Plasma rückt ins Zentrum für einen professionellen Wissenstransfer

Oberflächen 08. 09. 2020
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Mit der Eröffnung der eigenen Akademie fördert Plasmatreat den Austausch zwischen Forschung und Industrie

Mit seinen innovativen Verfahren zur Oberflächenbehandlung unterstützt Plasmatreat Unternehmen dabei, ihre Fertigungsprozesse effizient und nachhaltig zu gestalten. Die Vor­aussetzung für die Entwicklung von passgenauen Lösungen ist ein intensiver Dia­log mit den Kunden, ihren Lieferanten sowie Partnern aus der Wissenschaft. Plasmatreat bietet deshalb schon seit langem Schulungen und Workshops an und besucht Fachkongresse und Netzwerktreffen. Mit der Erkenntnis, dass ein fruchtbarer Austausch einen Platz, das richtige Umfeld und die passenden Sparringspartner benötigt, entstand die Idee, ein einzigartiges Angebot zu schaffen, welches jetzt in der neuen Plasmatreat Academy gebündelt wird. WOMag sprach mit Akademie-Leiter Dipl.-Ing. Erhard Krampe über die Ziele der Akademie und das Spannungsfeld des Wissenstransfers zwischen den verschiedenen Zielgruppen aus unterschiedlichen Branchen.

Redaktion: Herr Krampe, was ist die Idee hinter der Plasmatreat Academy?

Erhard Krampe: Bei Plasmatreat entwickeln wir für unsere Kunden hochspezifische individuelle Lösungen für die Oberflächenbehandlung. Das können wir nur, wenn wir die Fertigungsprozesse unserer Kunden verstehen und wenn unsere Kunden wiederum wissen, welche Möglichkeiten ihnen unsere Plasmaverfahren bieten. Schon vor vielen Jahren haben wir gemerkt, dass es in der Industrie in dieser Hinsicht einen großen Informationsbedarf gibt. Da wir zudem Innovationsführer im Bereich der Plasma-Oberflächenbehandlung sind, müssen und wollen wir unser Know-how mit dem Markt teilen. Aus diesem Grund veranstalten wir regelmäßig Seminare, Schulungen und Workshops zum Thema Plasma an sich und zu den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten. Das gegenseitige Verständnis ist aus unserer Sicht existen­tiell, um effektiv und schnell ­industrierelevante Lösungen entwickeln zu können. Deshalb führen wir jetzt unter dem Dach der neu gegründeten Akademie unsere Fortbildungsangebote zusammen, erweitern sie um Fachvorträge, Kongresse und Veranstaltungen zu ausgewählten Themen und können so allen Interessierten ein viel breiteres Portfolio anbieten als in der Vergangenheit.

Redaktion: In der Corona-Krise eine Akademie eröffnen, das ist mutig. Wie führen Sie denn Veranstaltungen in der aktuellen Situation durch?

Erhard Krampe: Wir mussten flexibel auf die geänderte Situation reagieren, denn Präsenzveranstaltungen sind derzeit ja leider nicht in dem Maße möglich, wie wir uns das wünschen. Nichtsdestotrotz wollten wir unsere Inhalte und Themen unseren Kunden nahebringen, denn die Nachfrage ist da. Also haben wir kurzerhand beschlossen, mit Webinaren die Akademie zu starten. Da, wie bereits erwähnt, der Branchenbezug für uns eine große Rolle spielt, um unseren Kunden auf ihr Tätigkeitsfeld zugeschnittene Angebote zu machen, haben wir das sehr aktuelle Thema Plasma in der Elektronik-Fertigung aufgegriffen und in einer Webinar-Reihe organisiert. Drei aufeinander aufbauende Themen, die für unsere asiatische, europäische und amerikanische Zielgruppe an die jeweilige Zeitzone angepasst präsentiert wurden, deckten eine Vielzahl der bisher an uns herangetragenen Fragestellungen ab. Die Nachfrage war sehr groß, an den Online-Seminaren haben pro Thema bis zu 250 Personen teilgenommen. Deshalb werden wir dieses digitale Seminarangebot weiter ausbauen. Zurzeit planen wir Webinare, die sich unter anderem mit den Anwendungsmöglichkeiten von atmosphärischem Plasma in der Druck- und Automobilindustrie befassen. Darüber hinaus stehen werkstoff-fokussierte Webinare auf der Agenda, wie die Plasmabehandlung von Kunststoffen, Metallen und Glas, die branchenübergreifend eine Relevanz haben. Dabei spielen neben der Feinstreinigung und Aktivierung mit Atmosphärendruckplasma auch die vielfältigen Möglichkeiten, die durch Plasmabeschichtungen gegeben sind, eine zentrale Rolle.

Redaktion: An wen richten sich die Veranstaltungen der Akademie denn konkret?

Erhard Krampe: Die gerade beschriebene Webinar-Reihe richtete sich an alle, die sich mit dem Thema Oberflächenbehandlung, insbesondere reinigen, aktivieren und beschichten, beschäftigen. Hier ging es uns darum, ein generelles Verständnis für die Möglichkeiten, die Plasma bietet, zu vermitteln. Dabei wollen wir möglichst viele Menschen erreichen: Unsere bestehenden und potenziellen Kunden, aber auch deren Lieferanten – also die Hersteller der Bauteile und Materialien, deren Oberflächen wir mit unseren Plasmaanlagen behandeln. Der Grund ist einfach: Wir sehen uns als Prozessversteher. Wir betrachten die Anwendungen ganzheitlich und wollen deshalb genau wissen, welche Fertigungsschritte vor dem Einsatz unserer Plasma­anlagen stattfinden und welche danach ausgeführt werden.

Redaktion: Die Plasmatreat Academy dient also dem Wissenstransfer in alle Richtungen?

Erhard Krampe: Ja, für uns ist dieser Austausch genauso wertvoll wie für die Teilnehmer, denn wir lernen viel von unseren Kunden, Forschungspartnern und den anderen Mitgliedern unseres Netzwerks. Der intensive Dialog mit Industrie und Wissenschaft gehört quasi zur Unternehmensphilosophie von Plasmatreat. Nur so sind wir in der Lage, neue, innovative Verfahren zu entwickeln, die den Anforderungen des Markts entsprechen. Die Plasmatreat Academy hat deshalb auch eine große Bedeutung für die Fort- und Weiterbildung unserer eigenen Mitarbeiter.

Redaktion: Bekommen Sie durch die Interaktion mit den Kunden auch die Ideen für die Themen der Veranstaltungen?

Erhard Krampe: Einige Konzepte entstehen tatsächlich auf diese Weise. Die Vertriebskollegen berichten von einem großen Interesse der Kunden an unseren Weiterbildungsangeboten und an bestimmten Themen. Und natürlich sind bei den Kunden selbst unsere Zielgruppen sehr breit gefächert; ob Entwickler, Konstrukteure, Projekteure und Einkäufer – das Angebot an Basis- und Fortgeschritteneninhalten ist im Aufbau. Zusätzlich legen wir einen besonderen Fokus bei der Erstellung des Akademieprogramms auf die Bediener unserer Anlagen. Hier ist es unser Ziel, ihnen den Arbeitsalltag von unserer Seite aus so einfach und effektiv wie möglich zu gestalten. Dieses Ziel verfolgen wir nicht nur bei der Auslegung und Fertigung der Plasma­treat-Systeme, sondern auch in der Akademie. Deshalb ergänzen wir unser Angebot zum Beispiel auch mit Kooperationen und arbeiten eng mit unseren Partnern aus Wissenschaft und Industrie zusammen. Renommierte Forschungseinrichtungen und Universitäten werden ein wichtiger Teil unserer Plasmatreat Academy sein. So können wir ganz andere Inhalte vermitteln und beispielsweise das Know-how in verwandten Prozessen fördern.

Redaktion: Welche Örtlichkeiten werden von der Akademie genutzt, wenn Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind?

Erhard Krampe: Grundsätzlich sind wir da völlig flexibel: Die Akademie ist nicht an einen Ort gebunden – wir laden ein, gehen zu den Kunden, nutzen Hotels für die Veranstaltungen oder halten Seminare online ab. In unseren weltweiten Niederlassungen sowie an unserem Firmensitz in Steinhagen haben wir Möglichkeiten, unsere Plasmaverfahren live vorzuführen, sei es als Präsenzveranstaltung oder als Online-Meeting. Innerhalb unseres Technologiezentrums in Steinhagen befinden sich die technologiebezogenen ­Laborräume direkt neben den Seminarräumen – von der Theorie in die Praxis sind es also nur ein paar Schritte. So können sich die Teilnehmer leicht ein Bild davon machen, in welchen Fertigungsverfahren Plasma schon erfolgreich eingesetzt wird. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass wir unsere Räume engen Partnern für deren Weiterbildungs­events zur Verfügung stellen wollen und dafür auch schon Anfragen haben.

Redaktion: Wie sieht denn das Seminar­angebot der Akademie konkret aus?

Erhard Krampe: Das ist sehr breit gefächert: Wir haben Seminare zu den Grundlagen der Plasmatechnologie ebenso im Programm wie Veranstaltungen zur Frage, wie wir mit unseren Plasmaverfahren die Oberflächenstruktur bestimmter Materialien gezielt verändern können. Es gibt Schulungen, Seminare und Workshops, die wir inhaltlich exakt auf die Anforderungen eines bestimmten Kunden zuschneidern und solche, die wir für Mitarbeiter verschiedener Unternehmen konzipieren. Die Bandbreite reicht also von überblicks­artigen Seminaren über Schulungen zu konkreten Themen bis hin zu hochkarätig besetzten Kongressen. Bei der Eröffnung unseres Technologiezentrums im Januar hatten wir zum Beispiel eine Plasma­spezialistin der Pariser Universität Sorbonne zu Gast.

Redaktion: Gibt es Fragen von Teilnehmern, die in den Veranstaltungen immer wieder auftauchen?

Erhard Krampe: Ein Thema, welches immer wieder an uns herangetragen wird, betrifft die Wirkungsfähigkeit von Plasma. Hauptsächlich richtet sich das Interesse darauf, wo Vorbehandlungsschritte, in denen bisher mit Chemikalien gearbeitet wird, durch Plasma umfeld- und umweltfreundlicher gestaltet werden können. Diese Frage lässt sich aber leider nicht generell beantworten, denn einerseits ist zu klären, was ersetzt werden soll: eine Anodisierung, ein lösungsmittelbasiertes Reinigungsverfahren, chemische Ätzung oder der Ersatz von Primern beziehungsweise von chemischen Desinfektionsmitteln. Andererseits ist zu klären, um welches ­Substrat es sich handelt beziehungsweise welches Material vom Kunden eingesetzt wird oder welche Eigenschaften es hat. Diese Informationen sind für uns sehr wichtig, denn nur auf dieser Grundlage können wir für den Prozess die optimale Lösung entwickeln. Hier sind der Akademie Grenzen gesetzt und wir übergeben die Fragestellung dann an unsere Anwendungstechnik, welche sich mit der individuellen Fragestellung auseinandersetzt und die für den Kunden optimale Lösung entwickelt.

Redaktion: Letzte Frage: Was wollen Sie mit der Akademie zukünftig erreichen?

Erhard Krampe: Die Anwendung von Plasma in der Oberflächentechnik ist noch verhältnismäßig jung. Deshalb sind ihre Bekanntheit und das Wissen über die sich ergebenden Möglichkeiten noch deutlich ausbaubar. Hier möchten wir mit der Akademie helfen, eine Brücke zwischen Forschung und ­konkreter Industrieanwendung zu schlagen. Dafür ist ein professioneller Wissenstransfer unabdingbar. Und Plasma bietet nicht nur Alternativen, sondern auch ganz neue Potenziale, zum Beispiel Werkstoffe haftungsstark miteinander zu verbinden, die bisher nicht kompatibel waren. Das bedeutet, dass auch noch ganz neue Anwendungsfelder auf uns zukommen, die bisher noch niemand ins Auge gefasst hat. Wir stellen uns gern dieser Herausforderung, denn sie motiviert uns, Plasma in die Welt zu tragen und dann mitzuerleben, welche zukünftigen Fragestellungen wir mit Plasma beantworten können.

 

Text zum Titelbild: Beschichtung unter Einsatz von Atmosphärendruckplasma (Bild: Plasmatreat)

 

Optimaler Kundenservice im Technologiezentrum der Plasmatreat (Bild: Plasmatreat)

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