Galvanische Verchromung – die Entwicklungen sind im Gange!

Oberflächen 09. 12. 2015

Die Diskussion um chrom(VI)haltige Elektrolyte hält schon seit einigen Jahren intensiv an und die zunehmende Aktualität zeigt sich nicht zuletzt an den vielen Beiträgen auf Tagungen und in den Anstrengungen verschiedener Interessenverbände. Eine sichere Handhabung von chrom(VI)haltigen Elektrolyten scheint durch die technisch bereits umgesetzten Maßnahmen hinsichtlich Arbeits- und Umweltschutz jederzeit gewährleistet, was durch aktuelle Messungen bestätigt wurde. Hier wurden in den vergangenen Jahrzehnten sehr große Fortschritte erzielt – nicht zuletzt, weil Chrom(VI)verbindungen aufgrund ihres Gefährdungspotentials immer im Fokus kritischer Diskussion standen.

Laufen diese Errungenschaften nun Gefahr verloren zu gehen? Hierzu gibt es unterschiedliche Auffassungen. Findet eine Verlagerung der Prozesse in Länder statt, die keine, beziehungsweise nur wenige Regelungen bezüglich Arbeits- und Gesundheitsschutz haben, dann ja – zumindest wenn der EU die Menschen außerhalb der Union genauso wichtig sind. Dies wäre dann nach Le Châtelier der Weg des geringsten Widerstands, doch sollte es den meisten Compliance-Regeln in Unternehmen widersprechen. Gelingt eine Umsetzung der von der ECHA geforderten Maßnahmen, dann können diese Prozesse auch weiterhin in Europa auf die bewährte sichere Weise betrieben werden – allerdings mit allen zusätzlichen bürokratischen und damit verbundenen personellen/finanziellen Hürden. Wermutstropfen blieben dennoch, weil eine Autorisierung trotzdem mit einem endlichen Datum versehen sein würde.

Bleibt noch die Substitution der chrom(VI)haltigen Elektrolyte durch die ungefährlicheren Crhom(III)elektrolyte zu beleuchten, was die eigentliche Intention von REACH ist. Das Unternehmen Schlötter beschäftigt sich schon seit mehr als 30 Jahren mit der Abscheidung von dekorativen Chromschichten aus Chrom(III)elektrolyten, und es wurde schon sehr früh erkannt, dass der Farbton der aus diesem Elektrolyten abgeschiedenen Überzüge näher an einem elektropolierten Edelstahl als an dem bekannten Blau eines aus chrom(VI)haltigen Elektrolyten ist. Zudem war und ist die Elektrolytführung deutlich aufwändiger und mit der eines Hochglanznickelelektrolyten vergleichbar.

An dieser Situation hat sich auch mit den neuen, auf Sulfat basierenden Systemen nichts Wesentliches geändert. Der Farbton ist unter optimalen Bedingungen wohl näher an dem aus einem chrom(VI)haltigen Verfahren, der Aufwand mit der Elektrolytpflege, der Empfindlichkeit gegenüber Fremdmetallen und organischen Einschleppungen sind geblieben. Erschwerend kommt hinzu, dass die zurzeit gebräuchlichen Chrom(III)elektrolyte alle Borsäure enthalten, welche ebenfalls in die SVHC-Kandidatenliste aufgenommen wurde.

Die bisherigen Chrom(III)elektrolyte sind chemisch deutlich komplexer aufgebaut als die Chrom(VI)elektrolyte, dies macht solche Systeme anfälliger und die Schichten variabler (in jeglicher Hinsicht). An dieser Stelle haben die Chrom(VI)elektrolyte mit ihrer bemerkenswerten chemischen Schlichtheit große Vorteile, welche sicherlich auch Gründe für die stabile hochwertige Qualität der aus ihnen abgeschiedenen Schichten ist.

Einen borsäurefreien, einfach zu führenden und wettbewerbsfähigen (im Vergleich zum Chrom(VI)elektrolyten) Chrom(III)elektrolyten zu entwickeln, aus dem Chromschichten erhältlich sind, welche sämtliche Kundenanforderungen erfüllen, wird sicherlich schwierig und langwierig. Vermutlich wird es auch nicht den Chrom(III)elektrolyten geben, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren für unterschiedliche Einsatzgebiete und die unterschiedlichsten Nachbehandlungen. Diese Entwicklungen werden nicht zum Nulltarif zu haben sein, das ist sicher.

Letztlich müssen wir uns den Herausforderungen stellen! Deshalb haben wir bei Schlötter die Anstrengungen in unseren hauseigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen deutlich verstärkt und zusätzlich neue Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten aufgebaut.

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