Energiewende als Herausforderung für die Industrie
Die TFH-Energieexperten Jochen Arthkamp und Markus Gehnen / Bildquelle: S. Düppe/TFH
Wie schaffen wir es, unseren Energiebedarf zu decken und gleichzeitig den Klimawandel zu stoppen? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur – im globalen Maßstab – die derzeitige Klimakonferenz in Paris, sie war auch Grundlage für das Energietechnische Kolloquium am 25. November an der Technischen Fachhochschule Georg Agricola zu Bochum (TFH). Rund 100 Wissenschaftler, Vertreter von Energieversorgungsunternehmen, Produktionsbetrieben und Studierende der TFH beschäftigten sich im Studierendenzentrum der TFH mit den ganz konkreten Herausforderungen, die die Energiewende für die heimische Industrie stellt.
Dr. Hans-Wilhelm Schiffer, Vorsitzender des Bereichs World Energy Resources beim World Energy Council (Weltenergierat, WEC) in London erläuterte in seinem einführenden Vortrag mögliche Szenarien für die Energiewelt von morgen. Den Nachhaltigkeitszielen einer starken Reduktion der weltweiten CO2-Emissionen und eines sicheren und bezahlbaren Zugangs zur Energie stehe ein wachsender Energiebedarf insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern gegenüber. Eine Annäherung der energiewirtschaftlichen Entwicklung an die klimapolitischen Notwendigkeiten kann nur erreicht werden, wenn vor allem die kosteneffizientesten Maßnahmen, das heißt die Ansätze mit den geringsten CO2-Vermeidungskosten verfolgt werden. Die Lösung besteht nicht im entweder – oder, sondern im sowohl – als auch.
Welche Maßnahmen das sein können und wie sich die Energiewelt von morgen für die Industrie gestalten lässt, erläuterten die beiden Professoren Jürgen Arthkamp und Markus Gehnen von der TFH in einem interdisziplinären Vortrag. Während Arthkamp aus maschinenbaulicher Perspektive vor allem die Erzeugung und Umwandlung thermischer Energie in den Blick nahm, ging Gehnen auf die elektrotechnischen Aspekte des Stromnetzausbaus und der Energienutzung ein. Wenn zunehmend erneuerbare Energieträger genutzt werden sollten, komme es darauf an, die Energieproduktion und den Verbrauch besser als bisher aneinander anzupassen, indem man neue Techniken zur Energiespeicherung und ein intelligentes Lastmanagement entwickle. Um eine möglichst hohe Energieeffizienz erzielen zu können, solle man zudem Energie in der Form nutzen, in der sie verfügbar ist. Die Alternativen zum Strom nehmen an Bedeutung zu. Beispielsweise können Klimageräte auch mit Erdgas betrieben werden, das im Power-to-Gas-Verfahren aus erneuerbarer Energie gewonnen werden kann. Eine verlustreiche Umwandlung in Strom ist hierbei gar nicht notwendig.
Die weiteren Vorträge des Kolloquiums beschäftigten sich mit unterschiedlichen Anwendungen moderner Energietechnik in industriellen Prozessen wie zum Beispiel Gasmotorenwärmepumpen oder Blockheizkraftwerken. Dabei zeigte sich, dass der rationelle Energieeinsatz eines der wichtigsten Themen in der Industrie ist. Insbesondere energieintensive Unternehmen müssen die technischen Prozesse kontinuierlich beobachten und optimieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Das von Professor Dr. Jochen Arthkamp aus dem Wissenschaftsbereich Maschinen- und Verfahrenstechnik der TFH organisierte Kolloquium wurde von der Leipziger VNG – Verbundnetz Gas AG unterstützt.
Das Energietechnische Kolloquium 2016 wird am 23. November 2016 stattfinden.
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