Ohne Staub und Keim – Cleanzone 2015 informierte über aktuelle Trends in der Reinraumtechnologie
Die Cleanzone ist der internationale und interdisziplinäre Treffpunkt für die Reinraumbranche. Anwender und Experten aus Mikrotechnologie und Life Science finden auf der Messe neue Technologien und Produkte, um ihre Reinraumproduktion zu optimieren / Bildquelle: messefrankfurt.com
Die Cleanzone schloss am 28. Oktober 2015 mit einem Besucherplus von rund 20 Prozent. Es kamen 731 Fachbesucher aus 32 Ländern (2014: 604 Fachbesucher aus 30 Ländern). Sie informierten sich auf der internationalen Fachmesse mit begleitendem Kongress für Reinraumtechnologie an den Ständen von 88 Ausstellern aus 12 Ländern.
Die Zahl der Hightech-Produkte, die im Reinraum gefertigt werden, steigt ständig. In der Pharmaindustrie dient der Reinraum in erster Linie dem Schutz des Patienten, indem er die Kontamination der Medikamente durch krankheitserregende Keime verhindert. Die Halbleiterindustrie produziert dagegen in sauberer Umgebung, um den Produktionsausfall zu minimieren. Bereits ein winziges Staubkorn kann einen Schaltkreis auf einem Mikrochip lahmlegen. Innovationen zum Bauen, Betreiben und Überwachen von Reinräumen zeigte die Industrie auf der Cleanzone, der internationalen Fachmesse mit Kongress für Reinraumtechnologie. Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt zum Konzept der Veranstaltung, die in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattfand: Die Cleanzone richtete sich an alle Hightech-Industrien, die im Reinraum produzieren. Sie förderte damit den interdisziplinären Austausch von Wissen und Know-how zwischen Forschung, Industrie und Anwendung.
Die Wachstumsaussichten für die Produktion in kontrollierter Umgebung sind gut. Einer Studie zufolge wuchs die Reinraumfläche weltweit von 2013 auf 2014 um rund 5 Prozent auf 12,17 Millionen Quadratmeter1. Experten rechnen damit, dass dieser Trend anhält. Für Frank Duvernell, Geschäftsführer der ReinraumAkademie, Leipzig, nimmt dadurch die Bedeutung von Events wie der Cleanzone zu: Immer mehr Fachkräfte aus Forschung, Produktion, Logistik und Dienstleistung müssen sich aktuelles Reinraumwissen aneignen. Die internationale Fachmesse Cleanzone mit Kongress bot hier hervorragende Grundlagen.
Die technische Entwicklung und der Trend zu immer kleineren Strukturen sind für die wachsende Zahl der Reinräume verantwortlich. Ob Handys, Tablets, LEDs, OLED-Bildschirme, die Photovoltaikanlage auf dem Dach, der Airbag im Auto oder die Lithium-Ionen-Batterie unter der Motorhaube - all diese Hightech-Produkte werden heute wegen ihrer Sensibilität im Reinraum produziert. Das gleiche gilt für die mechanischen Industrien, wie die Uhrenindustrie, die hochpräzise fertigen oder neue Entwicklungen in der Medizintechnik, wie beispielsweise implantierte mit Biosensoren versehene Mikrochips, die kontinuierlich Medikamente abgeben. In der Lebensmittelindustrie gewinnt die Herstellung in steriler Umgebung an Bedeutung. Im Reinraum geschnitten und verpackt sind Toast und Wurst ohne Konservierungsstoffe lange haltbar.
Die positive Entwicklung in der Reinraumfertigung spiegelte sich in der Cleanzone wider. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 wächst die Veranstaltung kontinuierlich. In diesem Jahr präsentierten sich 88 Hersteller, das sind 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Den Fachbesuchern wurde ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt präsentiert, das sich mit der Messung von Verunreinigungen im Reinraum beschäftigt, der internationale Reinraumdachverband ICCCS war erstmals auf der Messe und der Produktbereich Sauberraum2 wurde gestärkt. Dieses große Interesse an der Fachmesse zeigte, dass die Veranstalter mit ihrem internationalen und interdisziplinären Konzept auf dem richtigen Weg sind.
Das Produktangebot der Fachmesse erstreckte sich über den gesamten Lebenszyklus eines Reinraums, von Bau und Planung über die Qualifizierung, das heißt die Prüfung, ob der Reinraum überhaupt den Anforderungen entspricht, bis hin zum Betrieb. Die Produktion unter kontrollierten Bedingungen ist oft kosten- und energieintensiv - ausgeklügelte Lüftungstechnik, die Überdruck und entsprechende Strömungen erzeugt, benötigt viel Energie. Planung und Betrieb eines Reinraums müssen daher genau auf die wirklichen Bedürfnisse abgestimmt werden. Hier zeigten die Hersteller auf der Cleanzone Lösungen, die durch Automatisierung, Digitalisierung und den Einsatz hochmoderner Robotertechnologie, die Prozesse vereinfachen, mehr Sicherheit im Produktionsverlauf bieten und Energie sparen. Auf dem Cleanzone Kongress konnten sich Anwender über alle Facetten der Produktion im Reinraum informieren. Zukunftsthemen wie Standortsicherheit, Vernetzung von Technologien und Talentwicklung diskutierten hochkarätige Vertreter aus Forschung, Entwicklung und Industrie auf der Aktionsbühne Cleanzone Plaza.
1Quelle: World Cleanroom Markets Report, Mcllvaine Company Northfield, Illionois, USA
2Der Unterschied zwischen Reinraum und Sauberraum liegt in der Betrachtung der Partikelgrößen. Im Reinraum werden Partikel bis 5 Mikrometer betrachtet, im Sauberraum bis über 600 Mikrometer.
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