Eine Branche in starker Verfassung

Werkstoffe 10. 12. 2014
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Erfolgreiche Ulmer Schmierstofftage der Hermann Bantleon GmbH

Für viele Führungskräfte und Experten sind die Ulmer Schmierstofftage ein fixer Branchentermin. Avia Bantleon hatte zum 14. Mal zum Symposium geladen, das international renommiert für seine vielfältigen Vorträge ist. Entwicklungsgeist, Produktqualität und gesellschaftliche Verantwortung sind gefragt – da war sich die Branche einig und das stellten die Referenten unter Beweis.

Sein erster Besuch in Ulm hat Shao Dou aus Peking durchaus beindruckt: Er bekam den weltweit höchsten Kirchturm und auf den Schmierstofftagen 2014 die breiteste Wissenspalette der Branche präsentiert. Der junge Chinese, seit fünf Jahren für Bantleons chinesischen Partner tätig, war einer von über 250 Gästen aus 18 Ländern. Die folgten am 5. November im Neu-Ulmer­ Edwin-Scharff-Haus hochkarätigen Referenten:­ einem Querdenker im Bereich Klimaschutz genauso wie den Automobil- und Werkstoffproduzenten, die von ihren Forschungs- und Anwendungsansätzen berichteten. Übergreifende Themen waren Nachhaltigkeit, die Formaldehyddiskussion und neue Reinigungskonzepte. Moderator Gerhard Gaule, Bereichsleiter Technik bei Bantleon, moderierte gedankenschnell, auf den Punkt und konnte feststellen, dass sich die Branche im Netzwerk erfolgreich weiter­entwickeln und all ihre Innovationskraft entfalten kann.

Umweltschutz: vertane und kommende Chancen

Sie haben klare Visionen und arbeiten daran: die Referenten aus Wissenschaft und Forschung. Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher vom Forschungsinstitut für angewandte Wissensverarbeitung in Ulm erläuterte die verpassten und realistischen Chancen des Umweltschutzes in seinem Vortrag Ist das 2-Grad-Ziel im Klimabereich noch erreichbar? Dabei nahm er einen aktuellen Bezug und befasste sich mit der Frage, wie der Vertrag, der dazu 2015 bei der UN-Klimakonferenz abgeschlossen werden müsste, aussehen kann. Als Antwort sezierte Prof. Radermacher die möglichen und nötigen Prämissen.

Eine ebensolche Leidenschaft in seinem Fachgebiet bewies Prof. Aribert Büngers von der Technischen Hochschule Mittelhessen. Er beschrieb die sich wandelnden Beschaffungsprozesse, denn aus Lieferanten werden nach seiner Ansicht strategische Partner. Moderner Einkauf ist aktiv und sein Erfolg definiert sich aus Qualität und Schnelligkeit der Lieferanten. Wie solch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit einem Schmiermittellieferanten aussehen kann, erklärten in der Folge die Referenten aus Automobil- und Werkstoffindustrie.

Daimler setzt auf formaldehydfreie Lösungen

Die Referenten präsentierten mit viel Know-how, wie Schmierstoffe auf Produkte und Prozesse Einfluss nehmen. Das Pro und Kontra zum Formaldehydeinsatz war dabei ein heißes Thema. Silvia Kählig, Leiterin Anwendungstechnik bei Bantleon, beschrieb in ihrem Vortrag KSS 4.0, wie differenziert sich Avia Bantleon mit dem Thema aus­einandersetzt und maßgeschneiderte Lösungen bietet. Das Unternehmen hat nach ihrer Auffassung die Aufgabe, seine Kunden zu informieren. Dabei ist es unabdingbar, hellwach zu sein, denn die Gefahrenstoff­regularien sind im Fluss. Bei der Daimler AG ist inzwischen der Entschluss zur Nutzung von formaldehydfreien Kühlschmierstoffen gefallen. Neben technischen tauchen hierbei wichtige Fragen zum Mitarbeiterwohl auf: Ist ein Schmierstoff ohne Bakterizide noch hautverträglich? Wie schätzt das der Werksarzt ein?

Über Anwendererfahrungen und künftige­ Vorgehensweisen berichtete Sven Giesler­ mit viel Verve. Exklusive und offene Ein­blicke in die Entwicklungsarbeit von Daiml-
er gewährte Dr. Hans-Jürgen Füßer in seinem Vortrag zur Reibungsoptimierung mit FuelEconomy-Motorölen. Er beschrieb Verfahrensschritte, wie zur möglichen Reduktion der Reibung, und damit zur Energieeinsparung, verschiedene Motorölkandidaten Tests unterzogen wurden.

Perfekte Schmierstoffe zum Fräsen und Zerspanen

Die Experten von Profiltech und der Wieland-Werke AG berichteten aus der Werkstoffindustrie über ihre Erfahrungen mit Schmierstoff beim Fräsen beziehungsweise Zerspanen. Profiltech hat ein spezielles Verfahren zum Fräsen von Profilbändern entwickelt. Die Produkte, wie Kontakte und Steckverbinder, finden beispielsweise in der Elektronikwelt Verwendung. Höchste Präzision garantiert absolute Qualitätsleistung. Die Experten in Ulm sind über das Bekenntnis von Corinna Rueß erfreut: Entlang der Produktionskette verwenden wir spezifisch entwickelte Bantleon-Prozessmedien.

Bei der Wieland-Werke AG setzt Christian Erb auf bleireduziertes Zerspanen der Walz-,
Press- und Ziehprodukte. Entsprechend stehen Prozessparameter wie Schmiermittel vor neuen Herausforderungen. Wie der Zerspanvorgang als System betrachtet und weiterentwickelt wird, das öffnete für die Zuhörer ebenso neue Wissenshorizonte wie der Vortrag von Kornelius Siemens der HDS Hydraulik. Zu seinem Thema gibt es nach eigenem Bekunden keine Google-Einträge. Die Hörerschaft erwartete quasi­ eine Weltpremiere über die Kompatibilität­ von Schlauchleitungen gegenüber heutigen Ölmedien. Denn Änderungen der Ölzusammensetzung können zu Leistungseinschränkungen von Schläuchen führen. Der Wunsch ist es, immer den optimalen Schlauch verfügbar zu haben, verdeutlichte­ Siemens. HDS hat deshalb eigene Prüfstände entwickelt.

Reinigungskonzepte für saubere Lösungen

Nach der Produktion ist vor der Produktion: Einige Gäste kamen extra noch kurz vor Schluss zum Themenblock Reinigen. Der Spezialist Dürr Ecoclean stellte dar, wie sich Werkstücke mit unterschiedlich zusammengesetzten Lösungsmitteln (z. B. wässrig oder organisch) bedarfsgerecht reinigen und konservieren lassen. Eine saubere Lösung bieten Bantleon und der Anlagenhersteller Ossberger. Das entwickelte Reinigungskonzept Coli-Cleaner für die Metallbearbeitung ist das überzeugende Resultat einer Kooperation, in der Anlagentechnik und Reinigerchemie optimal aufeinander abgestimmt sind. Die Synergieeffekte nutzen nach Aussage von Kerstin Zübert und Markus Hütinger hierbei dem Anwender und der Umwelt.

Umfassendes Wissen auf Hausmesse

Der Gedanke der ganzheitlichen Branchen- und Innovationskraft zeigte sich in der umfangreichen Messe, die das Symposium begleitete. Schleifsysteme, Schutzbeschichtungen, Feuerschutz, Arbeitskleidung, Technische Dokumentation und Wirtschaftskooperationen: Rund 20 Aussteller erklärten ihre Produkte und Leistungen in ungezwungener Atmosphäre. Ein echter Marktplatz der Information und Kommunikation, der den Sinn fürs Ganze schärft – und damit die Erfolgsaussichten der Schmiermittelbranche.

Hermann Bantleon GmbH
Blaubeurer Straße 32, D-89077 Ulm

Shao Dou aus Peking bildete sich an der Bantleon-Akademie und bei den Schmierstofftagen weiter

Bantleon-Geschäftsführer Heribert Großmann und Moderator Gerhard Gaule, Technischer Leiter Bantleon, hatten geladen: Experten aus 18 Ländern kamen zu den Schmierstofftagen nach Neu-Ulm

Eine Augenweide und Veranstaltungsmotiv: das rote Schmiermittel

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