Qualitätssicherung (QS) wird immer aufwendiger und kostet Unternehmen aus dem Bereich der Oberflächenbehandlung und Oberflächenbeschichtung immer mehr Zeit: Jeder Kunde hat eigene Anforderungen; spezielle Richtlinien für einzelne Artikel sind üblich. Daraus ergibt sich die Frage, wie die Qualitätssicherung bei steigenden Anforderungen zeitsparender gestaltet werden kann. Auf Basis von Anwenderfeedback hat Softec mehrere Lösungen speziell für Oberflächenveredler entwickelt, die Prozesse optimieren und den Arbeitsalltag für die QS erleichtern.
Flexible Prüfprotokolle
Ein Dokument, das immer mehr Kunden fordern, ist das Prüfprotokoll. Diese Protokolle werden oft noch auf Papier dokumentiert, was sich allerdings aufgrund individueller Anforderungen von Kunden kompliziert gestaltet. Schlicht eine allgemeine Vorlage für die Protokolle zu erstellen, reicht deshalb meistens nicht aus. Hinzu kommt, dass Kunden teilweise noch Monate später Prüfprotokolle anfordern oder Detailfragen dazu haben. Wenn dann das entsprechende Prüfprotokoll auf Papier gesucht werden muss, verursacht das oftmals einen hohen Zeitaufwand für Mitarbeiter.
Insgesamt zeigt sich: Die Dokumentation von Prüfprotokollen auf Papier wird den steigenden Anforderungen von Kunden nicht mehr gerecht. Um in der Qualitätssicherung Zeit zu sparen, bietet es sich also im ersten Schritt an, Prüfprotokolle digital, im besten Fall direkt im ERP-System, zu pflegen. Die digitale Erfassung von Prüfprotokollen ermöglicht mehr Flexibilität. So können Prüfprotokolle individuell für bestimmte Kunden oder Artikel angepasst werden. Beispielsweise kann hinterlegt werden,
- wenn bei einem Artikel immer eine Schichtdickenmessung erforderlich ist,
- dass ein Kunde für spezifische Artikel eine 100-%-Wareneingangskontrolle durchführt,
- oder dass ein Kunde einen dynamischen Stichprobenumfang in Abhängigkeit von der Losgröße über AQL (Acceptable Quality Level) berechnet.
Darüber hinaus können Regelungen für periodisch wiederkehrende Tests wie Salzsprühtests oder Gitterschnittprüfungen vermerkt und überwacht werden.
Diese Abbildung aller Daten und Besonderheiten in einem einzigen System erhöht die Prozesssicherheit. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie die Sperre der Auslieferung oder des Drucks von Lieferscheinen, wenn QS-Meldungen fehlen, lassen sich ebenfalls im System verankern. Eine umfangreiche Suchfunktion im ERP-System löst die aufwendige Suche in Papierstapeln ab und beschleunigt damit die Bearbeitung von Kundenanfragen.
QS-Daten aus der Produktion
Mehr Flexibilität ist auch bei der Erhebung von QS-Daten gefragt. Ein Faktor, der dabei oft genannt wird, ist die Erfassung von Daten bereits in der Produktion. Dafür sind Apps ein geeignetes Hilfsmittel. Wenn beispielsweise die Betriebsdatenerfassung (BDE) per App erfolgt, kann zusätzlich zur Rückmeldung des Produktionsstandes eine Fehlerkarte für Ausschuss oder Nacharbeit ausgefüllt werden. Mögliche Fehler werden dafür aufgelistet und in Kategorien unterteilt. So können Mitarbeiter gemeinsam mit der BDE-Rückmeldung angeben, ob beziehungsweise wie viele Teile von Fehlern betroffen sind.
Auch eine Dokumentation per Foto bietet sich bei fehlerhaften Teilen an. Eine Foto-App, die mit dem ERP-System verknüpft ist, ermöglicht es, Bilder mit dem Smartphone aufzunehmen und ans ERP zu übermitteln. Dort wird die Aufnahme sofort an der richtigen Stelle abgelegt, zum Beispiel beim entsprechenden Artikel oder am konkreten Auftrag.

Eine App führt Schritt für Schritt durch die digitale Prüfung (Bild: Softec)
Mobile Prüfung und Anbindung von Messgeräten
Die Verfügbarkeit von Prüfplänen und Prüfprotokollen im ERP-System bildet außerdem die Grundlage für die mobile Rückmeldung von Prüfungsergebnissen – ebenfalls per App. Eine Prüfung kann per Barcodescan gestartet werden, um die notwendigen Prüfschritte direkt aus dem ERP-System zu laden. Die App begleitet Mitarbeiter Schritt für Schritt durch die Prüfung und dient somit gleichzeitig als Assistenzsystem. Nach der Erfassung werden die Werte per Knopfdruck zurück ans ERP-System gemeldet. Diese Arbeitsweise funktioniert sowohl für die Arbeit mit Messgeräten, beispielsweise bei der Schichtdickenmessung, als auch für Sichtprüfungen auf beispielsweise Abplatzer oder Blasenbildung.
Für Messgeräte gibt es darüber hinaus noch einen effizienteren Weg, wie sie mit dem ERP-System vernetzt werden können. Über eine Schnittstelle können Daten automatisiert und in Echtzeit zwischen Messgeräten und ERP-System ausgetauscht werden. Diese direkte Anbindung bietet den zusätzlichen Vorteil, dass keine manuellen Eingaben erfolgen müssen. Übertragungsfehler werden somit vermieden.
Vorausschauende Wartung für mehr Produktqualität
Auch in der Instandhaltung gibt es Optimierungspotenziale, die sich direkt auf die Qualitätssicherung auswirken. Genau wie die Prüfprotokolle kann auch die regelmäßige Anlagenwartung im ERP-System geplant, gesteuert und dokumentiert werden. Um rechtzeitig auf Abweichungen an Anlagen reagieren zu können, ist die Übermittlung von Echtzeitdaten essenziell. Über Schnittstellen lassen sich Anlagen ebenfalls ans ERP-System koppeln und können so kontinuierlich Daten aus dem Livebetrieb zurückmelden.
Die Bereitstellung dieser Daten in der Produktion ist wichtig, um Abweichungen bereits vor Ort zu erkennen und umgehend beheben zu können. Insbesondere in der Oberflächentechnik erweist sich jedoch die Darstellung über Monitore als schwierig, da die Lebensdauer von Hardware durch die raue Produktionsumgebung begrenzt ist. Eine Alternative können virtuelle Anzeigetafeln sein, die über Augmented Reality (AR) per Smartphone an den Anlagen eingeblendet werden. Damit sind Betriebsdaten wie Elektrolyttemperaturen, Temperaturverläufe oder Konzentrationen in Elektrolyten und Arbeitsmedien immer an der passenden Stelle sichtbar. Abweichungen können so einfacher überwacht und damit Qualitätsunterschieden aktiv vorgebeugt werden.

Bei einer digitalen Prüfung im ERP-System wird der Glanzgrad bewertet (Bild: Softec)
Die passende Lösung finden
Betreiber von Anlagen der Oberflächentechnik haben viele verschiedene Möglichkeiten, mit den steigenden Anforderungen an die Qualitätssicherung umzugehen; die hier vorgestellten Lösungsansätze decken nur einige dieser Möglichkeiten ab. Deshalb sollte statt einer pauschalen Lösung das Ziel für Anwender sein, Ansätze zu finden, die individuell zu ihren speziellen Anforderungen passen. Dabei können Gespräche mit Mitarbeitern helfen, zeitaufwendige oder unnötig komplizierte Abläufe zu identifizieren und auf dieser Basis die größten Optimierungspotenziale herauszuarbeiten.
Verschiedene Lösungsansätze können auch kombiniert werden und damit einen Mehrwert bieten. So ist die oben beschriebene zentrale Verwaltung von Prüfprotokollen und Messdaten die Grundlage für weitere darauf aufbauende Anwendungen, wie zum Beispiel die mobile Durchführung und Rückmeldung von Prüfungen.
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