Biologisierung der Technik – zweite Statuskonferenz 2025 in Bremen

Werkstoffe 07. 12. 2025
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Aktuelle Forschungsergebnisse, Unternehmerforum und Doktorandenseminar

Vom 22. bis 23. Oktober 2025 fand im ECOMAT Bremen die zweite Statuskonferenz der BMFTR-Fördermaßnahme Biologisierung der Technik: Bioinspirierte Material- und Werkstoffforschung statt. Rund 186 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Förderinstitutionen diskutierten aktuelle Forschungsergebnisse, Anwendungsperspektiven und Transferstrategien von bioinspirierten Technologien. Veranstalter waren die Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e. V. (DGO), die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e. V. (DGM) und die Forschungsgemeinschaft Bionik-Kompetenznetz e. V. (BIOKON) – allesamt Partner im assoziierten Wissens- und Transferprojekt BioTrans.

Zur Eröffnung betonten Dr. Rainer Erb (BIOKON), Dr. Claudio Dalle Donne (Airbus Operations GmbH) und Dr. Rosita Cottone (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) den hohen Innovationswert biologisch inspirierter Ansätze und die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit für nachhaltige technologische Entwicklungen.

Geförderte Forschungsprojekte stellen aktuelle Ergebnisse vor  

Der erste Konferenztag stand im Zeichen der zwölf geförderten Forschungsprojekte. In Vorträgen, Diskussionsrunden und zwei Postersessions wurden neueste Erkenntnisse zur Entwicklung und Anwendung von bioinspirierten Materialien vorgestellt – von biofunktionalen Oberflächen über selbstheilende Werkstoffe bis hin zu bionischen Fertigungsverfahren. Deutlich wurde: Biologisierung der Technik ist Teamarbeit – sie kombiniert die Erkenntnis der Wirkweisen der Natur mit Ingenieurskunst, getragen von dem Anspruch, innovative und nachhaltige Wertschöpfung zu vereinen.

Im ersten Vortragsblock lag der Fokus auf medizintechnischen Anwendungen, in ­denen bioinspirierte Materialien zunehmend Eingang in patientennahe Produkte finden. In einer anschließenden Fishbowl-Diskussion wurden Wege erörtert, wie Innovationen unter den Anforderungen der Medical Device Regulation (MDR) sicher in die klinische Praxis überführt werden können. Neben regulatorischen Fragen rückten auch Chancen der Digitalisierung für Standardisierung und Vertrauensbildung in den Mittelpunkt.

Der zweite Vortragsblock widmete sich industriellen Anwendungen – von Oberflächen­innovationen für verschiedene Branchen über Filtersysteme bis hin zur Automatisierungstechnik. In der folgenden Diskussion standen Technologietransfer, wirtschaftliche Verwertung sowie Innovationsmanagement im Fokus. Diskutiert wurde, wie akademische Forschung und industrielle Praxis besser verzahnt werden können, um bioinspirierte Lösungen effizient in marktfähige Produkte zu überführen.

Unternehmerforum, Doktorandenseminar und exklusive Führung

Der zweite Konferenztag begann mit einem Impulsvortrag von Dr. Klaus Rischka vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM, Bremen, über Kleben in der Natur. Er zeigte, wie biologische Haftmechanismen – etwa von Muscheln oder Insekten – technische Verbindungstechnologien revolutionieren können. Anschließend boten zwei parallele Formate gezielte Einblicke in Praxis und Karriere: Das Unternehmensforum beleuchtete Erfolgsfaktoren für den Transfer bioinspirierter Forschung und zeigte das Marktpotential der Biologisierung der Technik mit Beiträgen von Dr. Rudolf Bannasch (EvoLogics GmbH), Bastian Schäfer (Airbus Operations GmbH) und Dr. Tim Kunze (Fusion Bionic GmbH). 

Im Doktorandenseminar diskutierten Nachwuchskräfte aus Wissenschaft und Industrie über die Vielfalt an Karriereoptionen, über die Bedeutung von Netzwerken und Mentoren sowie praktische Erfahrungen und die Rolle intrinsischer Motivation im persönlichen Entscheidungs- und Entwicklungsprozess.

Zum Abschluss öffneten Airbus und das ECOMAT Bremen ihre Türen für exklusive Führungen. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in Forschungseinrichtungen und Produktionsbereiche, in denen Hightech und Biologisierung bereits heute Hand in Hand gehen.

Die Statuskonferenz 2025 zeigte eindrucksvoll, wie stark der Ansatz der Biologisierung der Technik an Bedeutung gewinnt. Er verbindet Grundlagenforschung, industrielle Umsetzung und gesellschaftliche Innovation – mit dem Ziel, nachhaltige, funktionale und zukunftsfähige Technologien nach dem Vorbild der Natur zu entwickeln.  Im Anschluss folgte im ECOMAT der 11. Bionik-Kongress Patente aus der Natur, auf dem viele Impulse der Statuskonferenz weitergeführt wurden. 

Im Rahmen der Abendveranstaltung wurden die Gewinner des Bionik Award 2025 geehrt. Der Nachwuchspreis der Forschungsgemeinschaft Bionik-Kompetenznetz e. V. fördert Studierende, Auszubildende und junge Berufstätige, die sich mit konkreten technischen Herausforderungen auseinandersetzen und kreative, besonders mit Blick auf Realisierbarkeit und Nutzen überzeugende Ideen zur Bionik und Biologisierung der Technik entwickeln. Der diesjährige Bionik Award ging an die Bionik-Studierenden der ­Hochschule Bremen Philipp Reh, Oskar Glenz, Ina ­Hainer und Timon Vorwig für die Entwicklung ­eines bionisch optimierten Filter-Prototyps für Durchfluss-Aquakulturen, inspiriert von der filtrierenden Nahrungsaufnahme des Grönlandwals. Die Jury lobte das Projekt als herausragendes Beispiel für praxisnahe Bionik: ein klar formuliertes Konzept, ein überzeugender Demonstrator und eine realistische Perspektive auf technische und wirtschaftliche Umsetzung.

Alles in allem erlebten die Teilnehmenden die vier Tage in Bremen ganz im Sinne einer biologisch inspirierten technologischen Zukunft. 

Text zum Titelbild: Zahlreiche Teilnehmende bei der zweiten Statuskonferenz in Bremen (Bild: DGO e.V.)

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