Praktische und theoretische Einblicke in die Galvanotechnik

Karriere 23. 01. 2016
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Exkursion zu Umicore Galvanotechnik und Forschungsinstitut Edelmetalle + Metallchemie fem
Ein Bericht von Martin Leimbach und Lukas Grohmann

Mit dem Ziel, ihr Wissen rund um die Galvanotechnik zu erweitern, waren 25 Masterstudenten und wissenschaftliche Mitarbeiter der TU Ilmenau zu Gast in Schwäbisch Gmünd. Auf dem Programm standen ein Besuch der Umicore Galvanotechnik GmbH sowie des Forschungsinstitutes für Edel­metalle und Metallchemie fem.

Erste Station der Exkursion war die Umicore Galvanotechnik GmbH. Zu Beginn der Veranstaltung stellte der Geschäftsführer­ der Umicore Galvanotechnik, Thomas Engert, den belgischen Materialtechnologie-­Konzern und speziell die in Schwäbisch Gmünd ansässige Galvanotechnik GmbH vor. Unser Standort hat eine sehr lange Tradition. Im Laufe der Jahre hat er sich zu einem wichtigen strategischen Bereich des Gesamtkonzerns entwickelt, so Engert. Im anschließenden Vortrag berichtete Dr. Sascha Berger über den vielfältigen Einsatz von Edelmetallschichten und deren breites Anwendungsspektrum in der Galvanotechnik. Die Gruppe besichtigte das gesamte Unternehmen, inklusive des analytischen Labors, der Produktion und der Versuchsgalvanik, in welcher beispielsweise neu entwickelte Elektrolyte auf Praxistauglichkeit getestet werden. Im Labor konnte eine Vielzahl verschiedener analytischer Anlagen wie ICP, AAS und Ionenchromatographen, besichtigt werden. Hier wurde deutlich, dass die Betreuung der Kunden an erster Stelle steht. Optimaler Service ist für das Unternehmen ein überaus wichtiger Aspekt. Um dies nachhaltig zu gewährleisten bietet die Umicore Galvanotechnik den Kunden an, die im Einsatz befindlichen Elektrolyte kostenlos zu analysieren, so Dr. Berger im Rahmen der Führung. Deshalb dient ein eigens konzipiertes Technikum auch dazu, Kunden im Umgang mit neuen Elektrolyten umfassend zu schulen. Ein weiteres Highlight des Besuchs war die Besichtigung der Anlage zur Salzschmelzbeschichtung mit Platin. Hier werden refraktäre Metalle wie Titan, Niob oder Molybdän haftfest mit Platin beschichtet.

Der zweite Abschnitt der Exkursion umfasste einen Besuch des Forschungsinstituts für Edelmetalle und Metallchemie Schwäbisch Gmünd, kurz fem. In einem Vortrag stellte die Leiterin der Ableitung Elektrochemie, Galvanotechnik und Korrosion, Dr. Renate Freudenberger, das Institut vor. Besonders die Kompetenzfelder in der Forschung wurde hervorgehoben, welche die Metallkunde und Werkstoffprüfung, die Schichtabscheidung mit chemischen und physikalischen Verfahren, die Oberflächentechnik für Leichtmetalle und auch analytische Fragestellungen umfassen. Hinzu kam ein kurzer Abriss über die Geschichte der Einrichtung sowie ein Überblick über die Einnahmen aus aktuellen Projekten und Industriekooperationen.

Die Besichtigung erfolgte in drei Gruppen unter Leitung von Dr. Freudenberger, Dr. Reinhard Böck und Dr. Ulrich Klotz aus der Abteilung für Metallkunde. Ein großer Teil der Führung schloss den Bereich Galvanotechnik ein. Zur Ausstattung zählen mehrere Handschuhboxen, in denen unter­ Stickstoffatmosphäre Versuche mit ionischen Flüssigkeiten erfolgen. In einem weiteren Labor finden Experimente im Becherglas-Maßstab statt, welche zur Ermittlung von inneren Spannungen in den Schichten dienen. Das Forschungsinstitut hat dazu ein eigenes Messsystem entwickelt. Ein weiteres Spezialgebiet ist die Herstellung von Nanopartikeln durch Einsatz von Pulsabscheidungen. Anwendung können diese Materialen beispielsweise in PEM-Brennstoffzellen finden. Neben der Entwicklung von neuen Werkstoffen bietet das Institut aber auch Korrosionsuntersuchungen, unter anderem in Sprühkammern als Salzsprüh- und Kesternichtest oder mit künst­lichem Schweiß, an.

Als Teil der Abteilung für Metallkunde wurden weiterhin Versuchsanlagen zum Kippgießen unter Schutzgasatmosphäre besichtigt, mit denen Metalle wie beispielsweise Magnesium verarbeitet werden können, die bei Luftkontakt schnell Oxidschichten ausbilden. In einem weiteren Labor wurde die Funktionsweise des selektiven Laserschmelzens veranschaulicht. Dort werden unter anderem Halbzeuge mit komplexen Geometrien aus Metallpulver hergestellt.

Eine erfolgreiche Forschungsarbeit wäre jedoch ohne geeignete Methoden zur Werkstoffcharakterisierung nicht möglich. Ebenfalls vorgestellt wurden dazu die Bereiche Materialprüfung und Analytik. Hierzu zählen Materialographie, Lichtmikroskopie, Röntgendiffraktometrie und Rasterelektronenmikroskopie, auch unter Einsatz eines Focused Ion Beam (FIB). Von besonderer Bedeutung sind jedoch die Röntgentomographen. Eines der beiden Geräte füllt einen ganzen Raum aus und findet häufig für Aufträge von externen Unternehmen und anderen Forschungseinrichtungen Verwendung. Die Besichtigung dieser Anlagen bildete den Abschluss des Rundganges.

 

Text zum Titelbild: Die Teilnehmer der Exkursion bei der Umicore Galvanotechnik GmbH mit Thomas Engert (ganz rechts) und Dr. Sascha Berger (ganz links)

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