Lage der Oberflächenveredelungsbranche spiegelt Stimmung der Wirtschaft in Deutschland wider

Verbände 08. 02. 2026
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Der Verband für die Oberflächenveredelung von Aluminium e. V. (VOA) veröffentlicht die aktuellen Ergebnisse seiner regelmäßigen Umfrage zur wirtschaftlichen Lage der VOA-Mitgliedsunternehmen und legt damit eine belastbare Datenbasis vor. Hieraus lassen sich entsprechende Forderungen ableiten, um die Belange der Oberflächenveredelungsbranche gegenüber der Politik zu verdeutlichen. Insgesamt zeigt sich im zweiten Halbjahr 2025, dass die Lage ernst ist.

Die konjunkturelle Wende der deutschen Wirtschaft lässt nach Auffassung aller führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland weiter auf sich warten. Dafür gibt es vielfältige Gründe: seien es die hohen Strom- und Gaspreise im Vergleich zu anderen Ländern, die schwache Auftragslage der deutschen Industrie oder die verhaltene Nachfrage aus dem Ausland im Hinblick auf Exporte. Hinzu kommen rückläufige Investitionen – auch im privaten Bereich –, erhebliche strukturelle Probleme des Wirtschaftsstandorts und geopolitische Unsicherheiten, zu denen auch die Lage an den Rohstoffmärkten gehört. All diese Faktoren wirken sich auch auf die Branche der Oberflächenveredelung als Teil der Wirtschaft in Deutschland im internationalen Umfeld aus.

Die Ergebnisse im Detail

Die Kapazitätsauslastung der VOA-Mitglieds­unternehmen liegt wie im Mai 2025, dem Zeitpunkt der letzten Befragung, ­unverändert bei 77 Prozent. Dies entspricht dem Niveau des ersten Halbjahres 2023. Den Tiefstwert notierte der VOA im November 2024 mit 68 Prozent. Hinsichtlich der Umsatzentwicklung bleiben 41 Prozent der Unternehmen stabil, 32 Prozent verzeichnen Rückgänge und 26 Prozent Zuwächse. Bei Rückgängen liegen diese im Schnitt bei minus neun Prozent, während Zuwächse im Durchschnitt +21 Prozent erreichen. Bei den eingegangenen Aufträgen melden 41 Prozent einen Status quo, 35 Prozent Rückgänge (Durchschnitt ca. -11 %), und 24 Prozent der Unternehmen verzeichnen eine Steigerung der Aufträge, durchschnittlich um +15 Prozent.

Einschätzung der VOA-Mitgliedsunternehmen zu ihrer Entwicklung bis zum Jahresende (Bild: VOA)

Auswirkungen der Energiepreisentwicklung auf die VOA-Mitgliedsunternehmen (Bild: VOA)

 

Als Ursachen für die eingeschränkte Produktion geben 59 Prozent der teilnehmenden Mitgliedsunternehmen die Energiepreisentwicklung an (im Mai 2025: 58 %). Krankenstände steigen auf 44 Prozent (im Mai 2025: 36 %), während der Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel mit 32 Prozent leicht zurückgeht (im Mai 2025: 42 %). Die Reihenfolge ändert sich damit zwar geringfügig, die Hauptursachen bleiben aber konstant präsent: hohe Energiepreise und der Fachkräftemangel haben einen zentralen Einfluss auf die Produktion. Besonders die Energiepreisbelastungen sehen die Mitgliedsunternehmen kritisch. Strom- und Gaspreise werden von 97 Prozent beziehungsweise 88 Prozent der Unternehmen (Mehrfachnennungen möglich) als äußerst relevant beschrieben. 56 Prozent der Mitgliedsunternehmen schätzen die derzeitige Belastung als erheblich ein (-17 % seit Mai 2025), sechs Prozent als existenzbedrohend, wohingegen 38 Prozent die Situation als mittelmäßig (-17 % seit Mai 2025) bewerten.

Die Kurzarbeit erlebt im Jahr 2025 ein Comeback. In der Industrie sorgen Lieferengpässe, hohe Energiepreise und schwache Exportmärkte für eine geringere Auslastung. So sieht sich das Bau- und Handwerksgewerbe, das durch die Verbindungen im Architekturbereich eng mit der Oberflächenveredelungsindustrie verknüpft ist, durch höhere Zinsen und gestiegene Materialkosten mit Projektstopps konfrontiert. Auch bei den Mitgliedsunternehmen, die an der aktuellen VOA-Umfrage teilnahmen, bestätigt sich dieser Trend, denn die Kurzarbeit nahm seit Mai 2025 um 15 Prozent zu. Aktuell machen 21 Prozent der teilnehmenden Mitgliedsunternehmen von dem Instrument Gebrauch. Im Mai 2025 waren es lediglich sechs Prozent, im November 2024 zwölf Prozent. Aufgrund der anhaltend schlechten Lage gab es leider auch betriebsbedingte Kündigungen – bereits zum dritten Mal in Folge: 21 Prozent der Unternehmen trennten sich von Mitarbeitern (im Mai 2025: 18 %, im November 2024: 12 %).

Im Ausbildungsbereich zeigen sich gemischte Entwicklungen. 47 Prozent der befragten Unternehmen bilden in diesem Jahr aus, eine Steigerung von acht Prozent gegenüber Mai 2025. Zugleich sinkt die Ausbildungsbereitschaft für das kommende Ausbildungsjahr auf 38 Prozent (im Mai 2025: 48 %), bleibt aber verglichen mit 2021 (29 %) weiter hoch. Kaufmännische und technische ­Berufe im Bereich der Oberflächenveredelung stehen dabei im Vordergrund. Diese Entwicklung steht vermutlich im Zusammenhang mit der weiterhin herausfordernden, ­wirtschaftlichen Situation. Auch andere Faktoren – etwa die demografische Entwicklung und der dadurch entstehende Mangel an Auszubildenden, der Spagat zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Wünschen geeigneter Auszubildender oder das aktuelle Ausbildungssystem – könnten hierbei eine Rolle spielen. Dennoch sehen die Unternehmen der Oberflächenveredelungsindustrie die Notwendigkeit, Nachwuchskräfte auszubilden und kümmern sich darum, Auszubildende für unterschiedliche Berufszweige zu bekommen.

Die deutsche Wirtschaft sieht sich auch weiterhin mit schwierigen Aufgaben für das Jahr 2026 konfrontiert. Insgesamt schätzen in der Oberflächenveredelungsbranche im zweiten Halbjahr 2025 jeweils 32 Prozent der teilnehmenden VOA-Mitglieder die Entwicklung ihres Unternehmens als positiv oder mittelmäßig ein, 29 Prozent als negativ, und jeweils drei Prozent als sehr negativ beziehungsweise sehr positiv. Verglichen mit den Ergebnissen aus dem ersten Halbjahr 2025 (58 % mittelmäßig, 15 % negativ, 3 % sehr negativ, 15 % positiv, 9 % sehr positiv) – entwickelt sich die Stimmung der Oberflächenveredelungsbranche mehrheitlich leicht zum Besseren.

Um die Standortbedingungen zu verbessern, benötigt Deutschland strukturelle Veränderungen, die langfristig das Wachstumspotenzial erhöhen, wozu bezahlbare Energiekosten ebenso gehören wie ein immenser Bürokra­tieabbau und die Beseitigung des Reform­staus in der Sozialpolitik. Der VOA setzt sich seit über 60 Jahren proaktiv für die Belange der Branche ein und kommuniziert die Sicht der Industrie sowohl in Berlin als auch auf europäischer Ebene. Dabei arbeitet der Verband eng mit Dachverbänden wie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e. V. (BDA), dem Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) und der European Association for Surface Treatment on Aluminium (ESTAL) zusammen, um die Interessen der Oberflächenveredelungsbranche auf allen Ebenen im Sinne der Mitglieder zu vertreten. Dies selbstverständlich auch im kommenden Jahr 2026.

VOA-Geschäftsführerin Dr. Alexa A. Becker auf dem ESTAL-Kongress in Thessaloniki (Bild: ESTAL)

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