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Karriere 08. 02. 2026
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Nachruf: Werner Ruhl und Willi Perschbacher

Mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt nehmen Gesellschafter, Geschäftsführung und Belegschaft der B+T Unternehmensgruppe Abschied von den Firmengründern Werner Ruhl und Willi Perschbacher, die beide im Alter von jeweils 90 Jahren nach einem erfüllten Leben verstorben sind. Ihr unternehmerisches Wirken, ihre fachliche Kompetenz und ihre Menschlichkeit haben nicht nur zur gemeinsamen Gründung der Ruhl & Co. GmbH geführt, sondern prägen die gesamte B+T Unternehmensgruppe bis heute.

Werner Ruhl (l.) und Willi Perschbacher (r.)(Bilder: B+T Unternehmensgruppe)

 

Was ihre außergewöhnliche Partnerschaft auszeichnete, war nicht nur der Mut zum gemeinsamen Arbeiten und Wirtschaften, sondern eine lebenslange Verbundenheit. Kennengelernt hatten sich Werner Ruhl und Willi Perschbacher bereits im Alter von 14 Jahren während ihrer beruflichen Ausbildung. Aus dieser frühen Begegnung entwickelte sich ein tiefes gegenseitiges Vertrauen, das ihr späteres unternehmerisches Handeln maßgeblich bestimmte.

Werner Ruhl wurde im Januar 1935 in Gießen geboren. Seine Kindheit und Jugend waren von den Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt, woraus für ihn früh die Fragestellung erwuchs: Was bleibt, was gebe ich weiter? Dieses Denken prägte auch sein unternehmerisches Handeln. Ihm ging es nicht um kurzfristigen Erfolg, sondern um den Aufbau eines stabilen und zukunfts­fähigen Fundaments. Auch im privaten Leben war Werner Ruhl als Ehemann, Vater von zwei Kindern und stolzer Großvater von vier Enkelkindern ein Mensch, der Werte prägte und weitergab.

Nur drei Monate nach Werner Ruhl, im April 1935, wurde Willi Perschbacher im nahegelegenen Hungen geboren. Als achtes von neun Kindern war auch seine frühe ­Lebensphase von Entbehrungen geprägt. Diese ­bremsten jedoch nicht sein ausgeprägtes technisches Interesse und seinen Forschergeist. Mit der Ausbildung zum Galvaniseur legte er den Grundstein für eine außergewöhnliche berufliche Laufbahn. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich zu einem ausgewiesenen Experten der Galvano- und Chemietechnik, wobei seine Neugier, sein Mut zum Experiment und sein tiefes Prozessverständnis ihn ein ­Leben lang begleiteten. Nachdem Willi Perschbacher 1961 seine Meisterprüfung ablegte, machte er sich neben seiner Tätigkeit als Galvanikleiter auch als Chemikalienhersteller einen Namen. Als strategischer Kopf des Gründerduos prägte er das Unternehmen mit Weitblick, strukturellem Denken und einem klaren Verständnis für nachhaltige Unternehmens­entwicklung. Dabei führte sein handwerklich-technischer Pioniergeist nicht selten dazu, dass Innovation ganz pragmatisch am heimischen Küchentisch oder in der Garage des Familienheims entstand. Diese Begeisterung für Technik und Chemie teilte er über viele Jahre hinweg mit seiner Ehefrau, seinen drei Kindern und fünf Enkelkindern.

Nach Jahrzehnten der Freundschaft erwarben Werner Ruhl und Willi Perschbacher im Jahr 1976 eine kleine Galvanik mit sechs Mitarbeitern im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Cölbe. Damit legten sie den Grundstein für die Ruhl & Co. GmbH und zugleich für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte in der Oberflächentechnik. Unter ihrer gemeinsamen Führung wuchs das Unternehmen kontinuierlich. Nach 20 Jahren wurde der Standort strategisch günstig nach Wetzlar verlegt. Dort investierte man gezielt in moderne Anlagen zur Prozesssicherheit, in Analytik und Qualitätssicherung sowie in die Erweiterung der Produktionsflächen.

Die beiden Unternehmer verbanden unternehmerische Weitsicht stets mit einem ausgeprägten Interesse an technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. So suchten sie auch im hohen Alter noch den Austausch mit der jüngeren Unternehmensgeneration und verfolgten Themen wie alternative Energien und moderne Automatisierung mit Neugier und Begeisterung. Bis zuletzt blieb ihnen die Verbindung zum Unternehmen und seinen Mitarbeitern ein wichtiges Anliegen. Ihr gemeinsamer Besuch im Unternehmen im Jahr 2023 ist ein eindrucksvolles Beispiel für ihre lebenslange Leidenschaft für innovative Technologie, ihre Heimatregion und ihre Mitmenschen, die sie beide bis ins hohe Alter begleitete.

Werner Ruhl und Willi Perschbacher hinterlassen ein starkes Fundament, das von Innovationsgeist, Bodenständigkeit und Verantwortung geprägt ist. Ihr Lebenswerk lebt in der heutigen Unternehmensgruppe, in ihren Produkten, Prozessen und vor allem in den Menschen weiter, die sie inspirert haben. Ihnen gebührt unser bleibender Dank und ein ehrendes Andenken.

Nach kurzer und schwerer Krankheit verstarb am 6. Januar 2026 Walter Maximilian Baur in einem Hospitz in Ellwangen. Damit verliert die Branche einen außerordentlich umgänglichen und kompetenten Menschen und Fachmann auf dem Gebiet der Wasser- und Abwasserbehandlung, der ein Leben voller Leidenschaft, Hingabe und Inspiration geführt hat.

Walter Maximilian Baur(Bild: aqua plus)

 

Bereits in jungen Jahren hatte Walter Baur ausgiebig Kontakt zum interessanten Tätigkeitsbereich der Galvano- und Oberflächentechnik: Die Großmutter war in der Schmuckbranche tätig, die Mutter hatte den – damals noch gängigen – Beruf der Versilberin ergriffen und der Vater war Galvaniseur. Derart vorgeprägt absolvierte Walter Baur beim bekannten Unternehmen Erhard & ­Söhne in Schwäbisch Gmünd vom September 1971 bis September 1974 seine Berufsausbildung zum Galvaniseur. Weitere praktische Erfahrungen sammelte er bei Brack in Esslingen, in der Galvanikabteilung der Brillenfabrik Menrad in Schwäbisch Gmünd, in der ­Position eines Meisters bei Geze, Leonberg, und beim Spezialisten für Wasser- und Abwassertechnik im Bereich Vertrieb bei Gütling in Fellbach, ehe er mit der Gründung der aqua plus GmbH den Schritt in die Selbständigkeit wagte.

Die Ursprünge der aqua plus liegen – wie bei vielen innovativen und motivierten Neugründungen – in den eigenen vier Wänden. 1994 gründete Walter Baur gemeinsam mit einem Freund die aqua plus GmbH in seinem Privathaus: ein mutiger Schritt, der den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte legte. In Durlangen wurde mit drei Mitarbeitern die Herstellung von Anlagen unter dem eigenen Dach aufgenommen. Nach einer kurzen Epoche in Spraitbach und dem Umzug nach Lorch-Waldhausen, wo die Räumlichkeiten erneut vergrößert wurden, ließ sich das Unternehmen im Gewerbegebiet in Böbingen an der Rems nieder. In den dortigen Betriebsräumen wurden alle Vorversuche zur Behandlung von Rohwasser und Abwasser in den unterschiedlichsten Zustandsformen durchgeführt. Daraus entstanden die Planungen und Anlagenkonzepte zur Diskussion mit den Kunden. Anschließend wurden die Anlagen, soweit es sich um kleinere Ausführungen handelte, hergestellt, getestet und an die Kunden in aller Welt ausgeliefert. Großdimensionierte Anlagen wurden in Einzelteilen in Böbingen vorgefertigt und bei Kunden aufgebaut. Stets war die Einrichtung beim Kunden mit einer ausführlichen Einweisung für den korrekten Betrieb verbunden.

Die Anlagen und Verfahren des Unternehmens spielen eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung von gebrauchtem Wasser nach dessen Nutzung bei der Herstellung von verschiedenen Produkten. Vor allem in der Metallbearbeitung - beispielsweise durch Beizen von Eisen und Stahl, durch das galvanische Beschichten mit Zink für den Korrosionsschutz, mit Edelmetall für dekorative Zwecke oder Kupfer im Bereich der Elektrotechnik - entstehen mehr oder weniger große Mengen an metallhaltigem Abwasser. Für die Aufarbeitung dieses Abwassers waren und sind die Anlagen der aqua plus unerlässlich. Mitte des Jahres 2023 übergab Walter Baur sein Unternehmen der MacDermid Envio Solutions (MES), um seinen Ruhestand zu genießen, was ihm leider nur kurze Zeit vergönnt war.

Walter Baur war nicht nur ein Unternehmer, sondern auch ein Vorbild, ein Mentor und ein Mensch, der mit seiner Herzlichkeit und seinem unerschütterlichen Optimismus alle um sich herum inspirierte. Unter seiner Führung wurde die aqua plus GmbH zu einem Synonym für Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen – Werte, die er selbst jeden Tag vorlebte. Durch seinen Tod verliert die Branche einen Stein im Gebäude aus Innovation, Verlässlichkeit und Motivation, der vorbildlichen Unternehmensführung und Menschlichkeit.

Die Wegbegleiter von Walter Baur sprechen der Familie des Verstorbenen ihr tiefes Mitgefühl aus.

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