Zukunft der Chrom(III)elektrolyte auf dem Prüfstand?| WOTech Technical Media

Zukunft der Chrom(III)elektrolyte auf dem Prüfstand?

 

Eine sehr interessante Untersuchung zu Chrom(III) in Nahrungsergänzungsmitteln, die im übrigen auch in einem Beitrag von Dr. Zimmer in WOMag 12/2012 [1] angesprochen wurde, könnte die derzeitige Suche nach Alternativen zu Chrom(VI)elektrolyten in der Galvanotechnik beeinflussen. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. hat vor kurzem auf die Untersuchung australischer und amerikanischer Forscher verwiesen, denen zufolge Chrom(III) in Zellen unter Einwirkung von dort entstehendem Wasserstoffperoxid zum unerwünschten Chrom(VI) wird. Ob die Aufnahme von Chrom(III) über andere Wege die selbe Wirkung hat - als nicht durch Beimischung in Nahrungsmittel - ist damit noch nicht geklärt. Zumindest werden damit wieder Diskussionen angeregt, die die Bemühungen zum Einsatz von Chrom(III) in der Technik sicher nicht unberührt lassen (WOMag-Redaktion).

Originalmeldung des GDCh e.V.: Chrom(III)präparate werden von den Körperzellen in krebserregendes Chrom(VI) umgewandelt.

Das Spurenelement Chrom gilt als hilfreich, um den Blutzuckerspiegel zu senken, weshalb es insbesondere in der orthomedizinischen Praxis als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen wird. Wie nun australische und amerikanische Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie schreiben, oxidieren die Körperzellen jedoch das zugegebene Chrom teilweise in Chrom höherer Oxidationsstufen, in denen es nachgewiesenermaßen krebserregend und erbgutschädigend ist. Nach diesen Befunden sollte der mögliche Nutzen von Therapien mit Chrom noch stärker in Frage gestellt werden.

 


XFM-Analyse zeigt Chrom in Körperzellen / Bildquelle: Wiley-VCH

 

Präparate, die Chrom in der Oxidationsstufe III enthalten, können die Wirkung von Insulin und oralen Antidiabetika bei Diabeteserkrankungen verstärken. Daher wurde vorgeschlagen, täglich Chrom zu sich zu nehmen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. In höheren Oxidationsstufen kann Chrom jedoch nachweislich die DNA schädigen. Chrom(V)- und Chrom(VI)verbindungen werden daher als stark krebserregend eingestuft. Ob die Zellen selbst das Chrom(III) oxidieren können, dieser Frage gehen Forscher an der Universität von Sydney um Peter A. Lay nach. Durch Röntgenfluoreszenzmikroskopie (XFM) und Röntgen-Nahkanten-Absorptionsspektroskopie (µ-XANES) am Australian Synchrotron und an der Advanced Photon Source im U.S. Department of Energy Office of Science versuchen sie, in das Schicksal der Chrom(III)präparate nach der Aufnahme in Adipozyten einen besseren Einblick zu erhalten.

Die XFM-Analyse zeigte den Forschern, dass das Chrom in kleinen Bereichen, sogenannten Hotspots, in der Zelle vorhanden war. Die µ-XANES-Spektren bewiesen, dass die Hotspots nicht nur aus Chrom(III) bestanden. Dieser Befund bestätigt, dass hier eindeutig höhere Oxidationsstufen von Chrom vorliegen müssen, sagen die Wissenschaftler. Durch Modellrechnungen identifizierten sie dann Chrom(V)- und Chrom(VI)verbindungen in den Hotspots.

Warum die Chrom(III)präparate in der Zelle oxidiert werden können, erklären die Autoren dadurch, dass insbesondere während der insulinbedingten Signalkaskaden der Zelle starke Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid gebildet würden. Diese könnten die Oxidation von Chrom(III) zu den reaktiven Chrom(V)- und Chrom(VI)verbindungen auslösen. Das löst Bedenken darüber aus, inwiefern Chrom(III)-Verbindungen krebserregend sein können und welche Risiken eine längere Einnahme von Chrom(III)-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln bergen, sagen die Autoren. Obwohl es eine solche Sorge schon länger gibt, empfehlen insbesondere orthomedizinisch tätige Heilpraktiker immer noch Chrompräparate. Daher der dringende Rat der Autoren für die Zukunft: In Anbetracht dieser Befunde sind epidemiologische Studien notwendig, um klarzustellen, ob chrom(III)haltige Nahrungsergänzungsmittel nicht das Krebsrisiko erhöhen können.

Autor: Peter A. Lay, The University of Sydney (Australia)

http://sydney.edu.au/science/people/peter.lay.php

http://www.gdch.de

 

Literatur

[1] http://www.wotech-technical-media.de/womag/ausgabe/2012/12/39_zimmer_12_12b/39_zimmer_12_12b.php

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