Was ist eigentlich Carbon?
Der Bau eines Schachbretts aus Carbonfasertapes zählt zum praktischen Teil des zweitägigen Programms, das die Schülerinnen und Schüler im Faserverbund-Labor des Schullandheims Bliensbach absolvieren / Bildquelle: AMU
Ein Labor, das Schülerinnen und Schülern einen ersten, aber intensiven theoretischen und praktischen Zugang zum Thema "Faserverbundwerkstoffe" eröffnen soll, wurde im Schullandheim Bliensbach bei Wertingen, rund 25 Kilometer nordwestlich von Augsburg eröffnet. Dieses in Bayern einzigartige Faserverbund-Schülerlabor ist ein gemeinsames Unternehmen des MINT21- beziehungsweise MINTensiv-Programms an den Realschulen in Bayern und des Projekts MAI Bildung, eines am Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung (AMU) der Universität Augsburg angesiedelten Leitprojekts des Spitzenclusters MAI Carbon.

Im Wissensfilm "Was ist eigentlich Carbon?" lässt der Professor den kleineren Hauptdarsteller die Anwendungsmöglichkeiten von Faserverbundwerkstoffen nicht nur erfahren, sondern auch erfliegen / Bildquelle (Screenshot): http://www.youtube.com/watch?v=JtRxKqatBfk
Als Teil der MINT21-Initiative zielt MINTensiv darauf ab, Berufsorientierung, Schlüsselqualifikationen und MINT-Kompetenzen von Realschülerinnen und -schülern ergänzend zum Unterricht durch Wochenend-Intensivkurse am Lernort Schullandheim zu fördern. Hier ergeben sich Schnittstellen zum Anliegen der Bildungsoffensive des Spitzenclusters MAI Carbon. Sie hebt darauf ab, Bewusstsein für die - naturwissenschaftlich-technische Kompetenzen voraussetzenden - beruflichen Möglichkeiten innerhalb der Branche der Faserverbundtechnologie zu schaffen, um geeignetes Fach- und Führungspersonal in diesem Bereich gewinnen zu können. Zu diesem Zweck will MAI Bildung eine durchgängige Ausbildungsstruktur in der Faserverbundtechnologie von der frühkindlichen Bildung bis zur Promotion anbieten und dabei insbesondere auf "Forschendes Lernen mit Faserverbundwerkstoffen" setzen.
Ein MAI Bildung-Teilvorhaben sieht in diesem Kontext vor, Möglichkeiten für projektorientiertes Arbeiten in Schülerlaboren zu schaffen, um dort über die theoretische hinaus auch die praktische Auseinandersetzung mit Faserverbundthemen zu ermöglichen. MAI Bildung verfügt über die finanziellen Mittel sowie über die wissenschaftlichen Kompetenzen, um solch praktische Lernumgebungen zu installieren und zu unterstützen. Die Idee, mit MINTensiv zu kooperieren und dieses Programm mit der Ausstattung eines Schülerlabors zu unterstützen, um gemeinsam die Etablierung von Faserverbundwerkstoffen an allgemeinbildenden Schulen weiter voranzutreiben, lag nahe, so Marietta Menner, MAI Bildung-Projektleiterin am Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung (AMU) der Universität Augsburg.
Seit Dezember 2013 hat Marietta Menner die von MAI Bildung mit etwa 100 000 Euro finanzierte Einrichtung des ersten bayerischen Faserverbund-Schülerlabors im Schullandheim Bliensbach koordiniert und parallel dazu gemeinsam mit der Didaktik der Physik der Universität Augsburg ein pädagogisches Programm erarbeitet, das die Schülerinnen und Schüler während ihrer zweitägigen "Faserverbund-Aufenthalte" in Bliensbach durchlaufen.
Dieses Programm sieht zunächst praktische Arbeiten mit Faserverbundmaterialien im Labor vor, bei denen die Schülerinnen und Schüler von Physik-Lehramtsstudentinnen und -studenten betreut werden. Es werden verschiedene Techniken der Faserverbundverarbeitung ausprobiert, z.B. die Technik des Handlaminierens. Unter anderem entstehen dabei Tischtennisschläger oder Schachbretter aus Carbon- oder Glasfasertapes. Unter Mikroskopen können Carbon- mit anderen Fasern oder auch menschlichen Haaren verglichen werden.
Im theoretische Teil erfahren die Schülerinnen und Schüler alles Wissenswerte über Faserverbundmaterialien und ihre Verarbeitungstechniken - unterstützt von dem knapp achtminütigen Wissensfilm "Was ist eigentlich Carbon?", der altersgerecht vermittelt, aus welchen Bestandteilen Carbon besteht und in welcher Funktion es in ihrem Alltag zu finden ist. Mit IPads schließlich recherchieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Internet eigenständig berufliche Möglichkeiten im Bereich der Faserverbundtechnologie, um die Ergebnisse ihrer Recherchen dann in Kurzvorträgen ihren Mitschülerinnen und -schülern zu präsentieren.
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