Erstmals beobachtet – Reaktives Molekül| WOTech Technical Media

Erstmals beobachtet – Reaktives Molekül

Dr. Oliver Welz / Bildquelle: UDE

 

Zum ersten Mal ist es Forschern gelungen, ein für die Verbrennung zentrales Molekül aufzuspüren und dessen Reaktivität gegenüber Sauerstoff zu messen. Dank dieser bahnbrechenden Leistung, an der Dr. Oliver Welz von der Universität Duisburg-Essen (UDE) beteiligt ist, können nun Verbrennungsprozesse besser vorhergesagt werden. Die Entdeckung ermöglicht u.a. sauberere und effizientere Kraftfahrzeuge. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

Entdeckt und erstmals nachgewiesen haben die Forscher Hydroperoxyalkyl-Radikale, die außerordentlich schwer zu beobachten sind. Radikale sind für eine Verbrennung unverzichtbar: Sie initiieren sie und halten sie aufrecht. Andererseits laufen bei einer Verbrennung zigtausend chemische Reaktionen nahezu gleichzeitig ab. In diesem Umfeld Radikale zu identifizieren ist auch deshalb sehr schwer, weil sie sehr schnell reagieren und dabei neue chemische Bindungen eingehen. Dennoch sind viele Aspekte der Verbrennung bereits gut untersucht. Offene Fragestellungen betreffen vor allem die Zündung und die chemischen Reaktionen, die darüber entscheiden, ob und wie schnell sich ein Brennstoff-Luft-Gemisch entzündet.

Nach Oliver Welz war bekannt, dass Hydroperoxyalkyl-Radikale zentral sind im komplexen Netzwerk der Zündreaktionen. Das zeigte sich nämlich schon in den Reaktionsprodukten der Zündchemie. Zusammen mit Kollegen an den Sandia National Laboratories in Livermore (USA) gelang ihm nun erstmals die Entdeckung eines solchen Radikals. Diese Spezies ist wirklich extrem reaktiv und kurzlebig. Entscheidend ist die Wahl des geeigneten Brennstoffmoleküls. Die richtige Idee hatte der Sandia-Kollege Dr. John Savee. Er schlug vor, 1,3-Cycloheptadien zu verwenden, ein Ringmolekül mit sieben Kohlenstoffatomen.

Für die Überprüfung nutzte das Forscherteam ein Multiplex-Photoionisierungs-Massenspektrometer (MPIMS). Der direkte Nachweis des spektralen Fingerabdrucks gelang dann am Advanced Light Source-Synchrotron in Berkeley, USA, dank der intensiven durchstimmbaren Synchrotronstrahlung. Gestützt wurde diese Beobachtung durch quantenmechanische Rechnungen. Interessant ist, dass das jetzt aufgespürte Radikal eine ungewöhnlich lange Lebensdauer hat und deutlich langsamer mit Sauerstoff reagiert als ursprünglich angenommen. Nun muss herausgefunden werden, wie sich dies auf die technische Weiterentwicklung von Verbrennungsprozessen auswirkt.

http://www.uni-due.de

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