Netzwerkbildung und Ausbildungsförderung - unverzichtbare Elemente für die Berufsbildung

Oberflächen 10. 12. 2017
40 Jahre Förderverein für die Schulen der Galvanotechnik und Leiterplattentechnik e.V.

Die große Zahl der gut ausgebildeten Fachkräfte in Deutschland stellt einen der wichtigsten Punkte für die derzeit hervorragende Situation der deutschen Industrie dar. Dies gilt ganz besonders für den Bereich zwischen der einfachen Hilfstätigkeit und der akademischen Ausbildung. Die Fachkräfte vom Facharbeiter über den Meister bis zum Techniker sorgen für eine optimale Umsetzung von neuen Entwicklungen, ebenso wie für die reibungslose Produktion beliebiger Güter. Im Bereich der Galvano- und Oberflächentechnik sind in Deutschland unter anderem die Berufsschule sowie die Technikerschule in Schwäbisch Gmünd die Anlaufstelle für den Berufszweig der Oberflächenbeschichter, der Galvanotechniker und - als weltweit einzige Ausbildungsstätte - der Leiterplattentechniker. Vor allem die Ausbildung für die beiden Technikerqualifikationen erfolgt ausschließlich im Rahmen eines zweijährigen Studiums, das im Durchschnitt von etwa 20 Personen wahrgenommen wird. Dazu muss die Ausbildungsstätte über umfangreiche technische Gerätschaften sowie über exzellente Kontakte zu Unternehmen der Branche verfügen.

Seit 40 Jahren leistet auf diesem Gebiet der Förderverein für die Fachschulen der Galvanotechnik und Leiterplattentechnik e. V. - seit etwa zwei Jahren unter der Kurzbezeichnung Galvanicus aktiv - überragende Unterstützungsarbeit. Am 6. Oktober hatte der Förderverein die Mitglieder nach Schwäbisch Gmünd eingeladen, um das 40-jährige Bestehen des engagierten Vereins zu feiern, dessen Mitglieder zu einem großen Teil selbst die Vorzüge der Förderung in Anspruch nehmen konnten.

Der derzeitige Vorsitzende des Vereins, Frank Friebel, betonte in seiner Begrüßung die Wichtigkeit der Unterstützung für den Verein, der regelmäßig dafür Sorge trägt, kurzfristig die Schule bei der Anschaffung von wichtigen Einrichtungen, Geräten oder Chemikalien finanziell zu unterstützen. Zudem leistet er organisatorische und finanzielle Unterstützung zu Exkursionen der Studenten, vermittelt Kontakte für Besuche bei Unternehmen und zur Ingangsetzung von technischen Projektarbeiten, beispielsweise im Rahmen der zu leistenden Abschlussarbeiten. Die Mittel für die finanzielle Unterstützung leistet der Verein aus den Mitgliedsbeiträgen und vor allem aus Spenden von Unternehmen aus dem Bereich der Oberflächentechnik. Dafür sprach Frank Friebel einen besonderen Dank an die Mitglieder und Spender aus. Darüber hinaus veranstaltet der Förderverein regelmäßige Weiterbildungsveranstaltungen zur Wasser- und Abwasserbehandlung sowie zur Anodisation von Aluminium. Die daraus erzielten Erlöse kommen ebenfalls der Ausbildung in Schwäbisch Gmünd zugute.

Die Unterstützung der Schule wurde und wird vor allem von der Stadt Schwäbisch Gmünd und dem Ostalbkreis als Träger der Schule sowie von der Leitung des Berufschulzentrums außerordentlich geschätzt, wie Karl Kurz (Landkreisverwaltung), Alexander Groll (Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Schwäbisch Gmünd) und Oberstudien­direktorin Sabine Fath (­Berufsschulzentrum Schwäbisch Gmünd) in ihren Grußworten deutlich zum Ausdruck brachten. Sie alle sind sich darin einig, dass die Qualität der Ausbildung durch die unkomplizierte Zusammenarbeit im Hinblick auf die ­Unterstützung deutlich gesteigert werden kann.

Für die Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik DGO e. V. überbrachte Axel Baus die Glückwünsche des Vorstandes und zeigte sich sehr erfreut darüber, dass mit Unterstützung des Fördervereins die Nachwuchskräfte an die wichtige Verbandsarbeit herangeführt werden. Ein besonderer Dank kam von der galvanotechnischen Industrie aus der Schweiz: Der Präsident der Swiss Galvanik, Christoph Stalder, lobte die Möglichkeit, Fachkräfte aus der Schweiz an der Schule in Schwäbisch Gmünd zu Technikern weiterbilden zu können ganz besonders, da die Schweiz über keine entsprechende Ausbildungsstätte verfügt.

 

Professor Peter Kunz, ehemals Hochschule Aalen und langjähriges Mitglied des Fördervereins Galvanicus, ließ die Entwicklung der Galvanotechnik in Schwäbisch Gmünd Revue passieren. So reichen die ersten Ansätze zur Ausbildung von galvanotechnischem Fachpersonal bis ins Jahr 1909 zurück, in dem erstmals eine labormäßige Einrichtung zur Durchführung der galvanischen Vergoldung und des Metallfärbens entstand. 1922 folgte mit der Gründung des Forschungsinstituts für Edelmetalle und Metallchemie der nächste Schritt, indem hier unter anderem Kurse für Galvanotechnik angeboten wurden. Diese fanden vor allem aufgrund des steigenden Bedarfs an edlen Gegenständen – von Besteck über Dekorationsgegenständen bis zu Schmuck – nach Ende des ersten Weltkrieges eine starke Nachfrage.

Die Reihe der bekannten Persönlichkeiten der Aus- und Weiterbildung wurde durch Hugo Krause, Professor Dr. Ernst Raub, Professor Arvid von Krusenstjern oder Karl Müller und Heinrich Leyendecker fortgesetzt, durch deren Schule ein großer Teil der deutschen Fachwelt auf dem Gebiet der Galva­notechnik seine Karriere begonnen hat.

Mitte des letzten Jahrhunderts hatte die Technikerschule allerdings auch gegen Widerstände seitens der Schulbehörde zu kämpfen, die eine Mindestschülerzahl von 15 verlangte. Mit der Gründung des Fördervereins und dem nachdrücklichen Engagement von Fachleuten wie Peter Kunz, Walter Alberth, Professor Dr. Lieber, Hasso Kaiser oder Alois Kubat aus Industrie und Ausbildung gelang es, das Kultusministerium von der Notwendigkeit der Technikerschule zu überzeugen und die Einrichtungen der Schule zu erweitern. Mit dem stark steigenden Bedarf an galvanotechnischen Verfahren zur Herstellung von elektronischen Schaltungen und der großen Zahl an Unternehmen, die sich auf diesem neuen Gebiet mit Entwicklungen hervortaten, wurden 1988 die Überlegungen und Planungen einer Ausbildungseinrichtung für die Leiterplattenherstellung aufgenommen. 1992 war es dann soweit: Die Leiterplattentechniker erhielten und erhalten ihre Fachausbildung bis heute, als einzigem Standort weltweit. Ohne die Hartnäckigkeit der Mitglieder des Fördervereins wäre es vermutlich nicht gelungen, das Überleben der Ausbildungsstätte für Oberflächentechnik in Schwäbisch Gmünd zu sichern.

Ein wichtiges Element der Arbeit des Fördervereins ist die Würdigung von Personen aus dem Fachbereich. So vergibt der Förderverein regelmäßig für Absolventen der Technikerschule Preise und Belobigungen für die besten Abschlussarbeiten. Darüber hinaus werden Fachkräfte der Branche für ihr Engagement zugunsten der Schule ausgezeichnet. Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wurde Gerhard Frankenberger der Walter Alberth-Preis in Form einer ­Medaille überreicht. Gerhard Frankenberger war mehrere Jahrzehnte Lehrkraft an der Fachschule und zuständig für die Auszubildenden im Blockunterricht sowie die Techniker in der Vollzeitausbildung. Der zweite verliehene Walter Alberth-Preis ging an die Qubus GmbH für ihre langjährige Unterstützung der Schule sowie der Schüler und Studenten. So bietet die Qubus GmbH einerseits Plätze und Themen für die Technikerarbeiten an und stellt andererseits ihre Mitarbeiter für den Unterricht in Ergänzung zum Regelunterricht zur Verfügung. Der Geschäftsführer Christian Deyhle war zudem über viele Jahre Vorsitzender des Fördervereins.

Mit Musik und Gaumengenüssen feierten die Gäste anschließend das Vereinsjubiläum und pflegten die wichtige Netzwerkarbeit, um auch zukünftigen Generationen ihre Unterstützung zukommen lassen zu können.

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