Informationen von DGO und ZVO

Verbände 09. 08. 2026

Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e.V.(DGO)

DGO-Bezirksgruppe Thüringen

Am 16. Juni 2026 fand an der TU Ilmenau das DGO-Bezirksgruppen-Sommerfest mit vorgelagertem Vortrag statt. Als Referent konnte Dr. René Böttcher, Mitarbeiter der ­Airbus Defence and Space GmbH, München, und Absolvent der TU Ilmenau, gewonnen werden. Er stellte zunächst kurz den Luft- und Raumfahrtstandort Ottobrunn/Taufkirchen bei München mit dem größten Reinraum für die optische Satellitenintegration und dem Airbus-Kompetenzzentrum vor. Das Airbus-Kompetenzzentrum für Solargeneratoren ist mit Raumfahrzeugen aller Klassen für die Wetterbeobachtung, Umweltüberwachung, das Katastrophenmanagement sowie mit hocheffizienten Solargeneratoren ausgerüstet, die eine hohe Leistung bei geringem Gewicht liefern.

Darüber hinaus informierte Dr. Böttcher die zahlreichen Teilnehmer über seine Arbeiten zur Multiphysikalischen Modellierung und künstlicher Intelligenz für innovative Oberflächentechnik in der Luftfahrt. Er betonte dabei, dass die Sicherheit von Flugzeugen bei Airbus an erster Stelle steht. Deshalb haben auch die anspruchsvollen äußeren und inne­ren Flugbedingungen (Lackschäden, Kondenswasser, Sonneneinstrahlung, technische Defekte u .a.) höchste Relevanz. Dementsprechend sind regelmäßige Sichtkontrollen, Wartungs- und Inspektionsintervalle unbedingt erforderlich. Hierbei wird unterstützend die Simulation elektrochemischer Reaktionen von Bauteilen und ganzen Baugruppen von Reaktionen an Grenzflächen und deren Verlauf bis zur Bestimmung von Korrosionsraten an Aluminiumlegierungen, wie sie im Flugzeugbau Anwendung finden, eingesetzt.

Um die Modellierung effizient durchführen zu können, sind einige Annahmen nötig, die eine sinnvolle Balance zwischen der Vereinfachung von realen Prozessen und resultierender Genauigkeit der Ergebnisse sowie dem nötigen Rechenaufwand ermöglichen. Darüber hinaus trägt der Einsatz von künstlicher Intelligenz und Sensoren dazu bei, zukünftig zuverlässige Vorhersagen über die zu erwartende Entwicklung von Korrosion zu erhalten.

In der anschließenden Diskussion stellten die Teilnehmer Fragen zum Einsatz von Sensoren in der Flugzeugumgebung, der Repräsentativität von zyklischen Tests hinsichtlich der Bedingungen an Bord und zu galvanischen Effekten durch den Verbund unterschiedlicher Materialien.

Zum Abschluss dankte DGO-Bezirksgruppenleiter Mathias Fritz dem Referenten Dr. René Böttcher für die eindrucksvollen Einblicke und die interessante Diskussion sowie der Firma Aurolia Technologies GmbH, Meiningen, für das großzügige Sponsoring des anschließenden Sommerfests mit Thüringer Köstlichkeiten vom Rost.Dr. Peter Kutzschbach

DGO-Plakette an Andreas Zahl verliehen 

Am 28. Mai wurde nach Mitteilung des DGO dem Gründungsmitglied des Norddeutschen Galvanotages, Andreas Zahl, in Hannover-
Lehrte im Rahmen des 23. Norddeutschen Galvanotages die DGO-Plakette verliehen. 

Andreas Zahl begann seine berufliche Laufbahn im August 1976 mit der Ausbildung zum Galvaniseur und Metallschleifer bei der Firma Comte Metallveredelung GmbH & Co. KG in Sulingen, die er 1979 abschloss. Von 1979 bis 1982 war er dort als Galvaniseur tätig. Von 1982 bis 1984 absolvierte Zahl eine Weiterbildung zum Galvanotechniker und erwarb zusätzlich den Meisterbrief.

Von 1984 bis 2003 war er weiterhin bei der Firma Comte Metallveredelung und darauffolgend bei der Firma Comte Galvanotechnik beschäftigt. Im Laufe der Jahre übernahm er mehr und mehr Verantwortung: zunächst für die Abwasseranlage, später für Analytik samt Laborleitung, für das Qualitätsmanagement, die Prozesserneuerung sowie für die Entwicklung. 2003 wechselte er als Gebietsrepräsentant in den Außendienst bei Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG, wo er bis zum Eintritt in den Ruhestand 2024 tätig war. 

Andreas Zahl ist seit dem 1. Januar 1989 Mitglied in der DGO. Ab 2003 war er Leiter der DGO-Bezirksgruppe Bremen/Hamburg/Oldenburg/Schleswig Holstein, die dann 2019 in die BG Nord überführt wurde. Die Leitung der BG behielt er bis zum Eintritt in den Ruhestand 2024 bei. 

Besonders hervorzuheben ist sein stetes, hohes Engagement bei der Planung und Durchführung des jährlich stattfindenden Norddeutschen Galvanotages. Andreas Zahl war Mitbegründer dieser Veranstaltung von der ersten Stunde an im Jahr 2002. Der Norddeutsche Galvanotag hat wie auch schon zu seiner Gründungszeit einen festen Platz im Veranstaltungskalender der DGO und wird jedes Jahr aufs Neue außerordentlich gut besucht. 2015 übernahm Andreas Zahl das Amt des Vorsitzenden der Bezirksgruppen. In dieser Funktion war er bis Ende 2024 Mitglied des DGO-Vorstands. Auch hier hat Andreas Zahl durch seine Mitarbeit stets wertvolle Impulse gegeben. 

23. Norddeutscher ­Galvanotag

Der 23. Norddeutsche Galvanotag am 28. Mai in Lehrte bei Hannover zeigte einmal mehr, wie wichtig der persönliche Austausch in der Branche ist. Wie die DGO berichtet, blicken die Organisatoren Stefan Fließwasser, Alexander Spreen und Thomas Kruggel auf eine rundum gelungene Veranstaltung zurück. Die fünf hochkarätigen Referenten boten den 72 Teilnehmern und Teilnehmerinnen interessante Einblicke in aktuelle Herausforderungen und technologische Fortschritte in der Oberflächentechnik. Auch der neue Veranstaltungsort, das Median Hotel Lehrte, überzeugte – sowohl das Ambiente als auch die Organisation vor Ort.

Im Fokus des ersten Themenschwerpunkts standen zukunftsweisende Innovationen sowie die Sicherung von Fachkräften. Die Experten diskutierten das Potenzial von künstlicher Intelligenz in der Galvanotechnik und zeigten auf, wie eine analytische Bad- und Produktüberwachung messbare Qualitätssteigerungen bei gleichzeitiger Ressourcen­einsparung ermöglicht. Ergänzt wurde dieser Block durch einen intensiven Austausch über Chancen und Hürden in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich dem sensiblen Thema Brandschutz. Neben der Analyse von realen Brandereignissen in Galvanikbetrieben diskutierten die Teilnehmer praxisnahe Lösungen zum Umweltschutz, insbesondere die technischen Möglichkeiten der Löschwasserrückführung und -rückhaltung. 

Der 24. Norddeutsche Galvanotag findet am 29. April 2027 von 14.00 bis 18.00 Uhr im Median Hotel Hannover Lehrte statt.

Zentralverband Oberflächentechnik e.V. (ZVO)

Abschlusserklärung des ­Runden Tisches Sulfamidsäure

Der Runde Tisch Sulfamidsäure mit Vertretern aus Industrie, Wasserwirtschaft, Behörden, Umwelt- und Verbraucherschutzorgani­sationen sowie Verbänden, unter anderem aus dem ZVO-Ressort Umwelt- und Chemikalienpolitik, hat die Ergebnisse seiner Arbeit zur Verringerung des Eintrags von Sulfamidsäure in Oberflächengewässer und Rohwasser zur Trinkwassergewinnung in einem umfangreichen Abschlussbericht zusammengefasst, berichtet der ZVO. 

Sulfamidsäure ist als relevanter Spurenstoff zunehmend in den Fokus von Umwelt- und Wasserwirtschaft gerückt. Aufgrund ihrer hohen Wasserlöslichkeit, Mobilität und Persistenz wird sie in Abwasserströmen, Oberflächengewässern sowie in Roh- und Trinkwasser nachgewiesen. Besonders kritisch ist dabei, dass Sulfamidsäure mit den ­derzeit etablierten Verfahren der Abwasser- und Trinkwasseraufbereitung kaum entfernt werden kann. Einträge verbleiben somit weitgehend im Wasserkreislauf, weshalb Maßnahmen zur Reduzierung an der Quelle eine zentrale Rolle spielen. 

Für galvanotechnische Betriebe ist ­diese Entwicklung von besonderer Bedeutung, da Sulfamidsäure hier gezielt und in prozessrelevanten Mengen eingesetzt wird. Insbesondere in Nickelsulfamat-Elektrolyten der Bandgalvanik ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil, um hohe Abscheideraten, gleichmäßige Schichtdicken und definierte Materialeigenschaften zu gewährleisten. Gleichzeitig wird Sulfamidsäure in vielen Betrieben zur Eliminierung von Nitrit in Prozessen und/oder Abwässern eingesetzt. Die hierfür erforderliche schnelle und sichere Reaktion führt in der Praxis häufig zu Überdosierungen, da die Dosierung oftmals auf vereinfachten Messmethoden basiert. 

Gerade diese prozessbedingten Anwendungen führen dazu, dass Sulfamidsäure über Spülwässer und Abwasserströme in den Wasserkreislauf gelangen kann. In Abwasser- und Prozessanlagen mit hohen Durchsätzen entstehen so relevante Stofffrachten. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen des Runden Tisches Sulfamidsäure unter Beteiligung von Industrie, Verbänden, Wasserwirtschaft, Behörden sowie Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge erarbeitet. Im Fokus stehen dabei insbesondere ein bewusster und sparsamer Einsatz, die Prüfung von Alternativen, die Optimierung von Dosier- und Prozessführungen sowie – wo erforderlich – gezielte Maßnahmen zur Abwasser­behandlung. 

In zwei Dokumenten werden die ­zentralen Ergebnisse dieses Prozesses dargestellt und es werden praxisnahe Hinweise für betroffene Unternehmen gegeben. Sie dienen als Grundlage, um die eigene Betroffenheit zu bewerten und geeignete Maßnahmen im Betrieb zu prüfen. Unternehmen, die Sulfa­midsäure einsetzen oder in Verkehr ­bringen, sollten sich aktiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen und einen Beitrag zur Redu­zierung der Umweltbelastung leisten. Für betroffene Unternehmen bedeutet dies konkret: Wenn Nickelsulfamat-Prozesse betrieben werden, Sulfamidsäure zur Nitriteliminie­rung eingesetzt wird oder entsprechende Abwässer behandelt werden, besteht ein Prüf- und Optimierungsbedarf. Ansatzpunkte liegen insbesondere in einer präziseren Dosierung, der Minimierung von Überdosierungen sowie in gezielten Maßnahmen der Abwasser- beziehungsweise Teilstrombehandlung.

Über die Homepage des ZVO können das Informationspapier sowie die Abschlusserklärung heruntergeladen werden.

Text zum Titelbild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Vortrag und Sommerfest der DGO-BG-Thüringen (Bild: Marius Engler, TU Ilmenau)

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