Korrosionsschäden durch Mikroorganismen

Oberflächen 06. 06. 2021
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BAM koordiniert neues europäisches Forschungsnetzwerk zu MIC

Korrosion, die durch Mikroorganismen verursacht wird, ist ein weltweites Problem. In Europa ist die Forschungslandschaft dazu bislang sehr zersplittert. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) koordiniert jetzt ein neues Forschungsnetzwerk, das den interdisziplinären Austausch befördern will. Es wird in den kommenden vier Jahren von der Europäischen Förderorganisation COST (Cooperation in Science and Technology) finanziell unterstützt.

Korrosion durch Mikroorganismen (kurz MIC für engl.: microbially induced corrosion) verursacht jedes Jahr weltweit Schäden in Milliardenhöhe. Betroffen sind Werkstoffe und Materialien jeglicher Art: Metalle, Kunststoffe und sogar Beton. Die Folgen zeigen sich etwa an wichtigen Infrastrukturen der Energiever­sorgung wie Windkraftanlagen, Pipelines oder Turbinen, aber auch an Brücken, Hafenanlagen, in den Tanks von Schiffen und Flugzeugen und zahllosen Gegenständen des Alltags.

Bislang wird MIC in Europa nur sehr vereinzelt erforscht; es fehlt an einem Austausch zwischen Industrie und akademischer Welt. Auch mangelt es oft an einem interdisziplinären Ansatz – der bei der Bandbreite des Themas und der zahleichen von MIC betroffenen Bereiche jedoch geboten wäre. Zumal Experten davon ausgehen, dass die globale Erwärmung die Ausbreitung von MIC begünstigen und die Lebensdauer von Materialien in Zukunft weiter beeinträchtigen wird.

Andrea Koerdt von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin hat daher zusammen mit Torben Lund Skovhus vom VIA University College im dänischen Aarhus jetzt das Netzwerk Euro-MIC ins Leben gerufen. Es wird von der europäischen Förderorganisation COST (Cooperation in Science and Technology) unterstützt. COST fördert die Schaffung von internationalen Netzwerken und will dadurch Impulse geben für Forschungsfortschritte und Innovationen.

Wie Andrea Koerdt betont, soll mit Euro-MIC die bisher oft fragmentierte Forschungs­arbeit in Europa gebündelt, ein interdisziplinäres und kollaboratives Netzwerk geschaffen, der Austausch zwischen akademischer Welt und Industrie befördert und Präventionsmethoden gegen MIC entwickelt werden. Nach Aussage von BAM-Präsident Prof. Dr. Ulrich Panne ist die interdisziplinäre Erforschung von MIC ein Schwerpunkt an der BAM. Er zeigt sich erfreut darüber, dass dieser Ansatz jetzt auf den europäischen Rahmen und weit darüber hinaus erweitert wird.

Beteiligt an Euro-MIC sind fast 100 Institutionen aus 33 Ländern, von Norwegen über Griechenland und Portugal bis Zypern. Vertreten sind neben den 24 COST-Mitgliedsstaaten auch assoziierte Länder wie Brasilien, Australien, Indien, Singapur, Japan, Tunesien oder die USA sowie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus so unterschiedlichen Disziplinen wie Materialwissen­schaft, Physik, Chemie, Mikrobiologie, Biochemie, Geologie, Umweltwissenschaften. Euro-MIC
ist organisiert in fünf Arbeitsgruppen zu übergeordneten Themen; dazu zählen die Entwicklung einer gemeinsamen Terminolo­gie, die Forschung an Diagnosemethoden, das Monitoring von MIC sowie die Suche nach effektiven Gegenstrategien. Geplant sind in den nächsten vier Jahren unter anderem Online-Kurse, Workshops, Summer Schools, Konferenzen und Citizen-Science-Projekte.

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im ­europäischen und internationalen Rahmen.

Kontakt:

Dr. rer. nat. Andrea Koerdt;
E-Mail: Andrea.Koerdt@bam.de

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