Richtungweisende Schleiftechnologien auf der GrindingHub

Werkstoffe 08. 02. 2026
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Global wettbewerbsfähig mit Automation, KI und Hightech-Verfahren

Vollautomatisiert, datengetrieben, präzise: Künstliche Intelligenz, Sensorik und smarte Produktionssteuerung machen aus Schleifmaschinen heute intelligente Fertigungspartner. So entstehen produktive, flexible und selbstoptimierende Systeme. Auf der GrindingHub 2026 ist vom 5. bis zum 8. Mai in Stuttgart das Who‘s who der Branche vereint, um sich mit den Fachbesucherinnen und -besuchern im direkten Dialog auszutauschen sowie richtungweisende Hightech-Lösungen zu präsentieren. Von der mannlosen Fertigung im Closed Loop, Streamfinishen und die automatisierte Kompensation über das Schleifen für humanoide Roboterkomponenten bis hin zu Sensorik und KI für stabile Präzisionsprozesse gibt es zahlreiche Highlights zu erleben.

Den Schleifstandard neu definieren

Mit der intelligenten Automation 4.0 haben wir den Wandel schon längst eingeläutet, berichtet Marie-Sophie Maier, Geschäftsführerin der Adelbert Haas GmbH in Trossingen. Die intelligente vollautomatisierte Komplettfertigung habe der klassischen Komplettbearbeitung den Rang abgelaufen. Heute zählten enorm hohe Produktivität und Flexibilität sowie null Kompromisse bei der Präzision. Schlüsselfertig schleifen reicht ihr zufolge schon lange nicht mehr. Gefragt sind wir als Partner, der die durchgängige Digitalisierung und Automation beherrscht und dies auf die Straße bringt. Vollautomatisierte Fertigung im Closed Loop sei Standard bei Adelbert Haas. Schleifen, Messen, Schleifen – bis zur Perfektion: 21 Schichten pro Woche, mannlos, effizient.

Und der Customer Care löst nach ­Aussage von Marie-Sophie Maier Probleme, bevor sie entstehen. KI-Agenten analysieren Maschi­nendaten in Echtzeit, erkennen ­Anomalien und starten Maßnahmen, bevor ein Stillstand droht: automatische Ticketerstellung, Priorisierung kritischer Alarme, Logfiles auf Knopfdruck. Regelbasierte Programmierung war gestern. Heute lernen wir aus Daten und handeln proaktiv, sagt Marie-Sophie Maier. Damit werde Kundenservice zur Haltung und zum echten Wettbewerbsvorteil. Die GrindingHub 2026 in Stuttgart biete die ideale Plattform, um diese Entwicklungen zu diskutieren: Wie Schleiftechnologien von Automation und KI profitieren und wie Lösungen aus dem Hause Adelbert Haas die Zukunft der Fertigung prägen werden.

Schritt für Schritt direkt alles richtig

Wir widmen uns auf der GrindingHub neben der Vorstellung von neuen Produkten für das Streamfinishen sowie zur Herstellung von Wendeschneidplatten und Mikrowerkzeugen schwerpunktmäßig der Automation und Produktionssteuerung, verrät Martin Winterstein, Geschäftsführer der Anca Europe GmbH in Weinheim. Ziel sei es, den Anwendern durch hohe Qualität, niedrige Fertigungskosten und kreative Lösungen dazu zu verhelfen, unter den ihnen gegebenen Bedingungen wettbewerbsfähig zu fertigen. Als Beispiel dafür präsentiert Anca mit Hauptsitz in ­Melbourne (Australien) ein serverbasiertes System zur digitalen Produktionssteuerung, inklusive App-basierter Werkerführung sowie automatisierter Messung und Kompensation. Vergleichbar mit einem Verkehrslotsen für die Werkzeugproduktion sagt das System jeder Palette und jeder Maschine für jeden Auftrag, was als Nächstes zu tun ist und gibt dem Bedienpersonal Schritt-für-Schritt-Anweisungen, damit alles gleich beim ersten Mal richtig ausgeführt wird. Es setzt auf bestehenden Anca-und Zoller-Maschinen auf, sodass die Bediener weiterhin die ihnen vertraute Hardware benutzen können – jedoch wird der gesamte Arbeitsablauf organisiert, digitalisiert und lückenlos nachvollziehbar.

Für Bediener bestehe die größte Veränderung darin, dass die notwendigen Arbeitsschritte klar und eindeutig beschrieben sind. Digitale Arbeitsanweisungen auf einem PC oder tragbaren Endgerät zeigen, welche Palette geladen werden soll, welches Programm auf der Schleifmaschine bereits vorbereitet ist, wann gemessen werden muss und wie auf die Messergebnisse zu reagieren ist. Damit entfällt das zeitaufwändige Suchen nach Dateien, der Großteil manueller Dateneingaben wird vermieden und Kompensation sowie Qualitätsprüfungen werden deutlich einfacher und sicherer.

Ein geschlossener Messkreislauf und automatische Kompensation stellen sicher, dass Chargen innerhalb der Toleranz bleiben, ohne dass der Bediener Offsets berechnen oder im Kopf behalten muss. Gleichzeitig werden alle Daten zentral gespeichert, sodass jeder Schritt rückverfolgbar ist. Das Ergebnis: Eine Fachkraft kann eigenständig eine größere Anzahl an Maschinen betreuen als bisher, neue Mitarbeiter werden schneller eingearbeitet, Ausschuss wird reduziert, die gesamte Schicht läuft ruhiger und vorhersehbarer.

Hochpräzises Schleifen für die ­Zukunft humanoider Roboter

Übertragungselemente in der humanoiden Robotik sind mechanische Komponenten, die Bewegungen und Kräfte von einem Antrieb zu einem Gelenk oder anderen beweglichen Teilen übertragen. Sie sind entscheidend für die Effizienz, Präzision und Dynamik der Bewegungen. In komplexen Robotersystemen werden lineare und rotatorische Antriebe kombiniert, beispielsweise rotatorische Antriebe in Hüften und Schultern sowie ­lineare Antriebe in Fingern, Armen und Beinen. Für die Herstellung dieser Komponenten sind Schleifverfahren erforderlich, die notwendige Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität gewährleisten, um Präzision zu erfüllen und Geräuschemissionen so gering wie möglich zu halten.

Unsere Schleifmaschinen garantieren hohe Maß- und Formgenauigkeit, Prozesssicherheit und Flexibilität bei hoher Ausbringmenge. Dank unserer langjährigen Erfahrung im Gewindeschleifen sind wir in der Lage, maßgeschneiderte Schleiflösungen für alle Gewindearten anzubieten, schildert Jan Schmid, Bereichsleiter Engineering & Projektierung bei der Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH in Nordrach. Unser Know-how garantiert höchste Präzision und Qualität – selbst bei komplexen Anforderungen.

Zur Bearbeitung der Schlüsselkomponenten für humanoide Roboter – wie Gelenke und Antriebe – bieten die Schwarzwälder spezia­lisierte Schleiflösungen mit keramisch und galvanisch gebundenen CBN-Schleifscheiben und Schleifstiften: Beim Innengewindeschleifen werden Gewinde direkt aus dem Vollen geschliffen. Dabei können Spitz- und Kugelgewinde sowie Sonderprofile ­präzise gefertigt werden. Selbst kleinste Innengewindedurchmesser kleiner als zehn Millimeter lassen sich zuverlässig bearbeiten. Darüber hinaus ist die Bearbeitung von Muttern mit einem ungünstigen Durchmesser-/Längenverhältnis problemlos möglich.

Beim Schleifen von Gewindespindeln lassen sich nach Aussage von Schmid dank des flexiblen Maschinenkonzepts auch Gewinde mit hohen Steigungswinkeln realisieren. Neben Spitz- und Kugelgewinden fertigt die Erwin Junker Maschinenfabrik individuelle Sonderprofile, die exakt auf Kundenanforderungen abgestimmt sind. Für maximale Flexibilität bietet das Unternehmen Lösungen für Einzahnbearbeitung sowie Mehrzahnbearbeitung für eine besonders hohe Ausbringung.

Beim Schleifen von Gewinderollen erfolge die Komplettbearbeitung in einem präzisen effizienten Prozess. Dabei werden die Außengeometrie, das Gewinde und die Laufverzahnung in einer Aufspannung gefertigt, so Jan Schmid.

Smart Grinding: Sensorik und KI für stabile Präzisionsprozesse

Die aktuellen Entwicklungen im Präzisionsschleifen zeigen einen klaren Trend hin zu durchgängigen, geschlossenen Regelkreisen auf Maschinen- und Prozessebene, sagt Prof. Bahman Azarhoushang, Leiter des KSF-Instituts von der Hochschule Furtwangen. Moderne Werkzeugmaschinen verbinden ihm zufolge klassische NC- und Bahnsteuerungen mit sensorischer Echtzeitüberwachung, integrierter In-Situ-Messtechnik und zuneh­mend auch mit zusätzlichen ­Messzellen direkt neben der Maschine, beispielsweise mit Koordinatenmesssystemen. Ziel sei eine deutliche Steigerung der Prozesseffizienz und Produktivität, ohne Kompromisse bei Form- und Maßgenauigkeit oder Oberflächenqualität eingehen zu müssen.

Integrierte Sensorpakete erzeugen kontinuierlich Prozessdaten. Beispiele hierfür sind etwa Kraft- und Schwingungssensorik sowie die in der Antriebstechnik verbauten Sensoren zur Überwachung von Strom und Spannung beispielsweise der Spindel. Diese Daten dienen KI-Modellen zur ­Verschleißprognose der Schleifscheibe oder auch zum Erkennen instabiler Prozesszustände (Anomalieerkennung). Darüber hinaus lässt sich damit die Bauteilqualität zur automatischen Optimierung der Schnittparameter vorhersagen, beispielsweise von Vorschub, Schnittgeschwindigkeit oder Zustellung. Diese Daten bilden gleichzeitig eine zentrale Prozessdatenbank, in der prozessrelevantes Know-how gespeichert und kontinuierlich angereichert wird. Unternehmen erhalten dadurch die Möglichkeit, trotz des Fachkräftemangels ein internes Prozesswissen langfristig aufzubauen und verfügbar zu halten – unabhängig von der individuellen Erfahrung von einzelnen Mitarbeitenden.

Moderne intelligente Schleifmaschinen integrieren hierfür besonders dynamische Antriebe, hochauflösende Messketten und adaptive Regelalgorithmen, die den Schleifprozess permanent analysieren und autonom optimieren, erläutert der Leiter des KSF-Instituts (Institute for Advanced Manufacturing) am Innovations- und Forschungs-Centrum IFC in Tuttlingen. Intelligente Schleiftechnologien markieren aus seiner Sicht einen entscheidenden Schritt hin zu robusten selbst­optimierenden Fertigungssystemen. Die Kombination aus Sensorik, integrierter Mess­technik und KI-gestützter Prozessregelung befähige zu einer nachhaltigeren, wirtschaftlicheren und gleichzeitig qualitätsstabileren Präzisionsbearbeitung. Die zentrale Herausforderung liege dabei in der vollständigen Integration dieser Technologien in bestehende Produktionsumgebungen, sowohl technisch als auch organisatorisch. Mit Blick auf die GrindingHub wird deutlich: Die ­zukünftige Wettbewerbsfähigkeit industrieller Fertigungsstandorte hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent Schleifprozesse digitalisiert, automatisiert und in geschlossenen Regelkreisen betrieben werden, sagt Prof. Azarhoushang. Intelligente Werkzeugmaschinen und Künstliche Intelligenz würden dabei eine Schlüsselrolle übernehmen.

Schleifen neu gedacht

Sowohl Anbieter als auch Anwender sind gefordert wie noch nie und auch das Präzisionsschleifen befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Automation, durchgängige Digitalisierung und KI-gestützte Regelkreise machen aus klassischen ­Schleifprozessen hochproduktive, selbstoptimierende Fertigungssysteme. Vollautomatisierte Closed-Loop-Prozesse sichern Qualität, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit selbst bei besonders hohen Anforderungen. Sensorik, intelligente Produktionssteuerung und datenbasierter Service verlagern den Fokus von Reaktion auf Prävention. Die GrindingHub 2026 wird in Stuttgart in einmaliger Art verdeutlichen, wie diese Technologien die Wettbewerbsfähigkeit industrieller Fertigung nachhaltig prägen.
Dag Heidecker

Text zum Titelbild: Das serverbasierte System zur digitalen Produktionssteuerung liefert unter anderem Schritt-für-Schritt-Anweisungen für das Bedienpersonal (Bild: Anca)

Intelligente Werkzeugmaschinen und künstliche Intelligenz werden bezüglich der künftigen Wettbewerbsfähigkeit eine Schlüsselrolle übernehmen (Bild: KSF)

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