Stuttgarter Oberflächentechnik-Preis 2022

Oberflächen 07. 08. 2022
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Am 21. Juni ist der Stuttgarter Oberflächentechnik-Preis DIE OBERFLÄCHE im Rahmen der Fachmesse SurfaceTechnology GERMANY 2022 verliehen worden. Prämiert wurden innovative Anwendungen und Technologien innerhalb aller Disziplinen der Oberflächentechnik

Die Oberflächentechnik spielt häufig eine entscheidende Rolle bei der Transformation hin zur Wasserstoffwirtschaft. Sie ist auch oft maßgeblich am Innovationsgrad und Fortschritt von zahlreichen Branchen beteiligt, ohne dass dies einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird. Der Stuttgarter Oberflächentechnik-Preis DIE OBERFLÄCHE habe deshalb das Ziel, diese allgegenwärtige und dennoch oft übersehene Querschnitts- und Schritt­machertechnologie zu würdigen und neuartige Anwendungen aus diesem Bereich voranzutreiben, beschreibt Dr.-Ing. Martin Metzner die Motivation für die Einführung des Preises 2012. Metzner leitet die Abteilung Galvanotechnik am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart und ist bis heute Mitglied der interdisziplinären Jury, welche die Auszeichnung alle zwei Jahre vergibt.

Oversprayfreie ­Lackapplikation mit EcoPaintJet Pro

Mit der Erfindung der Spritzpistole vor mehr als 100 Jahren konnte die Effizienz beim Lackieren deutlich gesteigert werden. Ihr größter Nachteil ist jedoch der sogenannte Overspray, ein Lacknebel, welcher nicht auf das ­Lackierobjekt abgeschieden wird. Ein Jahrhundert lang haben sich Ingenieure und Techniker immer wieder daran versucht, diesen Overspray zu beseitigen. Mit dem Verfahren EcoPaintJet Pro ist das der DÜRR Systems AG aus Bietigheim-Bissingen nun gelungen. Das Unternehmen habe mit großem Durchhaltevermögen und gemeinsam mit Partnern aus der Lack- und Automobilbranche die Idee der komplett oversprayfreien Nasslackierung zur Umsetzung gebracht und damit möglicherweise eine disruptive Inno­vation geschaffen, wie Juror Michael Hilt, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e. V., die Verleihung von Platz 1 des Preises DIE OBERFLÄCHE begründet.

Vermeidet Overspray: EcoPaintJet Pro der DÜRR Systems AG (Bild: DÜRR Systems AG)

 

Bisher ist die Lackiererei einer der größten Energieverbraucher in der Automobilfertigung. Der hohe Verbrauch geht dabei maßgeblich auf die Lacktrocknung und den Overspray zurück. Wenn aber kein Lacknebel mehr entsteht, führt das auf die gesamte ­Lackierlinie bezogen zu einer Energieeinsparung von rund 30 Prozent. Zudem ist es mit EcoPaintJet Pro erstmals möglich, kundenindividuelle Produktgestaltung und automatisierte Fertigung effizient und umweltschonend miteinander zu verbinden.

In Zeiten, in denen mehr denn je auf Energieverbrauch und CO2-Emission geachtet wird, bietet EcoPaintJet Pro nach den Worten von Hilt deutlich mehr Potenzial als Kontrastfarben oder optische Elemente auf Automobilkarosserien – nämlich den Einstieg in eine abluftarme und damit energetisch optimierte Lackiererei. Das Verfahren EcoPaintJet Pro der DÜRR Systems AG ist damit der würdige Sieger der OBERFLÄCHE 2022, betont Hilt in seiner Laudatio.

Automatisches Finish

Durch den Einschluss von Partikeln entstehen bei der Lackierung immer wieder sichtbare Defekte. Die betroffenen Stellen müssen bisher in einem energie- und arbeitsintensiven Prozess von Hand nachgebessert werden – je nach Geschick und Tagesform des Personals mit unterschiedlichen Ergebnissen. Nun hat die ASIS GmbH aus Landshut mit dem automatischen Finish eine präzise und wiederholgenaue Lösung für die Inspektion und Beseitigung von Defekten entwickelt. Industrieroboter bewerten dabei jede ­Fehlstelle individuell und bearbeiten sie exakt so, wie es erforderlich ist. Dieser vollautomatisierte Nachbearbeitungsprozess spart Zeit und ­Material und gewährleistet eine gleichbleibende Qualität.

Das automatische Finish der ASIS GmbH beseitigt Defekte (Bild: ASIS GmbH)

 

Das System habe durch seinen Einsatz bei einem Original Equipment Manufacturer seine Industriereife unter Beweis gestellt und solle nun in weitere Branchen ausgerollt werden, erklärte Dipl.-Ing. Katja Feige vom Fraunhofer IPA, die in diesem Jahr Juror Martin Metzner bei der Preisverleihung vertreten hat. Wir freuen uns, die ASIS GmbH für diese Entwicklung mit der OBERFLÄCHE 2022 in Silber auszeichnen zu können, so Feige.

Molecular Plasma

Die Molecular Plasma Group S. A. aus dem luxemburgischen Fötz hat eine Technologie entwickelt, die eine Oberflächenfunktionalisierung durch die kovalente Bindung organischer Stoffe mittels eines kalten atmosphärischen Plasmas auf jeglichen Substraten ermöglicht. Die durch den einstufigen, trocke­nen und lösungsmittelfreien Prozess entstehende Nanobeschichtung verleiht der Oberfläche eine klar definierte und dauerhafte Funktion – angefangen bei der Haftungsverbesserung inerter Materialien, über bioaktive Oberflächen bis hin zu hydrophoben, hydrophilen oder auch Antihaft-Eigenschaften.

Wie Juror Dr. Martin Riester, Referent der Fachabteilung Oberflächentechnik im VDMA, betonte, erweitert diese innovative Anwendung der Plasma-Oberflächentechnik die Möglichkeiten der Oberflächenfunktionalisierung deutlich. Diese Innovationskraft gepaart mit den über viele Zielbranchen breitgefächerten Anwendungsmöglichkeiten war für die Jury ausschlaggebend, das Unternehmen mit dem Preis DIE OBERFLÄCHE 2022 in Bronze auszuzeichnen.

Zwei weitere Unternehmen nominiert

Nominiert für den Stuttgarter Oberflächentechnikpreis waren auch die BMF GmbH aus Chemnitz und die Dörken Coatings GmbH & Co. KG aus Herdecke. BMF hat einen automatischen Strahlprozess geschaffen, der reproduzierbare, homogene und vordefinierbare Oberflächen hervorbringt. Nacharbeit und Ausschuss werden dadurch vermieden. Dörken hat in Zusammenarbeit mit dem Gerätehersteller Walther Spritz- und Lackiersysteme GmbH eine Automatikspritzpistole entwickelt, die in Verbindung mit einem Roboter Bauteile nahezu ohne Sprühnebel partiell beschichten kann. Kostspielige und zeitaufwendige Maskierungen sind dafür nicht mehr nötig.

Text zum Titelbild: Die Preisträger (vordere Reihe, v.l.n.r.): Alexander Schmunk, ASIS GmbH (Platz 2), Peter Haller, DÜRR Systems AG (Platz 1) und Kevin Braun von der Molecular Plasma Group S. A. (Platz 3) sowie (hintere Reihe, v.l.n.r.): Michael Hilt, Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e. V., Martin Riester, VDMA Fachverband Oberflächentechnik, und Katja Feige, Fraunhofer IPA (Bild: IPA)

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