Fraunhofer-Leistungszentrum Medizin- und Pharmatechnologie startet in Norddeutschland

Medizintechnik 06. 06. 2021
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Das neue Fraunhofer-Leistungszentrum Medizin und Pharmatechnologie schafft eine Plattform für Forschung und Innovationstransfer in die Patientenversorgung mit Fokus auf personalisierte Implantate und Respirationssysteme sowie individualisierte Herstellung von Arzneimitteln. Dafür haben sich das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM in Hannover, das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig und die Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik IMTE in Lübeck mit weiteren Partnern aus Hochschulen und Industrie zusammengetan.

Den Innovationstransfer zu beschleunigen, haben sich die Fraunhofer-­Leistungszentren auf die Fahnen geschrieben. Im März 2021 ist das Leistungszentrum Medizin- und Pharmatechnologie an den Start gegangen. Mit Fokus auf personalisierte Implantate und Respirationssysteme sowie ­individualisierte Arzneimittelherstellung ist es das Ziel, eine Plattform für die Forschung und den Innovationstransfer in die Patientenversorgung zu schaffen.

Unter Federführung des Fraunhofer-­Instituts für Toxikologie und Experimentelle ­Medizin ITEM in Hannover haben sich das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig und die Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik IMTE, Lübeck, zu dem Leistungszentrum Medizin- und Pharmatechnologie zusammengeschlossen. Mit dem Leistungszentrum möchten die Fraunhofer-Institute die Lücke schließen, die zwischen Grundlagenforschung und der Anwendung am Patienten klafft: also den Transfer schaffen von der Forschung einschließlich der Prozess- und Produktionsoptimierung über den Proof-of-Concept bis hin zur klinischen Prüfung, wobei die Sicherheit der Patientinnen und Patienten dabei an oberster Stelle steht. Gemeinsam, als sogenannter „One-Stop-Shop“, helfen wir den Unternehmen gewissermaßen durch das Nadelöhr der Translation, erläutert Prof. Dr.-Ing. Theodor Doll, Mitglied des Leitungsteams des Leistungszentrums und Leiter der Abteilung Implantatsysteme am Fraunhofer ITEM.

Weitere Partner sind verschiedene Unternehmen sowie standortspezifische Forschungs­partner wie die Medizinische ­Hochschule Hannover, die Leibniz-Universität ­Hannover das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung, die TU Braunschweig mit ihrem Zen­trum für Pharmaverfahrenstechnik und der BioMedTec-Wissenschaftscampus in Lübeck mit der Universität zu Lübeck, der Technischen Hochschule Lübeck und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

In der gemeinsamen Transferinfrastruktur arbeiten die Partner zusammen, um zukünftig als norddeutscher Ansprechpartner auf den Gebieten der Medizin- und der Pharmatechnologie für externe Industrie- und Forschungspartner zu dienen. Dafür werden sogenannte Translationslabore eingerichtet, in denen wichtige Schritte der Verfahrens- und Produktentwicklung sowie der regulierten Produktprüfung erfolgen können. Am Fraunhofer IMTE in Lübeck wird nach Aussage von Prof. Dr. Thorsten Buzug, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung IMTE, im Rahmen einer Aufbauphase ein Prüflabor entstehen, das insbesondere die Entwicklung von Prozessen der Zertifizierung und Konformitätsbewertung von Medizinprodukten für die klinische Erprobung und das Inverkehrbringen unterstützen wird.

Parallel dazu errichtet das Leistungszentrum Skalierungsplattformen, welche die Prüfung von Respirationstechnologie, Validierung von 3D-Drucktechnologie unter Berücksichtigung der Biokompatibilität sowie die Prüfung der langfristigen Funktionsfähigkeit neurologischer Implantate ermöglichen. Das im Konsortium gebündelte Wissen zu den regulatorischen Rahmenbedingungen im Bereich Pharmazeutika und Medizintechnik bietet zudem den nötigen Hintergrund für die Unterstützung bei zulassungsrelevanten Fragestellungen. Das Leistungszentrum Medizin- und Pharmatechnologie bietet uns beste Voraussetzungen, um unsere Fraunhofer-Kompetenzen mit denen unserer lokalen Forschungspartner und der Industrie zu bündeln und so schnell innovative Ideen in die Praxis umzusetzen, sagt Prof. Dr. Michael Thomas, Leiter der Abteilung Atmosphärendruckverfahren am Fraunhofer IST.

Die Fraunhofer-Leistungszentren sind transferorientiert. Sie führen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen und begleiten Ideen als Innovationslotsen bis in den Markt. Das Leistungszentrum Medizin- und Pharmatechnologie adressiert mit seinen Stärken in der Neurotechnologie, der Inhalationstechnologie und der Pharmaverfahrenstechnik und mit den vorhandenen Kompetenzen an den Standorten Lübeck, Braunschweig und Hannover, zum Beispiel auf den Gebieten Bild­gebung, additive Fertigung von Produkten der Präzisionsmedizin, Medikamentenformulierung und Aerosoltechnik, das Zukunftsfeld Gesundheit.

Text zum Titelbild: Patientenspezifische Implantate und Respirationssysteme sowie individualisierte Arzneimittelherstellung stehen im Fokus des Forschungs- und Innovationstransfers durch das neue Leistungszentrum Medizin- und Pharmatechnologie (©Fraunhofer IMTE/Dr. Thomas Friedrich)

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