Von Wertschöpfung und ­Wertschaffung – angewandte „Thermodynamik“ in Europa

Verbände 09. 11. 2013
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Von Dr. Malte-Matthias Zimmer

Beschäftigt man sich mit der Naturwissenschaft, so stößt man unweigerlich auf ein Fachgebiet, das Vielen trocken und theoretisch erscheint, obwohl es sehr konkrete­ Entsprechungen in der alltäglichen Welt findet. Ich spreche von der Thermodynamik. Ein Aspekt der Thermodynamik ist die Betrachtung von Systemen, offenen und geschlossenen. Auf den Unterschied möchte ich hier kurz eingehen.

Ein geschlossenes System hat keinerlei Wechselbeziehungen, insbesondere keine stofflichen mit der Außenwelt. Es ist abgeriegelt. Solche Systeme streben einem Endzustand entgegen, in dem alle Inhalte des Systems gleichverteilt sind. Das System ist tot, da keine Aktionen mehr stattfinden können. Als lebendes, dauerhaft existentes System eignet sich ein solches Szenario nicht.

Daher sind lebende Systeme immer offen, das heißt, sie tauschen Energie und Materie mit ihrer Umwelt, entwickeln sich dadurch weiter, leben, existieren und vergrößern sich sogar. Ist die Zufuhr von außen gestoppt, wird immer noch Energie und Materie abgegeben. Da jedoch nichts aufgenommen wird, fehlt dem System irgendwann die Existenzgrundlage, sozusagen der Treibstoff. Es werden keine neuen Werte geschaffen, sondern es wird nur intern geschöpft, also von der Substanz gezehrt – das System wird in absehbarer Zeit sterben. Gleiches gilt, wenn der innere Verbrauch die äußere Zufuhr übersteigt – die innere Wertschöpfung wird nicht durch äußere Zufuhr gedeckt. Das System schwindet und stirbt letztlich ebenfalls, wenn auch langsamer.

Nun werden Sie fragen, warum diese Einleitung? Nun, nicht nur biologische Systeme sind offen, sondern auch politische, Gesellschaften und Staaten sowie Staatenbünde. Womit wir bei der Betrachtung Europas wären!

In Europa fand in den letzten Jahrhunderten eine rasante Aufwärtsentwicklung statt. Die Bevölkerung stieg, der Wohlstand ebenfalls. Woran lag das? Betrachtet man zunächst einen Nationalstaat als offenes System, so setzt die Entwicklung einen starken Zustrom an Material und Energie von außen voraus. Werte wurden geschaffen, für die es außerhalb des Systems Bedarf gab. Im Falle von Staaten, also der Wirtschaften, kann man dies ohne Einschränkung der Allgemeingültigkeit mit Geld gleichsetzen. Europas Staaten prosperierten, weil sie gegenüber den Nachbarstaaten mehr gewinnen konnten. Beispiele sind unter anderem die frühere Textilindustrie Englands sowie aktuell die Automobilindustrie Deutschlands. Modern nennt man diese positive Bilanz Exportüberschuss. Damit ist eine höhere Einnahme von außen als Ausgabe in die Gegenrichtung auf Staatenebene gemeint.

Ein solcher Staat wächst und entwickelt sich positiv weiter; er schafft Werte, die zum inneren Wohlstand führen, da es dafür Abnehmer gibt. Naturgemäß muss es jedoch jemanden geben, der diesen Überschuss zahlt, und da unser irdisches System weitgehend endlich ist, gibt es in der Bilanz jemanden, der verliert. Einerseits sind dies die endlichen Rohstoffe. Jeder von uns weiß jedoch auch, dass es andererseits Staaten mit negativer Handelsbilanz gibt, die also von Importen abhängen. Diese können irgendwann die Importe nicht mehr bezahlen, benötigen Kredite und Hilfen, denn sie schaffen keine Werte, sondern schöpfen sie nur ab. In Europa sind derartige Kandidaten mittlerweile ziemlich deutlich erkennbar.

Doch nun vereinigt sich Europa. Damit wird das System erweitert! Woher kommt nun der Exportüberschuss, also der Treibstoff für das System? Er kann nur von außerhalb Europas kommen. Doch reicht er? Bisher reicht er offenbar noch, jedoch mehren sich die Anzeichen für einen entstehenden Mangel – beispielsweise die Mangelerscheinungen, die sich in der Krise rund um die südlichen europäischen Staaten ranken, aber keineswegs auf sie beschränkt sind.

Zur Ergündung der Ursache folgt man dem eingangs erläuterten Ansatz. Es kommen dann nur zwei Gründe in Frage: Erstens ist die Zufuhr (sagen wir in Geld­einheiten) zu gering und zweitens ist der innere Verbrauch zu hoch.

Der erste Grund ist leicht nachvollziehbar. Die außereuropäischen Staaten mausern sich seit Jahren selbst zu wertschaffenden Nationen und Gemeinschaften. Sie sind längst nicht mehr im gleichen Maße auf die Werteschaffung in Europa angewiesen wie früher. Die Textilbranche hat England schon lange verlassen und die deutsche Autoindustrie kann die wachsende asiatische Konkurrenz kaum übersehen. Ein weiteres wichtiges Beispiel ist die Stahlindustrie; die Stahlproduktion Asiens hat diejenige Europas längst überflügelt. Der Bedarf an Werten aus Europa nimmt außerhalb Europas beständig ab. Da rettet auch die Flucht in die vielbeschworenen innovativen Produkte­ wenig, denn ihr Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung ist naturgemäß gering.

Doch der innere Verbrauch in Europa nimmt ungeachtet der geringer werdenden Zufuhr weiter zu. Viele unzweifelhaft lobenswerte­ Initiativen verbrauchen nur Werte und Ressourcen, schaffen aber keine. Die Zusammenhänge sind einfach zu erkennen. Immer mehr Menschen beschäftigen sich damit festzulegen, wie Dinge zu tun sind, anstatt sie wirklich durchzuführen. Wachsende Behörden und Vorschriften im Finanzbereich (Steuer), in der Umwelt, bei Arbeit und Soziales, Statistiken und vieles mehr ziehen nicht nur eine enorme Anzahl Staatsvertreter nach sich. Wer kennt sie nicht, die zahlreichen Behördenvertreter, die bei der Besichtigung nach Störfallverordnung dem Unternehmer gegenübersitzen? Ein Verhältnis von 1:12 ist normal. Dazu benötigen die Unternehmen, also die wertschaffenden Einheiten des Staates, immer mehr Hilfe bei der Bewältigung der zunehmenden Ansprüche. Und so steigt auch die Zahl der Rechtsanwälte, Steuer- und sonstigen Berater, ohne die der produktionsorientierte Unternehmer (vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen) ständig Gefahr läuft, gegen irgendwelche Regularien zu verstoßen.

Ein weiteres Beispiel stellt – gerade in Deutschland – neben vielen anderen die demografische Entwicklung dar. Immer mehr Bürger treten aus dem Arbeitsleben aus. Doch ihr Unterhalt wird aus den geschaffenen Werten der weniger werdenden aktuellen Arbeitnehmer bestritten. Hinzu kommt noch der zunehmende Bedarf an Pflegeberufen. Ungeachtet der unbestrittenen Tatsache, dass dies moralisch und gesellschaftlich notwendig ist, schaffen diese Personenkreise keine Werte.

Alle diese Behörden und nicht wertschaffenden Gesellschaftskreise wollen und sollen natürlich leben, wenn möglich im gewohnten Wohlstand. Dazu schöpfen sie natürlich Werte ab; doch steht ihrer Wertschöpfung eine ausreichende Wertschaffung entgegen? Zweifel für die Zukunft sind angebracht.

Und Europa verstärkt diese Zweifel noch. Indem Europa ohne Augenmaß die wertschaffenden Gesellschaftsteile belastet, um unbestreitbar hehre Ziele zu verfolgen, riskiert sie Teile der Wertschaffung, die für die Nahrung des Gesamtsystems Voraussetzung sind. Die ECHA und die von ihr zu verfolgenden europäischen Regulierungswerke sind ein hervorragendes Beispiel für einen solchen Zusammenhang. Mit immensen Kosten werden hier Belastungen für die Wertschaffung in Kauf genommen. Die Zielsetzungen mit erhöhter Sicherheit sind nicht in Frage zu stellen. Doch: Wer bezahlt dies? Was ist die Bevölkerung Europas bereit aufzugeben, um eine solche idealistisch ausgerichtete Politik ohne Blick für die ökonomischen Folgen zu realisieren? Wenn unsere Waren durch inneren Verbrauch, also Wertschöpfung ohne Werteschaffung, so unattraktiv geworden sind, dass sie uns niemand außerhalb Europas abnehmen mag – wer sichert unseren Wohlstand? Der Binnenmarkt kann dies nicht leisten, denn er verteilt Werte in Europa nur um.

Was, wenn uns die Waren niemand mehr abkauft? Oder zumindest nicht in ausreichender Menge? Was, wenn unsere Waren im Ausland produziert werden und wir sie einkaufen müssen? Wovon bezahlen wir sie dann?

Idealistisch Ziele sind richtig und wichtig. Doch man kann nur tun, was man sich auch leisten kann. Jeder Unternehmer, vor allem die der kleinen und mittleren Unternehmen spüren täglich, wie auf das Machbare reduziert werden muss. Das benötigt Augenmaß, Vorsicht und stete Selbstprüfung. In diesen Punkten herrscht in Europas Zentrale sicher noch Optimierungspotential, zu dessen Anhebung wir alle sie verstärkt anregen sollten. Dies müssen wir vor allem um unserer und unserer Kinder Zukunft willen tun.

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Dr. Reinhold Festge zum Präsidenten des VDMA gewählt

Dr. Reinhold Festge, geschäftsführender Gesellschafter Haver & Boecker, Oelde, ist auf der Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am 18. Oktober 2013 in Stuttgart zum neuen Präsidenten gewählt worden. Er löst turnusgemäß Dr. Thomas Lindner, Groz-Beckert KG, Albstadt, ab, der seit 2010 Präsident des VDMA war.

Reinhold Festge wurde am 10. November 1945 in Oelde geboren. Nach Abschluss des Medizinstudiums studierte er Betriebswirtschaft und arbeitete anschließend als Geschäftsführer für Haver + Beumer Latinoamericana in Brasilien. Von 1985 bis 1987 war er Geschäftsführer von Haver Filling Systems in den USA. Seit 1987 ist er persönlich haftender geschäftsführender­ Gesellschafter von Haver & Boecker in Oelde. Das Unternehmen Haver & Boecker wurde 1887 gegründet und hat aktuell weltweit über 2700 Mitarbeiter. Der Umsatz der Gruppe lag 2012 bei 402 Millionen Euro. Die Produktpalette des Unternehmens reicht von Produkten der Verpackungs- und Aufbereitungstechnik bis zu Drahtgewebe und Drahtgewebeprodukten für die industrielle und architektonische Anwendung.

Festge ist Mitglied im Engeren Vorstand und im Hauptvorstand des VDMA. Von 1998 bis 2004 war er Vorsitzender des VDMA-Fach-verbandes Bau- und Baustoffmaschinen und von 2005 bis 2011 Vorsitzender des VDMA-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen.

Karl Haeusgen und Carl Martin Welcker
zu Vizepräsidenten gewählt

Karl Haeusgen ist Sprecher des Vorstands (CEO) der HAWE Hydraulik SE, München. Er verantwortet die Ressorts Vertrieb, Qualität und Organisation. Gleiche Bereiche leitete er bereits seit 1996 als geschäftsführer der HAWE Hydraulik GmbH & Co. KG, die im September 2008 in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt wurde. Karl Haeusgen ist Hauptaktionär des Fami­lienunternehmens und Enkel von Karl Heilmeier, einem der beiden Firmengründer. HAWE ist einer der führenden reinen Hydraulikhersteller und beschäftigt aktuell über 2200 Mitarbeiter. Der Umsatz der Gruppe lag 2012 bei 320 Millionen Euro.

Innerhalb des VDMA gehört Haeusgen dem Engeren Vorstand, dem Hauptvorstand und dem Vorstand des Fachbereichs Fluidtechnik an und ist Vorsitzender des Vorstands des VDMA Bayern.

Carl Martin Welcker ist seit 2010 Vizepräsident des VDMA; er war von 2004 bis 2010 Vorsitzender des Vorstands des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) und ist seit 2001 Mitglied des VDMA-Hauptvorstandes.

Seit 1993 ist Welcker geschäftsführender Gesellschafter der Alfred Schütte GmbH & Co. KG in Köln. Das Unternehmen ist ein führender, weltweit agierender Hersteller von Werkzeugmaschinen, produziert Mehrspindel-Drehautomaten und Fünf-Achsen-­CNC-Schleifmaschinen und ist mit diesen Produkten über Tochtergesellschaften sowie Vertriebs- und Handelspartner auf allen Kontinenten vertreten. Der Vertrieb des Hauses Schütte bietet dem deutschen Markt darüber hinaus ein umfangreiches Handelsprogramm ausländischer Werkzeugmaschinenproduzenten. Die Schütte-Gruppe beschäftigt weltweit 600 Mitarbeiter, davon rund 500 Mitarbeiter am Standort Köln.

Maschinenbau rechnet 2014
mit drei Prozent Wachstum

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rechnet nach Aussage des scheidenden VDMA-Präsidenten Dr. Thomas Lindner für 2014 mit einem Wachstum in der Größe von real drei Prozent. Diese erfreuliche Produktionsprognose für die Maschinenbauindustrie teilte er auf der Pressekonferenz des Verbandes anlässlich der alle drei Jahre stattfindenden Mitgliederversammlung am 18. Oktober in Stuttgart mit.

Lindners Amtszeit endet turnusgemäß nach drei Jahren. Seinen Worten zufolge lassen sich diese drei Jahre als erfolgreiche Aufholjagd charakterisieren. Für den Zeitraum 2010 bis 2012 errechnet sich für die reale Maschinenproduktion in Deutschland ein stattliches Plus in Höhe von 24 Prozent. Das müsse selbstverständlich vor dem Hintergrund des Einbruchs im Jahr 2009 in Höhe von rund 25 Prozent gesehen werden. Doch das Wachstum sei beachtlich. Niemand hätte ehrlicherweise erwartet, dass die Branche so schnell so viel aufholen konnte. Die VDMA-Volkswirte rechnen für 2013 mit einem Produktionswert von 195 Milliarden Euro. 2010 lag der Produktionswert bei 164 Milliarden Euro, 2011 bei 189 Milliarden Euround 2012 ebenfalls bei 195 Milliarden Euro.

Die deutschen Maschinenbauer hätten den Aufholprozess gern im laufenden Jahr 2013 fortgesetzt und die verbleibende Lücke von knapp sieben Prozent zum Produktionsniveau des in vielerlei Hinsicht legendären Jahres 2008 geschlossen. Doch – leider – mussten sie eine Atempause einlegen. Die Folgen der Finanzkrise seien noch nicht überwunden. Die internationale Nachfrage nach Investitionsgütern schwächelt, berichtete der VDMA-Präsident.

Von Januar bis August dieses Jahres verfehlte die reale Produktion von Maschinen und Anlagen in Deutschland ihr Vorjahresniveau um 3,3 Prozent. Das Minus rührt vor allem aus dem schwachen ersten Quartal (minus sieben Prozent gegenüber Vorjahr). Seitdem werden die Minusraten tendenziell kleiner. Das konjunkturelle Umfeld hellt sich zunehmend auf. Gegenwärtig beobachten die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer eine sich verfestigende, zyklisch bedingte Erholung. In den beiden größten Exportmärkten, China und den USA, habe sich die Konjunktur laut Lindner wieder gefestigt. Auch im krisengeschüttelten Europa scheine die rezessive Phase weitgehend abgeschlossen zu sein, so dass man hier ebenfalls mit expansiven Impulsen rechne.

Dank der anziehenden Exporte nicht nur des Maschinenbaus, sondern der deutschen Wirtschaft insgesamt, sollte die Konjunktur dann auch in Deutschland wieder Fahrt aufnehmen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten im kommenden Jahr einen Zuwachs der Ausrüstungsinvestitionen in der Größenordnung von vier bis sieben Prozent. Auf den ersten Blick scheint das ambitioniert, so Lindner. Wenn man aber bedenke, dass die Investitionen in neue Maschinen, Anlagen und sonstige Ausrüstungen in Deutschland seit anderthalb Jahren unter Vorjahresniveau lägen, seien solche Zuwachsraten gar nicht so abwegig. Er betrachte sie zumindest als Benchmark der eigenen Maschinenbauprognose

In der Stammbelegschaft zählte die deutsche Maschinenbauindustrie im Juli 2013 insgesamt 984 000 festangestellte Beschäftigte. Dies ist ein Plus von 11 000 Mitarbeitern im Vorjahresvergleich. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht. Der VDMA bewertet den hohen Beschäftigtenstand als Signal dafür, dass sich die Maschinenbauer trotz Flaute für eine wieder anziehende Konjunktur wappnen. Der Tiefstand der Beschäftigung der letzten drei Jahre (2010 bis 2012) lag im Mai 2010 bei 901 000 Beschäftigten.

VDMA-Präsident Lindner forderte vom neu gewählten Parlament verlässliche, stabile und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen. Dies sei die Basis für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in Deutschland. Genauso, wie man als Unternehmer bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. Man denke in Generationen und nicht bis zum nächsten Wahltag. Mehr langfristiges Denken, Handeln und eine generelle Verantwortung erwarte er auch von der Politik. Im Kern fordert er eine Steuerpolitik, die unternehmerischen Freiraum lässt, um investieren zu können und eine Energiepolitik, die verlässlichund nachhaltig ist. Hier besteht nach seinen Worten dringender Handlungsbedarf – die Industrie brauche Investitionssicherheit. Und eine Arbeitsmarktpolitik, die es erlaube, flexibel auf Schwankungen im Auftragseingang reagieren zu können. Es sei erschreckend, welche hohe Zahl von Politikern nur wenig über die Arbeit mittelständischer Unternehmen wüssten.

Er forderte außerdem eine Staatsbremse als Ergänzung zur Schuldenbremse. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch seine Präsidentschaft gezogen habe. Staatsbremse bedeute dabei aber nicht, blind auf die Ausgabenbremse zu treten. Man habe massiven Investitionsbedarf in die Infrastruktur – und hier seien sich zum Glück alle Parteien im Kern auch einig. Man lebe von der Substanz. Aber man habe die Möglichkeiten, das Ruder rumzureißen. Im Vergleich zu manch anderen Ländern in Europa stehe Deutschland immer noch gut da. Auch dank der intakten industriellen Basis und den intakten Innovationsnetzwerken und Wertschöpfungsketten.

Die Politik sollte laut Lindner zur Ankurbelung der Unternehmensinvestitionen nicht in einen kurzatmigen Aktionismus verfallen, sondern sich auf die nachhaltige Verbesserung der allgemeinen Investitionsbedingungen konzentrieren. Die Branche brauche mehr investive und weniger konsumtive Ausgaben, wenn die Zukunftsfähigkeit erhalten bleiben solle, so Lindner. Er ist davon überzeugt, dass sich staatliche Ausgaben deutlich stärker an Nachhaltigkeitsgrundsätzen orientieren müssten. Die Brutto-Investitionen des Staates müssten mindestens zwei Prozent des BIP betragen, denn anders sei Substanzverzehr des staatlichen Vermögens nicht zu vermeiden. Und ganz zentral: Wir müssen staatliches Handeln deutlich effizienter gestalten. Eine Staatsquote von 40 Prozent müsse dabei die Zielgröße sein, so der scheidende VDMA-Präsident.

www.vdma.org

Verein Deutscher ­Ingenieure (VDI)

Neue Struktur der VDI-GVC

Am 15. Oktober erhielt die VDI-Gesellschaft für Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (VDI-GVC) ein neues Gesicht und eine neue Struktur. Zukünftig besteht die VDI-GVC aus drei Fachbereichen: In den Fachbereichen GVC 01 Verfahrenstechnische Prozesse und GVC 02 Verfahrenstechnische Anlagen werden die überwiegend wissenschaftlich geprägten Themen von ProcessNet – der gemeinsamen Initiative mit Dechema – gebündelt. Der neugegründete Fachbereich GVC 03 Betrieb verfahrenstechnischer Anlagen trägt der Hauptaktivität der VDI-GVC, das heißt der Betreuung der Betriebsingenieure, Rechnung und gibt dieser Berufsgruppe eine fachliche Heimat.

Hier werden aktuelle, praxisorientierte Themen aus dem betrieblichen Umfeld behandelt, die zur Gewährleistung einer sicheren und störungsfreien Produktion in der chemischen Industrie erforderlich sind. Die Betriebsingenieure haben in dem neuen Fachbereich, den Regionalgruppen und auf den Jahrestreffen nun die Gelegenheit, Netz­werke zu knüpfen sowie den regionalen und überregionalen Informationsaustausch für die eigene Praxis zu nutzen.

Alle 15 000 Mitglieder der VDI-GVC werden entsprechend ihrer bisherigen Zuordnung den neuen Fachbereichen zugeteilt, so dass der gewohnte Informationsfluss sichergestellt ist. Zusätzlich haben alle GVC-Mitglieder nun die Möglichkeit, sich über die Aktivitäten der Betriebsingenieure im neuen Fachbereich GVC 03 zu informieren oder sich zusätzlich anderen Fachbereichen des VDI zuzuordnen, wie zum Beispiel TLS 03 Biotechnologie, GME 02 Nanotechnologie oder GEU 02 Ressourcenmanagement.

Dr. Ljuba Woppowa, GVC-Geschäftsführerin und Initiatorin der GVC-Umstrukturierung ist gespannt, wie die VDI-Mitglieder diesen Mehrwert nutzen. Durch die zusätzlich geschaffene Zuordnungsmöglichkeit außerhalb der VDI-GVC können die bisherigen Leistungen zukünftig beispielsweise durch kostenlose Messekarten zur Biotechnica erweitert werden. Im nächsten Jahr werde eine Mitgliederbefragung durchgeführt, um die Zufriedenheit der Kunden sowie deren Bedürfnisse zu erfragen und um angemessen reagieren zu können.

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V. steht seit über 150 Jahren Ingenieurinnen und Ingenieuren zuverlässig zur Seite. Mehr als 12 000 ehrenamtliche Experten bearbeiten jedes Jahr neueste Erkenntnisse zur Förderung des Technikstandorts. Mit über 150 000 Mitgliedern ist der VDI die größte Ingenieurvereinigung Deutschlands, die Ingenieure bei ihrer Arbeit unterstützt, fördert und vertritt.

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