Innovative Bondtechnologien überwinden Limitationen für optische Systeme

Werkstoffe 05. 03. 2019
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Wissenschaftler schlagen neue Wege ein

Integriert optische Systeme finden Verwendung in ganz unterschiedlichen Bereichen. Von der Lasertechnik über Medizin und Mobilität bis hin zu Luft- und Raumfahrt. ­Gerade hier werden funktionell Mikro- und Nanostrukturen zu hochpräzisen Messungen in extremen Umgebungsbedingungen eingesetzt. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Verbindung der optischen Flächen, das so genannte Bonden. Bisherige Bondverfahren erfüllen diese Anforderungen nur unzureichend.

Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena haben jetzt im Rahmen des ­Projekts Opti-Bond der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) neue Wege ­eingeschlagen: Dr. Ramona Eberhard, Prof. Stefan ­Nolte, Dr. Felix Zimmermann und Dipl.-Ing. ­Carolin Rothhardt ist es gelungen, innovative Bondtechnologien zu entwickeln, welche die bekannten Grenzen der Einsetzbarkeit optischer Systeme aufheben und neu definieren.

Durchgeführt wurde das Projekt vom AiF-Mitglied Forschungsvereinigung Feinmechanik, Optik und Medizintechnik e. V. (F. O. M.). Das IGF-Projekt war im November 2018 für den Otto von Guericke-Preis der AiF nominiert. Der Preis wird einmal im Jahr für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der IGF vergeben und ist mit 10 000 Euro dotiert. Die vorwettbewerbliche IGF wird im Innovationsnetzwerk der AiF und ihrer 100 Forschungsvereinigungen organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Plasmaaktivierung und ­Laserpulse statt Klebetechnik

Moderne optische Systeme benutzen zum Fixieren der optischen Systeme gegenwärtig Klebetechnologien, die durch den Einsatz eines organischen Polymers ­hinsichtlich der thermischen und mechanischen Stabili­tät begrenzt sind. Um diese Grenzen in der optischen Systemtechnik zu überwinden und neue Märkte wie Automotive, Medizintechnik oder Laser zu adressieren, bedarf es der Entwicklung von neuen Fügetechnologien. Wie Projektleiterin Dr. Ramona Eberhard vom Fraunhofer IOF berichtet, konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Rahmen des IGF-Vorhabens drei komplett neuartige Verfahren entwickeln. Einerseits das direkte Bonden, bei dem die Proben­oberflächen durch Plasma aktiviert werden, dann ein Verfahren bei dem die Forscher und Forscherinnen eine silikatische Fügelösung verwenden und schließlich ultrakurze Laser­pulse, die transparente Glasproben ganz ohne eine Zwischenschicht aneinanderschweißen.

Den bisherigen Fügeverfahren sind die neuen Technologien nach Aussage von Eberhard deutlich überlegen. Teamkollege Dr. Felix Zimmermann von der Trumpf Laser GmbH in Schramberg war als ehemaliger Projektmitarbeiter an der Universität Jena in das Projekt involviert. Die neuen ­Technologien ermöglichen ihm zufolge ein breites Bauteilspektrum. Gleichzeitig erlauben sie es, sowohl gleiche als auch unterschiedliche Mate­rialien miteinander zu verbinden. Die neuen Fügetechnologien sind kostengünstiger, halten hohen Temperaturen und Leistungsdichten stand und sind zudem auch bei gekrümmten Flächen einsetzbar. Die innovativen Bondverfahren erschließen so völlig neue Anwendungsfelder für optische Systeme. Das Industrieinteresse ist nach den Worten von Zimmermann dementsprechend groß.

Dr. Aleksander Budnicki, von der Trumpf Laser GmbH in Schramberg, hat das nominierte IGF-Projekt von Anfang an begleitet und ist von seinem Nutzen überzeugt: Insbesondere das Bonden mit ultrakurzen Laserpulsen betrachte man als eine Schlüsseltechnologie, die Trumpf im Haus schon für die Laserherstellung umgesetzt habe. Wir gehen davon aus, dass sich diese Technologie in Zukunft auch branchenübergreifend etablieren wird.

Europäische Weltraumagentur ESA baut Verfahren aus

Für Dr. Markus Safaricz, Geschäftsführer der F. O. M., ist das IGF-Projekt Opti-Bond ein ­Paradebeispiel für die Multiplikationsstärke der vorwettbewerblichen IGF-Förderung. Unmittelbar nach Projektabschluss seien alle drei Verfahren von der Industrie aufgegriffen und in die Verwertung überführt worden, sowohl von kleinen und mittleren Unternehmen als auch von Großunternehmen. Eines der Verfahren wird nach seinen Worten bereits in der Halbleitermesstechnik eingesetzt, ein anderes werde von der europäischen Weltraum­agentur (ESA) weiterentwickelt für Erdbeobachtungen.

Kontakt:

Dr. Ramona Eberhard, Fraunhofer-IOF

E-Mail: ramona.eberhardt@iof.fraunhofer.de

Dr. Markus Safaricz, F.O.M.

E-Mail: info@forschung-fom.de

  • www.aif.de

Text zum Titelbild: Direktes Bonden von Gittern mit Prismen (Foto: © Fraunhofer IOF)

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