Schlötter eröffnet neue Versuchsgalvanik

Oberflächen 07. 11. 2017

Rechtzeitig zum 105-jährigen Firmenjubiläum eröffnete das 1912 in Leipzig gegründete und seit 1944 in Geislingen ansässige Unternehmen eine neue Versuchsgalvanik: auf einer Fläche von rund 360 m2 können galvanische und stromlose Prozesse zur Abscheidung, Vor- und Nachbehandlung von Metallschichten aus dem etwa 350 Verfahren umfassenden Produktportfolio der Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG im Technikumsmaßstab getestet und Kundenteile bemustert werden. Neben einer Vorbehandlungslinie enthält die neue Galvanik rund 50 Aktivpositionen mit einem Volumen von 50 Litern bis 400 Litern. Das sind rund 30 % mehr Elektrolytpositionen als bisher, was die Flexibilität im Technikum deutlich erhöht.

Dabei können unterschiedliche Schichtsysteme, die in der funktionalen und dekorativen Galvanotechnik benötigt werden, abgeschieden werden: darunter Verfahren für den kathodischen Korrosionsschutz (Zink- und Zinklegierungen) mit anschließenden Nachbehandlungssystemen, Kunststoffmetallisierung beginnend mit der Aktivierung in der Gasphase und nachfolgenden dekorativen Beschichtungssystemen genauso wie stromlose Verfahren (z.B. chemisch abgeschiedenes Nickel) oder bewährte Verfahren zur Abscheidung von Kupfer und Silber.

Da das Unternehmen bei der Planung der neuen Galvanik davon ausging, dass auf Chrom(VI) basierende Verfahren auch in den nächsten Jahren noch am Markt vertreten sein werden, enthält das neue Technikum einen Bereich für klassische sechswertige Chromelektrolyte, obwohl damit zusätzliche Investitionen in die Ablufttechnik erforderlich wurden. Bemusterungen mit Chrom aus Chrom(VI)verfahren sind somit auch über das mittlerweile abgelaufene Sunset Date möglich. Natürlich sind zudem innovative dreiwertige Chromelektrolyte der neuesten Generation vertreten.

Auch Kunststoffe, einschließlich Sonderkunststoffen wie IXEF® (glasfaserverstärtes Polyarylamid), können in der neuen Galvanik beschichtet werden. Nach der Metallisierung aus einem chemisch abscheidenden Nickelverfahren folgt die Beschichtung mit Kupfer und je nach Anforderung an die Endoberfläche die Abscheidung von Glanznickel, Doppelnickel, Velours- oder Satinnickel mit
abschließender Verchromung.

Eine Leiterplattenlinie ist noch in Planung und soll 2018 in Betrieb gehen. Bereits 2012 eröffnete Schlötter zusammen mit der AGES Triallian Corp., dem langjährigen taiwanesischen Vertriebspartner des Geislinger Unternehmens, in Taipeh ein PCB Development Center, in dem die in Geislingen entwickelte sauren Kupferverfahren für Leiterplatten unter produktionsnahen Bedingungen zur Marktreife gebracht werden können. Durch den Bau einer weiteren kleinen Leiterplattenlinie in Geislingen können die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Kupfer die von ihr entwickelten Verfahren in Zukunft auch im Haus testen. Zwar werden die meisten Leiterplatten mittlerweile in Asien gefertigt, doch Schlötter legt großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit deutschen und mitteleuropäischen Leiterplattenherstellern und Forschungsinstituten: Das Geislinger Unternehmen ist beispielweise einer der Partner des Verbundprojekts PEKOS, das von 08/2017 bis 07/2020 vom BMBF gefördert wird. Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung von Prozessen und Maschinen für den neuen Integrationsansatz in der Mikroelektronik: das Panel-Level-Packaging, bei dem elektronische Bauteile flexibel in dünne organische Substrate eingebettet werden, um komplexe Module weiter zu miniaturisieren. Mit diesem Projekt soll die Mikroelektronik in Deutschland gestärkt werden.

Zu den weiteren Besonderheiten des Technikums zählen eine moderne Anlagensteuerung, eine effiziente Ab- und Zuluftanlage mit Wärmerückgewinnung sowie eine hochwertige LED-Beleuchtung. Der Boden verfügt über eine Gewässerschutzbeschichtung nach WHG und drei getrennte Auffangtassen für cyanidische, chrom(VI)haltige und sonstige Abwässer. Die einzelnen Abwasserströme werden in der hauseigenen Abwasseranlage mit UV-Oxidationsreaktoren aufbereitet.

Insgesamt investierte Schlötter rund 1 Mio. Euro in den Bau der neuen Galvanikabteilung, die von den Mitarbeitern des Geschäftsbereichs Anlagentechnik geplant und gebaut wurde. Damit gewinnen die Kunden bei einem Besuch in Geislingen nicht nur ein Bild über die Eigenschaften der mit Schlötter-Elektrolyten abgeschiedenen Oberflächen, sondern auch über die Qualität einer von Schlötter gelieferten Galvanoanlage.

  • www.schloetter.de
 
 

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