Informationen von DGO und ZVO

Verbände 09. 03. 2026

Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e.V.(DGO)

DGO-Bezirksgruppe Thüringen

Der erste Vortrag im diesem Jahr der DGO-Bezirksgruppe Thüringen startete mit dem Thema Support durch elektrochemische Prozesse: Wie die Elektrochemie die Galvanotechnik- und Leiterplattenindustrie unterstützen kann. Als Referent konnte Dr. Jens Krümberg, Geschäftsführer der Eilenburger Elektrolyse- und Umwelttechnik GmbH (EUT GmbH) gewonnen werden.

Die EUT GmbH ist ein technologieorientier­tes Unternehmen, das 1992 von ­Industrie- und Hochschulmitarbeitern gegründet wurde. EUT produziert Elektrolysetechnik in einem breiten Sortiment. Das Portfolio reicht von kleinen Elektrolysezellen für den Laborbedarf, für Wasserdesinfektionsanlagen geringer Leistung bis hin zu kleintechnischen und technischen Elektrolysezellen sowie zu industriellen Anlagen mit großer Stromkapazität. Für die Entwicklung von neuen Verfahren und Technologien stehen moderne Laborausrüstungen mit einem gut ausgestatteten Technologiezentrum zur Verfügung.

Der Referent beschrieb zu Beginn seines Vortrags die Sicherung stabiler Prozessbedingungen durch den Einsatz von zusätzlichen inerten Anoden am Beispiel der elektrochemischen Vernicklung. Ihr Einsatz führt nicht nur zur Erhöhung der Elektrolytstabilität, sondern auch zur Steigerung der Lebensdauer und zur Abfallminderung. Dabei ist eine Trennung von inerter Anode und Prozess­elektrolyt durch eine Membran vorzunehmen, damit der oxidative Abbau von Organika wesentlich reduziert werden kann.

Referent Dr. Jens Krümberg (l.) und Mathias Fritz (Foto: Dr. Kutzschbach)

 

Bei der chemischen Vernicklung steht die Phosphinat-Aufbereitung bis zum Phosphat durch Anodenprozesse an bordotierten Dia­mantelektroden (BDD-Elektroden) im Vordergrund. Diese Elektroden werden aus synthetischem Diamanten im CVD-Verfahren hergestellt und zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit mit Bor dotiert. Sie besitzen eine hohe chemische sowie mechanische Stabilität und ermöglichen Reaktionen bei hohen und niedrigen elektrischen Spannungen. Jens Krümberg stellt eigens entwickelte Behandlungszellen in der Außenansicht vor.

Im letzten Teil des Vortrags berichtete Jens Krümberg über das RECYPER-Verfahren zum Recycling von verbrauchten Kupfer-Beizlösungen. Bei diesem Prozess erfolgt ­ebenfalls in einer Membranzelle in Kombination von Anoden- und Kathodenreaktionen die Rückgewinnung des Ätzmittels (Natriumperoxo­disulfat Na2S2O8) bei gleichzeitiger Metallrückgewinnung. Die bildlich dargestellte Elektrolysezelle gestattet eine optimierte kathodische Abscheidung des Metalls sowie die anodische Oxidation im Anodenabteil der Zelle. Die Vorteile des RECYPER-Verfahrens sind:

  • Gleichzeitige Rückgewinnung von Kupfer und Beizmittel
  • Der Betrieb ist im Bypass zur bestehenden Beizlinie möglich
  • Effiziente Reduktion der Abwassermenge
  • Recycling von verschiedenen Beizmitteln ist möglich
  • Erzielen guter Stromausbeuten auch bei niedrigen Sulfatkonzentrationen im Beiz­elektrolyten
  • Effiziente Peroxodisulfat-Reoxidation direkt aus der verwendeten Beizlösung; es sind keine potentialerhöhenden Zusätze erforderlich

Mit einigen Zahlen über die jährliche Rückgewinnung von Kupfer und Peroxodisulfat sowie über den dafür erforderlichen Stromverbrauch einschließlich Kostenbilanz beendete Dr. Krümberg seinen Vortrag. In der anschließenden Diskussion wurden Fragen zur Stromdichtebelastung von BDD-Anoden und ihre Kosten gestellt. Abschließend bedankte sich Bezirksgruppenleiter Mathias Fritz bei Dr. Jens Krümberg für seinen interessanten Vortrag und verwies auf die Exkursion zur Firma Innovent e. V. Technologieentwicklung Jena.Dr. Peter Kutzschbach

DGO-Bezirksgruppe Nürnberg: Neuwahlen und Verabschiedung von Manfred Hoos

Die DGO-BG Nürnberg wählte im Rahmen ihrer Weihnachtsfeier am 2. Dezember 2025 ein neues Leitungsteam. Die 28 wahlberechtigten Anwesenden bestätigten einstimmig (bei 3 Enthaltungen) Udo Krüger als BG-Leiter in seinem Amt. Als seine Stellvertreter wurden Anna Thasler, Karl Lehner Oberflächenbehandlung (Tännesberg), und Florian Ottenbreit, Krones AG (Neutraubling bei Regensburg) gewählt. Anna Thasler und Florian Ottenbreit bedankten sich für das entgegengebrachte Vertrauen und nahmen die Wahl an. Ihre Amtszeit begann offiziell am 1. Januar 2026 und dauert fünf Jahre, also bis zum 30. Dezember 2030.

Mit Anna Thasler und Florian Ottenbreit hat sich das Leitungsteam der BG Nürnberg deutlich verjüngt. Beide freuen sich, von Udo Krüger nach und nach an die vielfältigen Aufgaben der BG-Leitung herangeführt zu werden und von seiner langjährigen Erfahrung und Expertise zu profitieren. Eine besondere Herausforderung werden sicher die stets detailreichen und mit exklusivem Begleitprogramm organisierten Exkursionen. Beide Stellvertreter vertrauen auch hier voll und ganz darauf, unter Anleitung von Udo Krüger in diese Aufgabe hineinzuwachsen. An Motivation fehlt es auf jeden Fall nicht. 

Gleichzeitig mit der Wahl der neuen Stellvertreter hieß es auch Abschied nehmen von Manfred Hoos, der nach zwölf Jahren sein Amt als Stellvertreter aufgab. Er hat sich dazu entschlossen, nach zwölf Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit, seinen anderen Interessen und Hobbies mehr Zeit zu gönnen. Rückblickend sei ein nicht unerheblicher Teil der Freizeitgestaltung der BG Nürnberg gewidmet gewesen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und die vielen positiven Rückmeldungen haben meine Motivation hochgehalten, die Zeit und die Kraft gerne dafür aufzuwenden, so Hoos. Irgendwann sei aber die Zeit reif, den Staffelstab weiterzugeben, damit etwas frischer Wind in unsere BG einzieht. Er dankte herzlich allen für die vielen Erlebnisse, die tollen Momente, die anregenden ­Gespräche und die vielen anderen Kleinigkeiten, die sein Leben bereichert hätten. Manfred Hoos wünschte den neuen Stellvertretern alles Gute und er ist sich sicher, dass sie die anfallenden Aufgaben sehr gut meistern werden. Hierbei dürften sie natürlich auch auf seine Unterstützung zählen.

DGO-BG Nürnberg mit Vortrag über effi­ziente Badabsaugung in der Galvanik

Am 10. Februar war Patric Hering, Airtec, mit einem Vortrag zum Thema Effiziente Badabsaugung in der Galvanik – von der Opti­mierung bis zur richtigen Auslegung bei der DGO-Bezirksgruppe Nürnberg zu Gast. Das Interesse an dem Thema erwies sich aufgrund der Aktualität als groß, und so hatten sich ٣٤ Teilnehmer angemeldet, die teilweise sogar aus Baden-Württemberg anreisten.

Nach kurzer Begrüßung aller Teilnehmer und Vorstellung des neuen Stellvertreters bei der Bezirksgruppe Nürnberg, Florian Ottenbreit, startete Patric Hering mit seinem Vortrag.

Der Vortrag war sehr informativ, kurzweilig und hatte einen hohen Praxisbezug. Es gab während des Vortrags immer wieder Fragen, die gleich beantwortet oder diskutiert wurden. Die Teilnehmer erfuhren, wie man seine vorhandene Absaugung effizienter und somit sparsamer machen kann, wie sich die Wirkung einfach erhöhen lässt, welche ­gängigen Fehler es zu vermeiden gilt und was sich die Behörden in nächster Zeit so wünschen beziehungsweise vorstellen – Stichwort DIN ISO. Auch wurde darüber diskutiert, wie sinnvoll Berechnungen und neue Vorschriften sind.

Die Teilnehmer lobten Patric Hering für den besonders guten Vortrag und die BG-Leitung bedankte sich wie üblich mit einem kleinen Gastgeschenk beim Referenten.

DGO-FA Chemische ­Metallabscheidung diskutierte mögliche PTFE-Alternativen in der Galvanotechnik

Im Rahmen eines Webmeetings am 14. Januar befasste sich der DGO-Fachausschuss Chemische Metallabscheidung mit möglichen Alternativen zu PTFE in der Galvanotechnik, das beispielsweise in Partikelform bei chemisch Nickel-Dispersionsschichten zum Einsatz kommt und direkt vom geplanten PFAS-Verbot betroffen ist.

Hierzu waren Dr. Welzel (TITK e. V., Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung) sowie Prof. Andreas Bund (TU Ilmenau) zugeschaltet. Dr. Welzel stellte das TITK als materialorientiertes Forschungsinstitut mit Schwerpunkt auf Kunststoffen, polymeren Additiven und deren Verarbeitung vor. Er führte aus, dass die Textilbranche ebenfalls stark vom geplanten PTFE-Verbot betroffen sei: Trotz bereits umgesetzter FuE-Projekte konnten die funktionalen Eigenschaften von PFAS-basierten Textilausrüstungen wie beispielsweise Fluorcarbon bislang nicht vollumfänglich erreicht werden. 

In der anschließenden Diskussion wurde empfohlen, zunächst bereits am Markt verfügbare Partikelwerkstoffe aufzugreifen und durch gezielte Compoundierung weiterzuentwickeln. Dies könnte die Basis für ein gemeinsames FuE-Projekt, etwa im Rahmen der IGF, bilden. Als potenzielle PTFE-Alternativen wurden unter anderem POM, ultra­hochmolekulares Polyethylen sowie PEEK genannt, wobei insbesondere Reibverhalten, Verschleißfestigkeit, chemische und thermische Beständigkeit als entscheidende Kriterien hervorgehoben wurden.

Durch die Vielzahl möglicher ­Anforderungen wurde angeregt, sich auf zwei bis drei klar definierte Musteranwendungen mit eindeutigem Anforderungsprofil zu konzentrieren, etwa mit Fokus auf geringe Reibwerte, hohe Verschleißbeständigkeit oder Antihaftwirkung. 

In der kommenden FA-Sitzung am 12. März 2026 in Geislingen sollen dann geeignete Musteranwendungen definiert und anschließend der Austausch mit den Forschungseinrichtungen vertieft werden.

DGO-FA DigiTrans stellte digitale ­Optimierungsansätze sowie ­etwaige Fördermöglichkeiten in den Fokus

Am 15. Januar fand das vierte Meeting des DGO-Fachausschusses Digitale Transformation und Innovation (DigiTrans) als Webmeeting statt. Im Mittelpunkt der Sitzung standen digitale Optimierungsansätze sowie ein Blick auf etwaige Fördermöglichkeiten.

Ein zentraler Diskussionspunkt war die Vorstellung eines Software-Tools zur Optimierung von komplexen Industrieprozessen, das analytische Laborwerte mit technischen Prozessparametern verknüpft und auf Basis definierter Optimierungsziele konkrete Handlungsempfehlungen zur Anlagenpara­metrierung ableitet. Das System ist bereits in der Vliesstoffproduktion im Einsatz und könnte perspektivisch auf galvanotechnische Prozesse übertragen werden. In der Diskussion wurden insbesondere die Heterogenität von galvanischen Datenquellen, die notwendige Datenqualität sowie eingeschränkte Optimierungsspielräume in stark regulierten Branchen wie dem Automotive-Bereich thematisiert. Als nächster Schritt soll der Kontakt zum Tool-Anbieter intensiviert und ein möglicher Galvanik-Use-Case definiert werden.

Darüber hinaus wurde über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Industrial Digital Twin Association (IDTA) gesprochen. Für eine der kommenden Sitzungen ist ein Beitrag zur Normungsroadmap Industrie 4.0 und zu Beteiligungsmöglichkeiten geplant.

Ein weiterer Punkt betraf aktuelle Förderbekanntmachungen: Während auf nationaler Ebene derzeit kaum geeignete Programme für Digitalisierungsthemen verfügbar sind, bestehen auf EU-Ebene vereinzelt Optionen, die jedoch als anspruchsvoll eingeschätzt werden.

Das nächste Treffen des FA DigiTrans findet am 23. April 2026 als Präsenzmeeting bei WMV Anlagenbau in Windeck statt.

Zentralverband Oberflächentechnik e. V.(ZVO)

ZVO-Positionspapier zu BREF-Dokumenten

Mit der Novellierung der Industrieemissionsrichtlinie rücken die nachgelagerten BREF-Dokumente noch stärker in den Fokus. Sie sind eine der zentralen Stellschrauben für Genehmigungen, Investitionsentscheidungen und die tägliche Betriebspraxis der ZVO-Mitglieds­unternehmen. Vor diesem Hintergrund hat der ZVO ein umfassendes Positions- und Kritikpapier zur neuen BREF-Guideline veröffentlicht.

Der ZVO sieht in der aktuellen Ausgestaltung der BREF-Guideline einen deutlichen Paradigmenwechsel: weg von technikbezogenen Anforderungen, hin zu quantitativen Umweltleistungskennwerten (AEPLs) und umfassen­den Managementvorgaben. Dieser Ansatz ist grundsätzlich nachvollziehbar, greift in der Praxis jedoch vielfach zu kurz. Kritisch bewertet der Verband insbesondere die fehlende belastbare Methodik zur Ableitung der AEPLs, die mangelnde Operationalisierung der Anwendbarkeit von Techniken sowie eine drohende Rechtsunsicherheit in Genehmigungsverfahren. Hinzu kommen hohe und teils realitätsferne Datenanforderungen, die vor allem kleine und mittlere Unternehmen strukturell benachteiligen können.

Aus Sicht des ZVO besteht dringender Handlungsbedarf, um den Anspruch eines europaweit einheitlichen, fairen und praxisnahen Vollzugs zu erfüllen. Notwendig sind unter anderem klare Bewertungsmaßstäbe, transparente Kriterien zur Datenqualität sowie Instrumente zur Auflösung von Zielkonflikten im Umweltmanagement.

Das vollständige Positionspapier mit einer detaillierten Analyse und konkreten politischen Forderungen steht auf der ZVO-Website zum Download bereit.

ZVO onlineDialog: ­Förderpotenziale für die Branche

Im 27. ZVO onlineDialog am 29. Januar, der kostenlosen und exklusiven Informationsplattform für ZVO-Mitglieder, zeigte Pascal Schneider von Schneider Consulting auf, wie Branchenunternehmen mit den passenden Fördermitteln erfolgreich ins Jahr 2026 starten können.

Das neue Jahr bringt Änderungen und spannende Entwicklungen in der Fördermittellandschaft mit sich. Für Unternehmen der Galvano- und Oberflächentechnik eröffnen sich 2026 vielfältige Chancen, um Investitio­nen in Innovation, Personal, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gezielt zu fördern. Im einstündigen Webinar gab Fördermittel-Experte Pascal Schneider einen Überblick zum Thema Fördermittel, zum Europäischen Beihilferecht und zu den wichtigsten Punkten bei der Beantragung. Außerdem stellte er die ZVO-Fördermittelplattform vor und detailliert einige Förderprogramme und Änderungen, die 2026 bekannt sein sollten und wie Unternehmen diese strategisch nutzen können. Im Anschluss an den Vortrag hatten die über 20 Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich auszutauschen. 

Eine aktuelle Übersicht passender Förderprogramme für die Branche bietet jederzeit die ZVO-Fördermittelplattform im Mitgliederbereich der ZVO-Website.

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