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Verbände 06. 06. 2021
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ZVO onlineDialog zum ­Thema Brandschutz

Die seit Januar betriebene digitale Kommunikationsplattform ZVO onlineDialog – exklusiv für ZVO-Mitglieder – hatte am 15. April 2021 Brandschutz als Thema. 43 Teilnehmer folgten bis zum Schluss aufmerksam dem virtuellen Angebot.

Zwei Vorträge standen auf der Agenda der Veranstaltung. Dieter Lenzenhuber, Gebietsverkaufsleiter Bayern bei MacDermid Enthone, langjähriger externer Fachdozent an der bayrischen Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried, referierte zu einem Erfahrungsbericht aus Bränden in deutschen Galvanobetrieben und gab damit ein interessantes Update zum vorbeugenden Brandschutz in der Galvano- und Oberflächentechnik. Einführend schilderte Lenzenhuber die üblichen Nachlässigkeiten in der Tagesroutine in Unternehmen und rüttelte die Teilnehmer auf, den vorbeugenden Brandschutz besonders ernstzunehmen und nicht als reine Kostenstelle zu betrachten.

Anhand vieler Schadensfälle dokumentierte Lenzenhuber die Auswirkungen von Bränden in Galvaniken, die in den vergangenen 20 Jahren leider sehr stark zugenommen haben. Vorbeugender Brandschutz in der Galvanotechnik bedeutet im Gegensatz zum bekannten abwehrenden Brandschutz, eine gewinnbringende Investition in die Sicherstellung der Produktion, der Fertigungsqualität und damit der gesamten Unternehmensleitung. Lenzenhuber räumte in seinem Vortrag auch auf mit der vielfach bei Betreibern von Galvaniken feststellbaren Überzeugung, die Feuerwehr werde im Fall der Fälle das Unternehmen schon zu retten wissen. Hauptanliegen der Feuerwehr ist es jedoch, in erster Linie Menschenleben zu retten und erst danach kämen, in priorisierter Reihenfolge, die sogenannten wertvollen Sachgüter an die Reihe. Zusammenfassend sprach der Referent auch die wichtigste Zugangsvoraussetzung zum Thema vorbeugender Brandschutz an, nämlich die Änderung beziehungsweise die Aufmerksamkeit der eigenen Einstellung, des Verhaltens. Diese koste zwar nichts, sei jedoch am schwersten. Denn alle Vorsicht und Prävention beginne im Kopf, bei der inneren Einstellung, etwas zu tun und umzu­setzen; nicht nur beim Unternehmer, vor allem auch bei den verständigen Mitarbeitern in der Tagesroutine.

Der zweite Referent, Florian Nowack, beschäftigt sich seit 2017 beim ZVO-Assekuranzmakler Bücher Barella als technischer Underwriter nicht nur mit der Erfassung der Risiken und deren Platzierung, sondern er ist auch verantwortlich für die Abwicklung von kapitalen Brandschäden. In seinem Vortrag ging er auf Tendenzen im Versicherungsmarkt und speziell in der Oberflächentechnik ein. Versicherer verknappen im laufenden Versicherungsjahr weiter ihre Personalkapa­zitäten und stellen hohe Anforderungen an den Brandschutz. Die 2020 im Vergleich zu den Vorjahren glücklicherweise geringere Anzahl an Großschäden hat eine zusätzliche Verschärfung vermieden.

Für die Versicherungserneuerung 2022 wird sich die Situation, bedingt durch eine große Brandkatastrophe zu Beginn 2021, deutlich verschärfen und eine Versicherbarkeit nur mit einem risikoadäquaten Risk-Management möglich sein. Dazu gehören die ausführliche Darstellung der unternommenen Anstrengungen in Prävention und Verhütung von Brandschäden und die eingeübten Vorkehrungen zum Umgang mit Gefahrensituationen. Da die Personaldecke der Versicherer weiter schrumpft, findet eine qualifizierte Auseinandersetzung mit den Risiken immer seltener statt.

Ohne klares Bekenntnis der Unternehmen beziehungsweise des Unternehmers zum Brandschutz und die Mitwirkung bei den Forderungen der Versicherer wird eine Erneuerung der Verträge problematisch werden. Dabei wachsen die Anforderungen an den Brandschutz stetig. Hier sind insbesondere zu nennen:

  • Organisatorischer Brandschutz:
    Revision der elektrischen Licht- und Kraftanlagen, Isolationsschutzmessung, Thermographie, Ordnung und Sauberkeit, Rauchverbote
  • Baulicher Brandschutz:
    Ausweisung und Verkleinerung gesicherter Brandabschnittsflächen; Ertüchtigung von baulichen Trennungen, insbesondere auch bei Wanddurchbrüchen; im besten Fall der Verzicht auf brennbare Materialien oder die Reduzierung der Brandlast durch ausgewählte Werkstoffe
  • Anlagentechnischer Brandschutz:
    Geeignete Brandmeldeanlage als Standard, automatische Abschaltung der Lüftungsanlage nach Auslösung der Brandmelde­anlage, inklusive Motorbremse auch bei kleineren Anlagen; stationäre Löschanlagen bei großen Flächen, sowohl Oberflur (Decke) als auch Unterflur (z. B. unter Laufstegen)

Nur organisatorisch und technisch gut aufgestellte Betriebe, die den Risikoträgern ein realistisch kalkulierbares Risiko darlegen, sichern ihre langfristige Versicherbarkeit. Aber auch in der Schadensregulierung droht Ungemach durch Verschärfungen, zum Beispiel durch:

  • Nachweise von Prüfpflichten:
    Revisionen, behördliche Prüfungen, einzelvertragliche Vereinbarungen
  • Umsetzung von behördlichen Auflagen:
    intensive Prüfung der Bauakten bis hin zur ursprünglichen Baugenehmigung mit Soll-Ist-Vergleich; alle kausalen Zusammenhänge zum Schadenseintritt und der daraus folgenden Schadenshöhe werden geprüft; Wurden alle erforderlichen Anzeigepflichten erfüllt? Ist der Entfall von Genehmigungen mit Wirkung auf die Regulierung behördlicher Forderungen gegeben?
  • Umsetzung von Technischen Vorschriften:
    VdE 0100 und fortfolgende VdE-Vorschriften, weitere Normen wie CE-Kennzeichnungen, Prüfung der vertraglichen Vereinbarungen, Unterversicherung, Wissenszurechnung

Die Risikoträger, also die Versicherer, suchen im Schadensfall bewusst zunehmend kausale Zusammenhänge, um eine Quotelung der Entschädigung zu erreichen. Nur eine qualifizierte Schadensteuerung und erprobte Bedingungswerke können hier Rechtssicherheit bringen.

Gespräch mit den Grünen/EFA zum Thema REACh

Auf Initiative des ZVO tauschten sich am 11 Mai 2021 Mario Wehner, ZVO-Vorstandsmitglied, und Dr. Malte M. Zimmer, Leiter des ZVO-Ressorts für Umwelt- und Chemika­lienpolitik, per Videokonferenz mit dem Euro­paabgeordneten Bas Eickhout (Grüne/EFA, NL) sowie Axel Singhofen, Fraktionsreferent für den Fachbereich Gesundheit und Umweltfragen, aus. Thema war die europäische Chemikalienverordnung REACh und ihre anstehende Überarbeitung.

Als stellvertretender ­Fraktionsvorsitzender der Grünen im Europäischen Parlament und stellvertretender Vorsitzender des Umwelt­ausschusses ist Bas Eickhout ein wichtiger Ansprechpartner für den ZVO. In der Vergangenheit hatte sich der Abgeordnete mit dem Ziel einer lückenlosen Umsetzung der REACh-Vorgaben kritisch gegenüber einigen REACh-Zulassungen geäußert. Umso wichtiger war es, sich schon rechtzeitig vor dem ­Legislativverfahren zur REACh-Novellierung mit dem Abgeordneten auszutauschen. So konnten bereits frühzeitig Impulse für mehr Umweltschutz bei zugleich praxisnäherer und somit effizienterer Umsetzung gesetzt ­werden.

Im Rahmen des virtuellen Austausches stiegen die Gesprächsteilnehmer nach einer kurzen Vorstellung des Verbands und der Branche ohne Umschweife in eine tiefgründige Betrachtung der Erfolge und Schwachstellen der europäischen Chemikalienregulierung ein. Der ZVO wies auf bestehende Schwächen in der Umsetzung der REACh-Verordnung hin und machte deutlich, dass diese angesichts der hohen Belastungen für den Mittelstand noch effizienter gestaltet und besser mit anderen EU-Vorgaben abgestimmt werden müssten.

So sollten Anwendungen von besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC), die ausschließlich am Arbeitsplatz erfolgen und nicht im Endprodukt enthalten sind, primär durch Arbeitsplatzgrenzwerte reguliert werden. Diese können einerseits durch die Industrie im Rahmen effektiver und innovativer Betriebsabläufe erreicht und andererseits durch die Behörden leichter überprüft werden.

Darüber hinaus stellte der ZVO dar, wie die Oberflächenbranche aufgrund der signifikanten Verschleißreduzierung der behandelten Produkte sowie des Cradle-to-Cradle-An­satzes eine wichtige Rolle für eine nachhaltigere Wirtschaft spielt und somit einen Beitrag zu besserem Umweltschutz leistet.

Mit Blick auf die REACh-Novellierung wurde vereinbart, den Austausch über die nächsten Monate und Jahre weiterzuführen. Der ZVO wird sich zu diesem Thema darüber hinaus auch an weitere Europaabgeordnete wenden, um nicht zuletzt auf die Herausforderungen für viele mittelständische Unternehmen mit den langwierigen und bürokratischen Zulassungsverfahren unter REACh hinzuweisen.

Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e.V.(DGO)

DGO-FA Edelmetalle ­diskutierte ­mögliche Neueinstufung von Silber als besorgniserregende Substanz

Am 17. März 2021 fand die 62. Sitzung des Fachausschusses (FA) Edelmetalle als Videokonferenz statt. Auf der Tagesordnung stand unter anderem das Schwerpunktthema Gesetzliche Regelungen und Verfügbarkeit von Metallen.

So wurde intensiv über die Aktivitäten der ECHA diskutiert, die im schlimmsten Falle zu einer Neueinstufung von Silber und Silberverbindungen als besonders besorgniserregende Substanzen (SVHC) führen könnten. Als SVHC gelten Stoffe, die ernste Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben können. Dabei zeigten sich die FA-Mitglieder besorgt über jene Entwicklungen, die aus wissenschaftlicher Sicht kaum mehr nachvollziehbar seien. Eine Kernfrage bei der Bewertung sei auch, ob metallisches Silber mit ionischem Silber gleichgesetzt wird.

Nach einer öffentlichen Konsultation der Euro­pean Precious Metals Federation (EPMF) im letzten Jahr scheint jedoch auch dieser Punkt bei den beteiligten Ländern unterschiedlich bewertet zu werden. Am 15. April wurde deshalb ein weiteres Online-Meeting mit Dr. Malte Zimmer vom ZVO-Ressort Umwelt- und Chemikalienpolitik organisiert, der die FA-Mitglieder über den aktuellen Verfahrensstatus informierte. So ist für September 2021 von Seiten der EPMF eine erste Diskussion mit dem Ausschuss für Risikobewertung (RAC) der ECHA vorgesehen.

Ständige Betätigungsfelder des FA Edelmetalle sind außerdem die Veröffentlichungen im Rahmen der Artikelserie Geschichten der Galvanotechnik und das Schwerpunktthema Statistische Versuchsplanung. Das nächste FA-Treffen ist für September 2021 in Schwäbisch Gmünd geplant.

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