Aluminiumindustrie: Ausblick bleibt verhalten optimistisch

Werkstoffe 07. 03. 2022
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Jahresergebnis 2021 besser als erwartet, Risiken nehmen zu

Die deutsche Aluminiumindustrie blickt trotz eines äußerst herausfordernden Umfelds auf ein starkes Jahr 2021 zurück. Produktion und Auftragseingang am Standort Deutschland haben gegenüber dem Jahr 2020 zugelegt. Dies unterstreicht die Lösungskompetenz und den zunehmenden Stellenwert, den der Werkstoff Aluminium bei der Transformation unserer Industrie und Gesellschaft bereits heute einnimmt. Allerdings nahmen die Risiken im Jahresverlauf deutlich zu und werden die Unternehmen auch 2022 weiter unter Druck setzen.

Attraktiver Werkstoff, ­wettbewerbsfähige Unternehmen

Die deutschen Betriebe der Aluminiumindus­trie haben im Jahr 2021 insgesamt mehr produziert als im Jahr zuvor. Vor allem der Halbzeugsektor legte im vergangenen Jahr deutlich zu. Mit rund zwei Millionen Tonnen liefen knapp zehn Prozent mehr Walzprodukte von den Bändern als 2020. Die Strangpresswerke in Deutschland erreichten mit einem Output von knapp 610 000 Tonnen und einem Zuwachs von stattlichen 20 Prozent fast das Allzeithoch aus dem Jahr 2007. Die Rohaluminiumproduktion war mit rund einer Million Tonnen stabil. Jedoch haben insbesondere die drastisch angestiegenen Energiepreise zu deutlichen Rückgängen bei der Produktion im vierten Quartal 2021 geführt (-16 Prozent). Der Umsatz der Betriebe erholte sich nach dem Krisenjahr 2020 deutlich (+23 Prozent) und erreichte mit einem Wert von 21,7 Milliarden Euro beinahe wieder das Niveau aus dem Jahr 2018. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Aluminiumnotierungen an der London Metal Exchange (LME) im Jahresverlauf kräftige Kursanstiege verzeichnet haben.

Wie Dr. Hinrich Mählmann, persönlich haftender Gesellschafter der Otto Fuchs KG und Präsident von Aluminium Deutschland sagte, ist die deutsche Aluminiumindustrie in einem schwierigen Marktumfeld erneut gewachsen. Das unterstreicht zum einen die Attraktivität des Werkstoffs in den Augen unserer Kunden, gerade auf dem Weg hin zu einer klimaneutralen Industrie. Leichtbaukompetenz und sehr hohe Recyclingfähigkeit vereinten sich bei Aluminium. Außerdem zeige sich, dass die deutschen Werke in einem hartumkämpften Wettbewerb sehr leistungsfähig sind.

Standort Deutschland im ­anhaltenden Gegenwind

Auch wenn sich die deutsche Aluminiumindustrie im zweiten Pandemiejahr 2021 vergleichsweise gut geschlagen hat, ist das Fahrwasser zuletzt deutlich unruhiger geworden. Durch den jüngsten, drastischen Anstieg der Strompreise steht die energieintensive Branche zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Auch der anhaltende Chipmangel und volatile Abrufzahlen vonseiten der Kunden stellen die überwiegend mittelständischen Unternehmen teils an den Rand ihrer Existenz. Zudem bescheren die kürzlich ausgesetzten Anti-Dumping-Zölle auf spezielle flachgewalzte Produkte aus China den hiesigen Produzenten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil.

Dr. Mählmann dazu: Die pandemie- und marktbedingten Unwägbarkeiten haben wir mit erheblichen Anstrengungen meistern können. Sorge bereite vor allem die politische Einflussnahme auf die Industrie in Deutschland und Europa. Die jüngste Energiepreisexplosion, die nicht überraschend gekommen sei, setze die Unternehmen massiv unter Druck. An dieser Stelle müsse sich die Politik die Frage stellen, ob sich die deutsche Volkswirtschaft bei einem zunehmend relevanten Werkstoff wie Aluminium noch stärker von Importen teils unzuverlässiger Handelspartner abhängig machen will. Die Versorgungsunsicherheit bei kritischen Legierungsmetallen hat Dr. Mählmann zufolge darüber hinaus zu großer Verunsicherung in der gesamten Lieferkette geführt. Wir stehen zu den Klimaschutzzielen in Deutschland und Europa. Allerdings: Wir können nicht aus eigener Kraft die Energieerzeugung in Deutschland dekarbonisieren. Ohne den raschen und entschlossenen Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland, ohne politische Flankierung der gesamten Industrie, werde Dekarbonisierung auf Deindustrialisierung hinauslaufen. Das sei sicher nicht das politische Ziel. Zudem sei dem Klima nicht geholfen, wenn die Produktion in Länder mit deutlich geringeren Sozial- und Umweltstandards abwandere. Wir haben großes Vertrauen in die neue Bundesregierung, das ehrgeizige Projekt ganzheitlich und im Schulterschluss mit der Industrie umzusetzen, so Dr. Mählmann.

 

Ausblick 2022: Robust, mit Herausforderungen

Die Aluminiumindustrie blickt mit Optimismus in das Jahr 2022. Nach den Worten von Marius Baader, Geschäftsführer von Alumi­nium Deutschland, sind die ­Unwägbarkeiten nicht verschwunden, aber wir lernen, besser damit umzugehen. Die gut gefüllten Auftragsbücher bei unseren Kunden aus der Industrie stimmen uns recht positiv für 2022. Sollten sich Versorgungsengpässe und Chipmangel im Laufe des Jahres auflösen, dürfte sich die aufgestaute Nachfrage materialisieren und einen Wachstumsschub mit sich bringen. Die deutsche Aluminiumindustrie habe eine klare Strategie und bleibe wichtiger Entwicklungspartner ihrer Kundenbranchen in Europa und in Deutschland. Aluminium sei der Enabler für fit for 55, darauf sind wir stolz, so Baader.

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