Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e.V. (DGO
DGO verleiht Ehrenmitgliedschaften
Die Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik E.V. hat im Rahmen des diesjährigen Ulmer Gesprächs Ehrenmitgliedschaften an Professor Dr.-Ing. Dr. habil. Nasser Kanani und Patricia Preikschaft in Anerkennung ihrer Verdienste für die DGO verliehen.


Dr. Martin Metzner überreicht die Urkunden zur Ehrenmitgliedschaft der DGO an Prof. Dr. Kanani (oben) und Patricia Preikschat (Bild: Dr. Meyer /DGO)
Prof. Nasser Kanani studierte Materialwissenschaften an der Montanuniversität Leoben und der TU Berlin. Er promovierte 1974 auf dem Gebiet der Festkörperphysik an der TU Berlin und habilitierte sich dort 1979 für das Fach Elektrochemie, wo er bis zur Emeritierung das Fachgebiet der Galvanotechnik als Professor vertrat. Als Gastprofessor lehrte er darüber hinaus am MIT Massachusetts Institute of Technology in Cambridge/USA sowie und an der University of Florida in Gainsville.
Neben der Lehrtätigkeit baute Prof. Kanani zunächst bei der Schering AG und später bei der Atotech den Bereich Qualitätsprüfung auf, welchen er über Jahrzehnte leitete. Zwischen 1993 und 2005 war er Head of Materials Science Department der Atotech Deutschland GmbH in Berlin. Hier beschäftigte er sich mit seinem Team von Wissenschaftlern und Ingenieuren mit der Qualifizierung von galvanotechnisch abgeschiedenen metallischen Schichten.
Seinen Arbeiten ist es ganz wesentlich zu verdanken, dass galvanotechnische Produkte den anerkannt hohen Qualitätsstandard erreichten, den sie heute haben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Arbeiten hat Prof. Kanani in über 200 Artikeln in Fachzeitschriften sowie zahlreichen Fachbüchern und Vorträgen veröffentlicht. Auch hat er etliche Lehrbücher über sein Fachgebiet Galvanotechnik verfasst und wurde mehrfach für seine wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet.
Seit 2022 wird der von Prof. Kanani gestiftete DGO-Nasser-Kanani-Preis jährlich an junge Forschende für eine Arbeit auf dem Gebiet der elektrochemischen Oberflächentechnik unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte der Nachhaltigkeit verliehen. Die Stiftung des Preises ist ein besonderer Beitrag und Anreiz für junge Forschende auf dem Gebiet der Galvano- und Oberflächentechnik und erhöht die Bekanntheit sowie das Image der DGO.
Prof. Kanani hat durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und seine Lehrtätigkeit einen wesentlichen Beitrag für den Stellenwert der Galvanotechnik und die Bedeutung der DGO erbracht. Prof. Kanani trat am 1. Januar 1983 in die DGO ein und wurde 2007 bereits mit der DGO-Plakette ausgezeichnet. Der Vorstand der DGO dankt Professor Dr.-Ing. Dr. habil. Nasser Kanani für seine herausragenden Verdienste um die DGO und die gesamte Branche und beglückwünscht ihn zur Vergabe der Ehrenmitgliedschaft.
Frau Preikschat gründete 1993 gemeinsam mit zwei Kollegen die SurTec GmbH und entwickelte diese zu einem führenden und international agierenden Unternehmen auf dem Gebiet der Spezialchemikalien für die Oberflächen- und Galvanotechnik. Den Unternehmensgründern ging es dabei stets um die Entwicklung umweltfreundlicher und nachhaltiger Produkte, wie beispielsweise die weltweit eingesetzte Dickschichtpassivierung auf Basis von dreiwertigem Chrom.
Patricia Preikschat ist seit 2002 persönliches DGO-Mitglied und war von 2004 bis 2011 Mitglied im Vorstand. In den Jahren 2004 bis 2005 war sie stellvertretende Leiterin und von 2006 bis 2009 engagierte sie sich als Vorsitzende des Vorstandes. Sie erhielt 2024 bereits die DGO-Plakette für ihr außergewöhnliches Engagement.
Vor mehr als 30 Jahren war Patricia Preikschat Mitbegründerin des DGO Arbeitskreises Wasserstoffversprödung. Der Arbeitskreis nimmt bis heute eine zentrale Bedeutung für die DGO ein. Sie hat den AK sowohl fachlich als auch materiell stets unterstützt, wobei vor allem ihr außerordentlich fundiertes Wissen für die Branche von unschätzbarem Wert ist. So hat ihr Engagement wesentlich dazu beigetragen, das heute sicherheitsrelevante, hochfeste Bauteile gefahrlos galvanotechnisch behandelt werden können.
Das Gesamtwirken von Patricia Preikschat für die Galvanotechnik und die DGO geht weit über das normale ehrenamtliche Maß hinaus und ist hierbei für das Image und die Wirksamkeit der DGO von herausragender Bedeutung. Der Vorstand der DGO dankt Patricia Preikschat herzlich für ihre herausragenden Verdienste um die DGO und die gesamte Branche.
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Zentralverband Oberflächentechnik e.V.(ZVO)
REACH-Revision gestoppt
Die Europäische Kommission hat laut ZVO die geplante Revision der REACH-Verordnung vorerst gestoppt. Damit wird eines der zentralen Regulierungsvorhaben im Bereich der europäischen Chemikalienpolitik nicht wie ursprünglich vorgesehen weiterverfolgt. Zeit für einen realistischen Neustart der europäischen Chemikalienpolitik.
Für die Oberflächentechnik und die gesamte industrielle Wertschöpfungskette ist diese Entscheidung von erheblicher Bedeutung. Die bislang diskutierten Vorschläge zur Revision der REACH-Verordnung hätten tiefgreifende Auswirkungen auf den Einsatz von bewährten Stoffen und Prozessen gehabt – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Produktion in Europa.
Aus Sicht des ZVO ist die Entscheidung der Kommission daher ein wichtiges Signal. Sie eröffnet die notwendige Gelegenheit, die bisherigen Ansätze grundlegend zu überdenken und stärker an den realen Anforderungen der industriellen Praxis auszurichten.
Die Diskussionen der vergangenen Monate haben deutlich gemacht, dass zentrale Elemente der geplanten Revision kritisch zu bewerten sind. Insbesondere:
- Das Konzept des Essential Use birgt erhebliche Rechtsunsicherheiten und ist für viele industrielle Anwendungen – gerade in der Oberflächentechnik – kaum praktikabel abgrenzbar.
- Pauschale Stoffgruppenansätze (Generic Approach) drohen, differenzierte Risikobetrachtungen zu ersetzen und bewährte Anwendungen ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage einzuschränken.
- Zunehmende regulatorische Komplexität belastet insbesondere kleine und mittlere Unternehmen unverhältnismäßig stark und bindet Ressourcen, die für Innovation und Transformation benötigt werden.
Vor diesem Hintergrund war die Gefahr real, dass eine übereilte Revision zu einer weiteren Verlagerung industrieller Wertschöpfung aus Europa geführt hätte – ohne einen entsprechenden Mehrwert für Umwelt- oder Gesundheitsschutz zu erzielen.
Der ZVO setzt sich daher weiterhin für eine zielgerichtete, wissenschaftsbasierte und praktikable Weiterentwicklung von REACH ein. Dazu gehören insbesondere die Beibehaltung des bewährten risikobasierten Ansatzes, eine klare Differenzierung zwischen kritischen und unverzichtbaren Anwendungen sowie eine spürbare Entlastung von kleinen und mittleren Unternehmen.
Die Pause bei der REACH-Revision sollte nun genutzt werden, um gemeinsam mit Industrie, Behörden und Wissenschaft eine tragfähige Grundlage für die zukünftige Ausgestaltung der europäischen Chemikalienpolitik zu erarbeiten.
Für den ZVO ist klar: Europa braucht eine Chemikalienregulierung, die hohe Schutzstandards mit industrieller Leistungsfähigkeit verbindet – und damit die Grundlage für Innovation, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung am Standort Europa sichert.
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Zweite Musterklage zur Anerkennung von Chromtrioxid als Zwischenprodukt erfolgreich
Wie der ZVO mitteilt, konnte in der Intermediate-Kampagne, die vom ZVO initiiert und mit Unterstützung der Kanzlei Baumeister aktiv begleitet wird, in Niedersachsen ein weiterer Erfolg verbucht werden.
Das Verwaltungsgericht Hannover hat in seinem (noch nicht rechtskräftigen) Urteil vom 24. April 2026 (Az. 11A 2877/21) festgestellt, dass der in der Galvanik eingesetzt Stoff Chromtrioxid ein Zwischenprodukt im Sinne des Art. 3 Nr. 15 REACH-VO darstellt und insoweit keiner Autorisierungspflicht unterliegt. Das Gericht stützt seine Entscheidung ausdrücklich auf das vom ZVO erstrittene Urteil des VGH Mannheim vom 9. April 2025 (Az. VGH 10 S 1332/23).
2018 hatte der ZVO beschlossen, fünf Musterklagen in fünf Bundesländern zu finanzieren, um die zwischen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und dem ZVO streitige Frage gerichtlich zu klären, ob Chromtrioxid in seiner Anwendung in der Oberflächentechnik ein Zwischenprodukt (Intermediate) im Sinne von REACH darstellt. Seit Jahren steht der ZVO auf dem Standpunkt, dass Chromtrioxid im REACH-Prozess als Zwischenprodukt einzustufen ist und es somit keiner Autorisierung bedarf.
Nach Baden-Württemberg war nun auch die zweite Musterklage in Niedersachsen erfolgreich. Damit deutet sich nach Ansicht des ZVO eine Tendenz an, nach der das Urteil des VGH Mannheim eine Leitentscheidung werden könnte, die auch von den Gerichten in den anderen Bundesländern anerkannt wird.
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ZVO und CETS im Austausch mit ECHA
Der ZVO hat gemeinsam mit dem europäischen Dachverband CETS den direkten Dialog mit der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki gesucht, berichtet der ZVO. Vor Ort vertraten Lukas Hanstein, ZVO-Leiter Politik, sowie Dr. Malte-Matthias Zimmer, Präsident CETS und ZVO-Ressortleiter Umwelt- und Chemikalienpolitik, die Interessen der Oberflächentechnik. Ergänzt wurde die Delegation durch die Unternehmerin Sari Virta, Geschäftsführerin des finnischen Galvanikunternehmens EFORIT.
Im Mittelpunkt des Austauschs stand die neu eingerichtete SME-Focus Group der ECHA – ein wichtiges Instrument, um die Perspektive kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) stärker in die europäische Chemikalienregulierung einzubringen. Nach Ansicht des ZVO ist entscheidend, dass dieses Format nicht nur formal besteht, sondern in der Praxis zu spürbaren Verbesserungen für die betroffenen Unternehmen führt.
Die Gespräche machten deutlich, dass gerade im Rahmen von REACH viele KMU weiterhin vor erheblichen Herausforderungen stehen. Komplexe Verfahren, hohe bürokratische Anforderungen und unzureichender Zugang zu verständlich aufbereiteten Informationen erschweren eine effiziente Umsetzung der regulatorischen Vorgaben.
ZVO und CETS haben daher mit der ECHA konkrete Ansatzpunkte diskutiert, um die Zusammenarbeit mit KMU zu verbessern und regulatorische Prozesse praxisnäher zu gestalten. Im Zentrum standen die Maßnahmen:
- Bessere Zugänglichkeit von Informationen: Zentrale Dokumente und Inhalte der ECHA sollten konsequent in allen Amtssprachen der EU verfügbar sein, um Sprachbarrieren abzubauen und eine breite Verständlichkeit sicherzustellen. Außerdem wurde der überbordende Umfang der Dokumente zusammen mit zahlreichen Querverweisen – die als Weblinks oft veraltet sind – kritisiert. Für KMU sind tausende von Seiten nicht erfassbar und schon gar nicht umsetzbar.
- Frühzeitige, verlässliche Information: Regulatorische Entwicklungen müssen Unternehmen so früh wie möglich erreichen, um ausreichend Zeit für Anpassungen und Rückmeldungen zu haben.
- Frühzeitige Einbindung der Praxis: Konsultationen sollten bereits vor der formalen Veröffentlichung enger mit KMU abgestimmt werden, um frühzeitig praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. CETS und ZVO brachten Praxis-Checks ins Spiel. Regularien müssen nicht nur verständlich sein, sondern auch vollzogen werden können. Dies sollte im Kleinen insbesondere bei KMU getestet werden, bevor sie breit ausgerollt werden. ECHA wurde dazu explizit eingeladen.
- Konsequenter Bürokratieabbau: Die Reduktion von administrativen Lasten bleibt eine zentrale Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständisch geprägten Oberflächentechnik in Europa zu sichern. Es wurde eine strikte Ergebnisorientierung angemahnt: vor konkreten Maßnahmen die Definition messbarer Ergebnisse, nach Einführung die Überprüfung, ob die Ziele realisiert wurden. Wenn nicht, sollte die Regularie entfallen. Hier wären Praxis-Checks besonders nützlich.
- Regularien müssen Bestand haben: Permanente Änderungen, Überarbeitungen, Reviews etc. nehmen Zeit für die Umsetzung.
Der ZVO begrüßt ausdrücklich die Einrichtung der SME-Focus Group und wird sich weiterhin aktiv in deren Ausgestaltung einbringen. Ziel ist, die Stimme der mittelständischen Industrie in Europa zu stärken und sicherzustellen, dass Regulierung nicht an der betrieblichen Realität vorbeigeht.
- www.zvo.org
