Leichtbau für die Großserie – Fraunhofer-Projektzentrum startet in Wolfsburg
Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Prof. Dr. Martin Winterkorn (v.l.n.r.), der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Prof. Dr. Reimund Neugebauer, der Vorsitzende des Beirates des Open Hybrid LabFactory Prof. Dr. Werner Neubauer, die niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic, der Vorsitzende des OpenHybrid LabFactory Prof. Dr.-Ing Klaus Dilger sowie der Präsident der Technischen Universität Braunschweig Prof. Dr. Jürgen Hesselbach am 22.April 2015 in Hannover im Gästehaus der niedersächsischen Landesregierung anlässlich der Unterzeichnung der Vereinbarung "automobiler Leichtbau am Forschungsstandort Niedersachsen" / Bildquelle: Tobias Kleinschmidt/dedimag/Fraunhofer
Am neuen Fraunhofer-Projektzentrum in Wolfsburg arbeiten drei Fraunhofer-Institute zusammen. Es ist eng verzahnt mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Region. Die Forscher erarbeiten gemeinsam Systemlösungen für die Serienfertigung von ressourcenschonenden und kostengünstigen Leichtbaukomponenten für die Automobilindustrie. Am 22. April 2015 unterzeichneten der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, Professor Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, neben weiteren Partnern eine Vereinbarung über diese Kooperation am Forschungsstandort Niedersachsen.
Die industrielle Fertigung von Fahrzeugen steht vor großen Herausforderungen. Erhebliche Mengen an Rohstoffen und Energie sind für die Produktion erforderlich. Doch Ressourcen sind knapp und teuer, Energiepreise steigen. Deutschland als Hochtechnologiestandort und gleichzeitig rohstoffarmes Land benötigt neue Ansätze, um Ressourcen einzusparen. Leichtbaustrukturen, die bisher in kleinem Umfang für exklusive Sportwagen oder Flugzeuge hergestellt werden, sollen künftig für alle Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Im Fraunhofer-Projektzentrum Wolfsburg werden Lösungen für nachhaltige Material- und Antriebskonzepte entwickelt. Gemeinsam mit Partnern aus der Region wird die Chance ergriffen, eine gesamte Prozesskette für Leichtbaustrukturen abzubilden, großseriennah zu erproben und damit neue Impulse für die industrielle Produktion zu setzen, so Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die drei Fraunhofer-Institute für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen, für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz und für Holzforschung WKI in Braunschweig bilden dabei unter der Gesamtkoordination von Professor Matthias Busse das Startteam für dieses Projekt. Das Fraunhofer-Projektzentrum Wolfsburg hat eine offene Struktur und kann je nach Forschungsbedarf durch weitere Fraunhofer-Institute und Arbeitsgebiete ergänzt werden. Damit leistet das Projektzentrum einen wichtigen Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Unternehmen. Die Forschungsergebnisse können auch für Windkraftanlagen, Flugzeuge und weitere Transportmittel nutzbar gemacht werden.
Mit der Gründung des Open Hybrid LabFactory e.V. (OHLF) in Wolfsburg am 27. Mai 2013 hat sich ein Verbund von Partnern aus Industrie und Wissenschaft zusammengefunden, der die Entwicklung einer umfassenden Wertschöpfungskette ermöglichen soll. Mit diesem Ziel vor Augen kombinieren die Projektpartner verschiedene Materialien, entwickeln neue Verfahren, um Faserverbundwerkstoffe herzustellen und nachwachsende Rohstoffe zu verarbeiten bis hin zum Recycling. Andere Themen sind: Effizienz steigern und Emissionen senken sowie industrielle Serienfähigkeit ermöglichen. Dies möchten die Forscher bei ihrer Arbeit zur Material- und Prozessentwicklung in Pilotprozessen demonstrieren.
Die Wissenschaftler starten mit vierzehn Projekten für zukunftsträchtige Leichtbaulösungen. Dazu gehört beispielsweise die Oberflächenvorbehandlung von Fasern und Faserhalbzeugen, um die Produktionsgeschwindigkeit der Leichtbaumaterialien zu erhöhen und die Qualität von Verbundwerkstoffen zu verbessern. Für neue Werkstoffkombinationen benötigt man innovative Füge- und Fertigungstechnologien. Daneben sollen auch Naturfasern für die neuen Materialien aufbereitet und integriert werden. Immer mit dem Blick auf eine effiziente Fertigung von Faserverbundbauteilen in mittleren und großen Stückzahlen werden entsprechende Fertigungsanlagen im Rahmen des Projektzentrums entwickelt und aufgebaut. Man muss Rohstoffe effizienter und intelligenter nutzen, mehr recyceln und nach Alternativen forschen. Nur so lassen sich aus weniger Ressourcen mehr Produkte fertigen und die Belastung für die Umwelt maßgeblich senken.
Aktuelle Onlineartikel
-
19. 02. 2026 Biobasierte Fasern mit gutem Flammschutz
-
19. 02. 2026 Beton als CO₂-Senke
-
18. 02. 2026 Biobasierter Hochleistungskunststoff für die Elektroindustrie
-
18. 02. 2026 Laufzeitrekord und erste Stromerzeugung mit kompressorloser Wasserstoffgasturbine
-
17. 02. 2026 Blick durch die Röntgenbrille –Alterungsprozesse in Natrium-Zink-Salzschmelzbatterien entschlüsselt
-
28. 01. 2026 Wolfram: Dual-Use als Waffe im Rohstoffkrieg