmbH gibt Einblick in seine Arbeitsweise zur Herstellung von Metallteilen für wichtige Komponenten in unterschiedlichen Industriebereichen

Die Anwendungen der Stanztechnik erstrecken sich über eine Vielzahl von Branchen, wobei gestanzte Metallteile eine entscheidende Rolle in der modernen Industrie spielen. Die Präzision und Effizienz dieser Fertigungstechnik ermöglichen zahlreiche Anwendungen in Bereichen wie der Automobilindustrie, Elektronik und dem Bauwesen. In der Automobilindustrie sind sie von entscheidender Bedeutung für viele Komponenten der Karosserie. In der Elektronikbranche spielen sie eine wichtige Rolle in der Herstellung beispielsweise von Leiterplatten oder Steckverbindungen und im Bauwesen werden sie für Anwendungen, Befestigungen, Schutzvorrichtungen oder Abdeckungen eingesetzt.

In einem Gespräch mit Heike Schmidt erläutert Valentin Wilhauk, Geschäftsführer der Heinzmann Metallverarbeitung GmbH mit mehr als 20 Jahren vielseitiger Erfahrung in der Metallverarbeitung, wie am besten auf die genauen Bedürfnisse des Kunden eingegangen werden kann.

Heike Schmidt: Herr Wilhauk, könnten Sie uns zunächst einen Überblick darüber geben, wie Stanzteile in der modernen Industrie eingesetzt werden und warum sie eine entscheidende Rolle spielen?

Valentin Wilhauk: In der ­Automobilindustrie werden Stanzteile in Fahrzeugen für verschiedene Zwecke eingesetzt, wie zum Beispiel für Karosserieteile, Motor- und Antriebskomponenten, elektrische Verbindungen und Bremsen. In der Elektronikindustrie werden sie für elektronische Komponenten verwendet, wie beispielsweise Gehäuse, Kühlkörper, Leiterplatten und Kontakte. In Haushaltsge­räten wie Kühlschränken, Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kochgeräten finden sie ebenfalls Verwendung. Die Bauindustrie verwendet Stanzteile für verschiedene Anwendungen, von Rohrleitungen und Verbindungen bis hin zu Halterungen und Befestigungselementen. Auch in der Möbelindustrie sind sie unter anderem in Stühlen, Tischen, Regalen und Betten zu finden.

Die Bedeutung der Stanzteile liegt in ­ihrer Präzision, Effizienz und Wiederholbarkeit. Durch den Stanzprozess können komplexe Formen und Präzisionsdetails mit hoher Geschwindigkeit und Genauigkeit hergestellt werden. Dies ermöglicht eine effiziente Massenproduktion und eine hohe Produktqualität.

Darüber hinaus sind sie oft kostengünstiger und leichter als andere Herstellungsmethoden, was zu einer verbesserten Produktwirtschaftlichkeit und -leistung führt. Sie bieten zudem eine hohe Festigkeit und Haltbarkeit, was sie ideal für anspruchsvolle Anwendungen macht. Insgesamt spielen Stanzteile damit eine entscheidende Rolle in der modernen Industrie.

Heike Schmidt: Welche technologischen Entwicklungen und Fortschritte haben die Herstellung und Präzision dieser Metallteile in den letzten Jahren vorangetrieben?

Valentin Wilhauk: Die Fortschritte der letzten Jahre basieren auf unterschiedlichen technologischen Entwicklungen. Die Verfügbarkeit von hochfesten oder speziell legierten Stahl- und Metallwerkstoffen ermöglicht die Herstellung von Stanzteilen mit höherer Festigkeit und Leistungsfähigkeit. Diese verbesserten Werkstoffe sind oft leichter und gleichzeitig widerstandsfähiger gegen Verschleiß und Ermüdung.

Fortschritte in der Werkzeugtechnologie durch neue Werkzeugkonzepte und -materialien tragen zur Verbesserung der Stanzpräzision bei. Zum Beispiel sind hochpräzise Stanzwerkzeuge mit Mindesttoleranzen und längerer Lebensdauer erhältlich, was die Qualität der hergestellten Teile optimiert.

Die Integration von Automatisierung und Robotik in den Stanzprozess ermöglicht eine höhere Produktivität und Effizienz. Durch den Einsatz von Robotern können Stanzteile schnell und präzise bearbeitet und Handhabungsaufgaben automatisiert werden. Die Entwicklung von hochpräzisen Messgeräten und Bildverarbeitungssystemen ermöglicht die genaue Erfassung von Maßen und Toleranzen. Dies gewährleistet eine umfassende Qualitätskontrolle während des Stanzprozesses. Insgesamt haben diese technologischen Entwicklungen dazu beigetragen, die Präzi­sion, Qualität und Effizienz bei der Herstellung von Stanzteilen zu verbessern und damit den Anforderungen der Industrie gerecht zu werden.

Heike Schmidt: Könnten Sie uns Einblicke in die Rolle der Präzision und Effizienz bei der Herstellung geben und wie sich diese auf die Qualität der Endprodukte auswirken?

Valentin Wilhauk: Die Präzision bezieht sich auf die Fähigkeit, genaue und konsistente Ergebnisse zu erzielen. In der Fertigung bedeutet dies, dass alle Komponenten und Prozesse auf die richtige Weise ausgeführt werden, um die gewünschten Spezifikationen zu erfüllen. Präzision ermöglicht es, Fehler zu minimieren und eine hohe Produktqualität zu gewährleisten. Es geht darum, sicherzustellen, dass jedes Bauteil oder jede Maschine exakt nach den vorgeschriebenen Anforderungen arbeitet.

Die Effizienz bezieht sich darauf, wie gut Ressourcen wie Zeit, Energie und Materialien genutzt werden. In der Produktion bedeutet dies, dass Produktionsprozesse so gestaltet sind, dass sie keine Verschwendung verursachen und optimale Ergebnisse erzielen. Eine effiziente Herstellung ermöglicht eine höhere Produktionsleistung bei gleichzeitiger Kosteneinsparung. Es geht darum, Aufgaben und Abläufe zu optimieren, um die Produktionsziele effektiv zu erreichen.

Dadurch entstehen direkte Auswirkungen auf die Qualität der Endprodukte. Wenn die Herstellungsprozesse präzise sind, können Fehler minimiert und Ausschuss reduziert werden. Somit wird eine höhere Qualität der fertigen Produkte gewährleistet. Darüber hinaus ermöglicht eine effiziente Produktion eine schnellere Durchlaufzeit, was wiederum die Lieferzeiten verkürzt und die Kundenzufriedenheit steigert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Präzision und Effizienz in der Herstellung von entscheidender Bedeutung sind, um die Produktqualität zu gewährleisten.

Heike Schmidt: Wie gehen Sie bei Heinzmann Metallverarbeitung GmbH auf die individuellen Bedürfnisse Ihrer Kunden ein und wie tragen maßgeschneiderte Lösungen zur Innovation in verschiedenen Branchen bei?

Valentin Wilhauk: Wir pflegen kontinuierlich eine enge Kommunikation mit unseren Kunden. Durch diese enge Verbindung sind wir in der Lage, den Kunden genau zu verstehen und nachzuvollziehen, was seine Bedürfnisse und Anforderungen sind. Aufgrund dieses Wissens sind wir in der Lage, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten und die Erwartungen des Kunden zu erfüllen.

Heike Schmidt: Welche Nachhaltigkeits­aspekte sind bei der Herstellung zu beachten, insbesondere in Bezug auf Recycling und Materialauswahl?

Valentin Wilhauk: Bei der Herstellung von Stanzteilen gibt es verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte zu beachten, wobei der Blick auf Recycling aus Gründen des Umweltschutzes seit einigen Jahren stetig wichtiger wird und Materialauswahl durch gestiegene Beschaffungskosten an Bedeutung gewinnt. Bei der Materialauswahl sollte darauf geachtet werden, dass die verwendeten Metalle gut recycelbar sind. Dies bedeutet, dass sie nach der Nutzung wiederverwertet werden können. Metalle wie Aluminium, Stahl und Kupfer sind gut recycelbar. Es ist wichtig, dass die Metallstanzteile am Ende ihrer ­Lebensdauer einfach dem Recyclingprozess zugeführt werden können. Dies bedeutet, dass sie leicht zerlegt und getrennt werden können, um die verschiedenen Metallkomponenten wiederzugewinnen.

Durch die Verwendung von recyceltem Metall als Rohmaterial für die Herstellung von Stanzteilen können Ressourcen gespart werden. Dies reduziert den Bedarf an primären Rohstoffen und verringert die Umweltauswirkungen der Gewinnung und Verarbeitung von neuen Metallen.

Schließlich ist es wichtig, Materialien zu wählen, die langlebig und widerstandsfähig sind, um eine lange Lebensdauer der Stanzteile zu gewährleisten. Dies reduziert den Bedarf an regelmäßigen Ersatz und minimiert den Abfall. Um die Umweltauswirkungen zu mini­mieren, sollten auch der Energie- und Ressourcenverbrauch während der Herstellung reduziert werden. Dies kann durch den Einsatz energieeffizienter Produktionsverfahren und den Einsatz von erneuerbaren Energien erreicht werden.

Heike Schmidt: Welche Rolle spielen die Digitalisierung und Automatisierung in der Herstellung von Stanzteilen und wie beeinflusst sie die Effizienz und Qualität der Produktion?

Valentin Wilhauk: Die Digitalisierung und Automatisierung wird zu einer tragenden Technologie in nahezu allen Industriebereichen, da durch den Einsatz moderner Technologien wie computergesteuerte Maschinen und automatisierte Prozesse Produktionsabläufe optimiert und die Effizienz gesteigert werden können. Die mit digitalen Systemen mögliche präzisere Steuerung der Maschinen führt zu einer höheren Qualität der gefertigten Teile. Durch die automatisierte Erfassung und Verarbeitung von Daten können zudem Fehler frühzeitig erkannt und korrigiert werden, was die Qualität weiter verbessert.

Darüber hinaus ermöglicht die Digitalisierung eine schnellere Umstellung auf verschiedene Aufträge und reduziert die Rüstzeiten, wodurch die Produktivität gesteigert und die Lieferzeit verkürzt werden können.

Ein weiterer Vorteil der Digitalisierung und Automatisierung ist die Verbesserung der Nachverfolgbarkeit. Durch die Nutzung von digitalen Systemen können Hersteller den gesamten Produktionsprozess transparent abbilden und genau nachverfolgen, welche Materialien verwendet wurden, wer an welchem Schritt beteiligt war und welche Qualitätskontrollen durchgeführt wurden.

Insgesamt führen Digitalisierung und Automatisierung zu einer verbesserten Effizienz und Qualität in der Herstellung von Teilen beziehungsweise Baugruppen in der Metallverarbeitung. Sie ermöglichen eine präzisere Steuerung der Maschinen, eine schnellere Umstellung auf verschiedene Aufträge und eine bessere Nachverfolgbarkeit des Produktionsprozesses. Dadurch können Hersteller wettbewerbsfähiger werden und Kunden hochwertige Produkte in kürzerer Zeit liefern.

Heike Schmidt: Welche Trends und Entwicklungen erwarten Sie in der Zukunft in Bezug auf die Stanztechnik und ihre Rolle in verschiedenen Industriezweigen?

Valentin Wilhauk: Für die Stanztechnik beziehungsweise Metallverarbeitung sind mehrere Trends und Entwicklungen zu erwarten.

Die Stanztechnik wird zunehmend automatisiert, um Produktionsprozesse effizienter zu gestalten. Dies bedeutet, dass Maschinen mit verbesserter Robotik und sensorischer Technologie ausgestattet werden, um das Stanzverfahren präziser und schneller durchzuführen. Durch die Integration von digitalen Lösungen wie Industrie 4.0-Technologien und Maschinenkonnektivität wird die Stanztechnik in der Lage sein, Daten in Echtzeit zu sammeln und zu analysieren. Dies ermöglicht eine bessere Überwachung und Steuerung der Produktionsprozesse sowie eine Vorhersage von Wartungsbedarf und potenziellen Störungen.

Die Stanztechnik wird in der Lage sein, eine breitere Palette von Materialien zu bearbeiten, einschließlich dünner und empfindlicher Materialien. Dies wird durch Fortschritte in der Stanzwerkzeugtechnologie ermöglicht, die eine höhere Präzision und Kontrolle bieten.

In Zukunft wird eine stärkere Nachfrage nach nachhaltigen Herstellungsverfahren und materialsparenden Techniken erwartet. Die Stanztechnik wird in der Lage sein, diese Forderungen zu erfüllen, indem sie weniger Abfall und eine effizientere Nutzung der Mate­rialien ermöglicht.

Die Kundenanforderungen an individuell angepasste Produkte werden weiter steigen. Die Stanztechnik wird in der Lage sein, diese Anforderungen durch flexible Werkzeugsysteme und digitale Steuerung zu erfüllen, um eine schnelle und kosteneffiziente Produk­tion von maßgeschneiderten Produkten zu ermöglichen.

Heike Schmidt: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Text zum Titelbild: Valentin Wilhauk, Geschäftsführer der Heinzmann Metallverarbeitung GmbH

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