Klasse statt Masse – Techniker überzeugen durch Engagement und Qualität

Karriere 09. 08. 2026

Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen für Galvanotechnik in Schwäbisch Gmünd

Am 10. Juli fand am Beruflichen Schulzentrum Schwäbisch Gmünd die ­Verabschiedung und Zeugnisübergabe der ­frischgebackenen staatlich geprüften Technikerinnen und Techniker für die Fachrichtung Galvanotechnik statt. Abteilungsleiterin Dr. Christa Hannak zeigte sich sehr erfreut darüber, dass Familienangehörige, Freunde und Kollegen aus der Industrie an der Feier teilnahmen. In Vertretung der Schulleiterin Sabine Fath sprach deren Stellvertreter Andrée Kedves den Absolventen seine Glückwünsche für das erreichte Ziel aus, verbunden mit der Versicherung, dass die Industrie auf deren Kompetenz angewiesen ist und sie mit offenen Armen aufnehmen wird. Durch die Veranstaltung führte aus dem Kreis der Absolventen Till Feuchter.

Wie in den vergangenen Jahren ­unterstützte der Förderverein Galvanicus, vertreten durch die Vorstandsmitglieder Robert Rohn und Christian Kurrle, die Abschlussfeier persönlich, durch Sponsoring und Vergabe von Preisen. Robert Rohn verglich die Ausbildung mit dem Ablauf eines ­Beschichtungsvorgangs: Die neuen Techniker haben mit der Ausbildung die Vorbehandlung eines Gesamtprozesses absolviert. Während bei einer Beschichtung die Zusatzstoffe den Glanz im Beschichtungsprozess liefern, übernehmen dies in der lokalen Arbeitswelt eines Beschichtungsunternehmens die Fachleute, die den Glanz der Produktion ausmachen können und sollten.

Paul Rienecker als ehemaliger Absolvent bestätigte, dass die Ausbildung ein wichtiger Schritt in eine erfolgreiche Zukunft darstellt. Er betonte, dass den Absolventen eine große Zahl unterschiedlicher Betätigungsfelder von Produktion über Entwicklung bis hin zu Vertrieb offen steht. Zugleich sind die Absolventen aber auch aufgefordert, das negative Bild der Galvanotechnik durch ihre Arbeit zu verbessern.

Die Absolventen Alexander Baldauf, Michael Ferahyan und Carlo Gessler stellten ihre bei der Dr.-Ing. Max Schlötter ­durchgeführte Technikerarbeit zu Silber-Dispersionsabscheidung vor. Durch die fortschreitende Entwicklung bei der Schnellladung von Elektrofahrzeugen besteht immer mehr Bedarf an dieser Art der Silberabscheidung. Um die geforderte Ladeleistung bei geringer Verlustleistung möglich zu machen, spielen die Kontakte der Ladestecker und deren Eigenschaften in Bezug auf Übergangswiderstand, Verschleiß und Korrosionsbeständigkeit eine ­wichtige Rolle. Zu diesem Zweck müssen die ­bislang vorliegenden Dispersionsabscheidungen weiter verbessert werden.

Untersucht wurde der Einbau von Graphit und PTFE in die Silberschicht. Graphit liegt für diese Anwendung als Flakes und in Kugelform vor. Die Schichten wurden auf Kupfersubstrate abgeschieden, einmal auf einfache Bleche zur Charakterisierung der Schicht und auf Reibkörper zur Bestimmung der Reibkräfte und des Abriebs. Für die Bestimmung der Schichteigenschaften wurde mit unterschiedlichen Gehalten an Partikeln im Elek­trolyten gearbeitet; die Charakterisierung erfolgte mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) und Schliff. Der Verschleiß wurde mittels Weco-X-Tribometrie ermittelt, bei dem eine translatorische, zyklische Belastung bis zu den erforderlichen 10.000 Bewegungen aufgebracht wird. Das Aussehen der Schicht wurde mittels 3D-Laserscanning-Mikroskop bestimmt.

Die besten Ergebnisse wurden mit einem Gehalt von etwa 100 g/L an Graphit im Elektrolyten erzielt; höhere Werte beeinträchtigen die mechanischen Eigenschaften der Silberschicht. Für diese Schichten wird über die gesamte Messdauer annähernd der selbe Reibwert gemessen. Insbesondere bei geringen Werten zeigt sich ein höherer Reibwert ab einer bestimmten Zyklenzahl mit vollständiger Freilegung des Grundmaterials bei deutlich unter 10.000 Zyklen. Die Ergebnisse sind bei Graphit als Flake und als Kugeln ähnlich. Der elektrische Widerstand ist bei beiden Formen des Graphits gleich und bei PTFE erwartungsgemäß höher. Für beide Formen der Partikel ist es möglich, eine optimale Zusammensetzung der Schicht zur Erreichung der geforderten 10.000 Zyklen zu erlangen. Gute tribologische Eigenschaften sind für die Einbettung von PTFE-Kugeln mit etwa 250 nm Durchmesser zu erwarten.

Weitere Untersuchungen richten sich auf die Übertragbarkeit der Beschichtungstechnik in die Praxis der Band- und Trommelbeschichtung, die Erhöhung der Zyklenzahl oder auch die Erweiterung der Beschichtung auf beide Reibpartner.

Die Klassenlehrer Birka Schunter und Volker Rogoll überreichten die begehrten Abschlusszeugnisse, Preise und Belobigungen an die Absolventen. Für den Förderverein Galvanicus konnten Robert Rohn und Christian Kurrle Preise an Alexander Baldauf, Elena Feil und Carlo Gessler. Die Ausbildung abgeschlossen haben:

  • Leandro Anderrüti (Belobigung)
  • Mansour Badawi
  • Alexander Baldauf (Preis und 1. Preis des Fördervereins)
  • Elena Feil (Preis und 2. Preis des Fördervereins)
  • Michael Ferahyan (Preis)
  • Till Feuchter (Belobigung)
  • Carlo Gessler (Preis und 3. Preis des Fördervereins)
  • Lucas Kühn
  • Hanna Wichtlhuber (Preis)

Wie Volker Rogoll betonte, ist die Anzahl der Technikerabsolventen in diesem Jahr mit neun Absolventen leider gering – dafür liegt der Notendurchschnitt mit 1,8 bewundernswert hoch. Es kann also durchaus von einem wichtigen Signal zu noch mehr Klasse und Qualität der Technikerausbildung gesprochen werden.

In einem unterhaltsamen Rückblick auf die zwei Jahre Technikerausbildung betonte Volker Rogoll unter anderem die Rolle der Galvano- und Oberflächentechnik, der nun wieder neue Fachkräfte zur Verfügung stehen. Er versprach den neuen Technikern, dass sie bei einem Notendurchschnitt von 1,8 bestens für die harte Praxis vorbereitet sind. Auch wenn die derzeitige Situation unverkennbar große Herausforderungen bereitet, sollten sich die Absolventen mit Engagement und Energie an der Entwicklung der benötigten Lösungen beteiligen. Die Welt werde sich weiter und in hohem Tempo wandeln und sie sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Von diesem Wandel ist auch die Galvanotechnik betroffen, erkennbar an der zunehmenden Komplexität der Verfahren, Prozesse und Anwendungen. Hier sind die Technikerabsolventen aufgerufen, sich mit ihrem Wissen zu beteiligen, auch wenn es sich um tiefgreifende oder unerwartete Wendungen handeln sollte.

Alexander Baldauf blickte auf unterhaltsame Weise auf die Ausbildung zurück und dankte im Namen der Absolventen für das vermittelte Wissen und die Erkenntnis, dass die Branche als Schlüsselindustrie unverzichtbar ist und auch bleiben wird. Hilfreich für alle Absolventen war die tolle Unterstützung durch die Lehrerschaft und der gute Zusammenhalt sowie die gegenseitige Unterstützung. Abschließend versicherte Baldauf, dass alle Absolventen sich der Verantwortung bewusst sind, für den Bestand und Erfolg der Galva­notechnik aktiv zu sein.

Ihr Engagement stellten die Absolventinnen und Absolventen nicht zuletzt dadurch unter Beweis, dass sie nicht nur ihren eigenen Abschluss perfekt organisiert hatten, sondern auch kurzweilig durch die Veranstaltung führten; eine Klaviereinlage durch Manour Badawi sowie die Überreichung von Präsenten an die Lehrerschaft rundeten die gelungene Abschlussfeier ab.

Text zum Titelbild: Der Techniker-Jahrgang 2026 mit Lehrern der Technikerschule Schwäbisch Gmünd

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