Galvanoflex – Stromoptimierte, flexible und residuallastangepasste KWK ...

Oberflächen 08. 08. 2017
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... für die Betriebe der Galvanotechnik und vergleichbarer Branchen

Der steigende Anteil von regenerativer Energie an der Stromerzeugung, die nicht jederzeit an jedem Ort gleichermaßen verfügbar ist, macht die flexible und sichere Bereitstellung von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen unverzichtbar. Im Projekt Galvanoflex_BW, gefördert vom Umweltministerium Baden-Württemberg, entwickeln mehrere Unternehmen und Forschungs­einrichtungen ein richtungweisendes Konzept, wie dies in der Galvanotechnik und verwandten Branchen prozesssicher und wirtschaftlich umgesetzt werden kann.

Die Galvanotechnik ist prädestiniert für den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), weil hier die vergleichsweise hohen Strom- und Wärmeverbräuche bereits heute eine wirtschaftliche Umsetzung von systemdienlicher KWK erwarten lassen. Es fehlen jedoch immer noch praxistaugliche Betriebs­strategien und Strukturen für den Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung, die auf die besonderen Betriebsanforderungen der galvanotechnischen Industrie und vergleichbarer Branchen zugeschnitten und erprobt sind. Mit dem Projekt Galvanoflex_BW soll erreicht werden, dass eine Übertragung dieser Konzepte auf andere Unternehmen dieser Branchen ohne erheblichen zusätzlichen Aufwand möglich ist.

Um derartige praxistaugliche KWK-Konzepte realisieren zu können, werden die Entwicklungsarbeiten in enger Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen – dem Reutlinger Energiezentrum (REZ) der Hochschule Reutlingen, dem Institut EEP der Universität Stuttgart und dem Fraunhofer-Institut IPA – mit zwei Galvanikbetrieben – der Hartchrom GmbH in Karlsruhe und der Novoplan GmbH in Aalen – sowie der C&C Bark Metall-Druckguss und Formenbau GmbH in Schömberg durchgeführt.

Auf der Basis von erhobenen Energieverbrauchs- und Produktionsdaten bei den Industriepartnern Hartchrom, Novoplan und C&C Bark erstellt das EEP eine Simulation zum Energiemanagement in den Unternehmen und bindet im Anschluss die vom REZ zuvor entwickelten Steueralgorithmen für einen stromoptimierten KWK-Betrieb ein. Ziel ist es, Betriebsstrategien und Strukturen für eine optimierte Fahrweise von KWK-Anlagen zu entwickeln und die Energieeffizienz in den Unternehmen insgesamt zu steigern. Über die Berücksichtigung von Speichertechnologien wird erprobt, wie die optimierten Betriebsfahrpläne praktisch umgesetzt werden können.

Die plating electronic GmbH ist als weiterer Industriepartner eingebunden und steuert ihr Know-how aus der Gleichrichtertechnik bei, um das Flexibilitätspotenzial in diesem Bereich möglichst vollständig heben zu können. Als assoziierte Partner arbeiten die DiTEC GmbH für den Bereich Prozessautomatisierung und die Sales & Solutions GmbH, eine 100-prozentige Tochterfirma der EnBW, für die Themen Geschäftsmodelle und Vermarktung an dem Projekt mit.

Damit wird die Voraussetzung geschaffen, die erforderlichen KWK-­Betriebsstrategien und Strukturen zu erproben, um sie später, bei geänderten Rahmenbedingungen, auf andere Branchen übertragen zu können. Aus diesem Grund findet eine Validierung der Ergebnisse auch in der Druckgussbranche statt. Diese hat, ähnlich wie die Galvanikindustrie, einen hohen Bedarf an Strom und Wärme.

Koordiniert wird die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Industriepartnern von der eiffo eG, einem Ingenieurdienstleister der Oberflächentechnik, zu deren Innovationsnetzwerk die meisten der Industriepartner zählen.

Transfer der Ergebnisse

Neben der technischen Umsetzung liegt ein Schwerpunkt des Projekts auf der Einbindung der betroffenen ­Industriebetriebe in Baden-Württemberg und deutschlandweit, um den Transfer der Ergebnisse bestmöglich vorzubereiten und einzuleiten. Zu diesem Zweck wird eine Wissensplattform aufgebaut, welche die gewonnenen Erkenntnisse in allgemeiner Form aufbereitet und zugänglich macht. Dabei werden neben den KWK-spezifischen Informationen auch weitere Hinweise zu ganzheitlichen Energieeffizienzmaßnahmen zusammengefasst. Über eine Branchenplattform, mit Hilfe derer der Kontakt zu den Unternehmen in Baden-Württemberg hergestellt wird, soll diese dann verbreitet werden.

­Sozialwissenschaftliche Aspekte

Die sozialwissenschaftlichen Aspekte in dem Projekt werden durch begleitende Forschungen untersucht, bei denen insbesondere die Umsetzungsmöglichkeiten von Effizienzmaßnahmen in Industriebetrieben analysiert werden. Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Energieeinsparpotentiale produzierender Unternehmen bei zehn Prozent bis teilweise über 50 Prozent liegen, aber trotz zahlreicher Förderprogramme und gesetzlicher Regelungen bislang nur unzureichend ausgeschöpft werden.

Das am 1. Mai 2017 gestartete Projekt wird vom Umweltministerium Baden-Württemberg über einen Zeitraum von 30 Monaten gefördert. Unternehmen und Branchenorganisationen, die an weiterführenden Informationen oder einer Zusammenarbeit interessiert sind, können über die Redaktion der WOMAG Kontakt zu eiffo eG, Ansprechpartner für das Projekt, aufnehmen.

  • www.womag-online.de

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