Branchentreff der dekorativen RIM-Lackierung

Oberflächen 10. 12. 2016
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Techdays bei Votteler am 6. und 7. Oktober boten neue Einblicke zur Reaction Injection Moulding-Technologie

Fertig lackierte Bauteile direkt aus der Spritzgussmaschine – mit einfachen Farbwechseln von brillant transparent für Tiefenwirkung bis deckend metallic in einem Schuss, das war eines der Kernthemen auf den ersten Votteler TechDays am 6. und 7. Oktober 2016. Zahlreiche geladene Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich über Trends und Innovationen in der formgebenden Reaction Injection Moulding (RIM)-Technologie zu informieren. Weltweit relevante Anlagenhersteller waren anwesend und zeigten ihre Lösungen dazu. Vorträge zu Farb- und Designtrends, Trends in der Welt der Pigmente, zu Leichtbau und Haftvermittlung sowie Zeit zur Vernetzung in angenehmer Atmosphäre rundeten die Veranstaltung ab.

Die Techdays der Votteler Lackfabrik aus Korntal-Münchingen boten den Teilnehmern eine Plattform, um sich mit Partnern des Lackherstellers und Experten über die neuesten Entwicklungen und Industrie­trends auszutauschen. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand die Reaction Injection Moulding (RIM)-Technologie inklusive einer Live-Vorführung des Verfahrens im Technikum von Votteler.

Trends zu Gestaltung, Qualität und Verarbeitung

In ihrem Keynote-Vortrag beschäftigte sich Professor Brigitte Steffen, Leitung Material und Surface Design an der Hochschule Reutlingen, mit der Frage, wie sich das Verfahren für neue Designs nutzen lässt. Anhand zahlreicher Beispiele präsentierte sie unterschiedliche Trends aus verschiedenen Branchen, wie beispielsweise orga­nische Formen, strukturierte und brünierte­ Oberflächen sowie die Kombination von Kunststoffen mit Stein und Metallen. Einblicke bot das Referat auch darüber, wie Entwickler und Designer beispielsweise aus der Automobilindustrie mit diesen Materialkombinationen und Gegensätzen arbeiten. So wurde unter anderem eine Oberfläche in Steinstruktur mit warmer Haptik vorgestellt.

Technologiewechsel bei Lack und Maschinentechnologie

Der Vortrag von Josef Art, Votteler Lackfabrik, bot einen Überblick über die Innovationsfähigkeit des Unternehmens, das sich immer mehr zum Impulsgeber in der RIM-Lackierung entwickelt. Vorgestellt wurden Neuheiten aus der Brillantfarbwelt VarioShine, zur RIM-Lackierung von Kunststoff- und Composite-Teilen sowie Weiterentwicklungen im Bereich Holzdekore. Darüber hinaus informierte das Referat, wie unter Beachtung wichtiger Parameter bei Werkzeug, Lack und Maschinentechnologie bereits heute in diesem Verfahren vollautomatisch produziert werden kann.

Einen ersten Eindruck konnten sich die Teilnehmer der Votteler Techdays durch den Vortrag von Thomas Elfroth auch über die neue Spritzgießanlage GXW 650 Colorform verschaffen, die KraussMaffei Technologies bei der vom 19. bis 26. Oktober stattgefundenen Kunststoffmesse K in Düsseldorf vorgestellt hat. Die kompakte, standardisierte Spritzgießanlage verfügt über eine integrierte Lackdosiereinheit. Das innovative 2K + 1-Dosierkonzept ermöglicht schnelle und materialsparende Farbwechsel. Dies ist auch der Vorteil des neuen 3K-Mischsystems, das Alessandro Colella von Cannon vorstellte. Die Farbkomponente des Systems kann flexibel und ohne großen zeitlichen und personellen Aufwand gewechselt werden.

Beeindruckende Präzision in minimalen Schussgewichten demonstrierte die Schweizer Isotherm AG, indem Schüsse von 4,8 g mit einer Toleranz von +/- 0,01 erzeugt und gemeinsam mit den Teilnehmern vermessen wurden. Eine Anlage des Unternehmens wurde für die Live-Demonstration bei den TechDays aufgebaut.

Innovationen rund um das dekorative Lackieren

Andreas Bernt von der Eckart GmbH thematisierte in seinem Vortrag die Weiterentwicklung von Farbpigmenten und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für neue Effekte. Diese präsentierte er den Teilnehmern nicht nur verbal, sondern auch anhand von Farbmustern. Sie vermittelten einen realen Eindruck davon, was zukünftig mit Effektpigmenten alles machbar sein wird.

Thomas Kremen von der schweizerischen Nolax AG informierte über das Start-up Inmolt. Dahinter verbirgt sich eine Filmtechnologie, durch die unpolare, schwierig zu beschichtende Kunststoffoberflächen, beispielsweise von Polypropylen, während des Spritzgießprozesses in polare umgewandelt werden. Die Oberfläche kann dadurch problemlos im RIM-Verfahren beschichtet oder ohne Vorbehandlung lackiert werden. Die Mehrkosten der haftvermittelnden Folie werden durch die Verwendung von günstigem PP – bei Bedarf auch mit Glas­faser – im Vergleich zu polaren Thermoplasten mehr als kompensiert.

Eine weitere Anwendung präsentierte Alexander Schmidt, Hexion GmbH, mit dem Beschichten von Composite-Bauteilen (Organoblechen) im RIM-Verfahren. Die bei Composites benötigte Schichtdicke wird heute durch aufwändige Mehrschichtlackierungen hergestellt – wie früher bei Holzdekoren, die heute im RIM-Verfahren beschichtet werden.

Durch die Weiterentwicklung der Epoxy-Materialien und der PUR-Lackierung wird die dekorative Lackschicht zukünftig in einem Schuss formgebend lackiert werden können – und das mit eindrucksvollem Einsparpotenzial.
D. Schulz

Bei der Live-Demonstration des Verfahrens hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die Möglichkeiten der RIM-Technologie haut­nah kennenzulernen

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