Mit Branchensoftware auf Wachstumskurs

Oberflächen 10. 06. 2015
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Schritt für Schritt anstatt alles auf einmal: Johann Jung Metallveredlung GmbH investiert in Prozesssicherheit und Automatisierung und setzt dabei auf ein modular ausbaubares ERP-System

Zukunftsorientierung darf im Alltagsgeschäft nicht untergehen. Für Oliver Biesz, Geschäftsführer der in Bietigheim-Bissingen ansässigen Johann Jung Metallveredlung GmbH, zählen Prozesssicherheit, Prozesstransparenz und Automatisierung zu den großen Zukunftsthemen. Da die bisher eingesetzte Betriebsführungssoftware an ihre Grenzen stieß, entschied sich das Unternehmen Mitte 2014 für die Einführung eines neuen ERP-Systems. Allerdings sollte der Umstieg nach dem Willen der Unternehmensleitung graduell erfolgen, um die Optimierung der eigenen Prozesse und die Einarbeitung der Mitarbeiter in verträg­lichen Schritten zu gestalten.

Für die Auswahl einer möglichen neuen Lösung kamen für Geschäftsführer Biesz ausschließlich Branchenlösungen in Frage. Die meisten ERP-Systeme sind seiner Aussage zufolge für die Industrie gemacht. Er suchte­ für sein Unternehmen aber nach einer Lösung, die für Galvanikunternehmen typische Prozesse schon im Standard abbildet. Schließlich wollten wir uns auf unsere Abläufe fokussieren und nicht auf die Anpassung der Software, so seine Feststellung hierzu. Aufgrund der funktionalen Eignung und flexiblen Ausbaufähigkeit entschied sich das Galvanikunternehmen für die ERP-Lösung Omnitec der Karlsruher Softec AG, die speziell für Unternehmen der Oberflächenveredelung entwickelt wurde und bei über 150 Lohnbeschichtern im Einsatz ist.

Kernprozesse identifizieren

Eine deutlich verbesserte Rückverfolgbarkeit und Vereinheitlichung von Informationen und Prozessen zu erzielen hatte für Metallveredler Johann Jung hohe Priorität. Gemeinsam mit den Projektconsultants ihres neuen Softwaredienstleisters ging es in der Planungsphase darum, die unternehmensinternen Anforderungen an Automatisierung, Informationsdarstellung und Stammdatenpflege zu definieren. Stammdatenmanagement und Lagerverwaltung, Angebotsstellung, Auftragsabwicklung, Planung sowie Rechnungsstellung sollten in einem ersten Schritt so umgesetzt werden, dass Daten nur einmal eingepflegt und in allen folgenden Prozessschritten als Berechnungsgrundlage und zur Informationsausweisung zur Verfügung stehen.

Wichtig waren für Geschäftsführer Biesz auch die detaillierte Hinterlegung von produktnahen Informationen und deren automatisierte Ausgabe auf entsprechenden internen und externen Papieren. So sollten beispielsweise Normen, Artikelbilder und Aufsteckbilder auf Betriebsaufträgen ausgegeben werden. Lieferscheine und Begleitpapiere sollten Packmittel und Packmittelmengen enthalten. Von der modernen, intuitiven Nutzerführung des Programms war Geschäftsführer Biesz von Anfang an überzeugt: Der Anwender kann durch einfaches Anklicken aus jedem Datensatz heraus in einen weiteren, damit zusammenhängenden Datensatz wechseln und so auf die Informationen zugreifen, die er benötigt.

Schnelle Einführung

Bereits zum 1. Januar dieses Jahres wollte das Galvanikunternehmen mit dem neuen ERP-System an den Start gehen. Bis zum Live-Betrieb standen zehn Wochen zur Verfügung, in denen das System angepasst, mit Daten befüllt und von neu geschulten Mitarbeitern getestet werden konnte.

Die Brancheneignung der Software war bei dieser kurzen Einführungszeit entscheidend. Indem alle Funktionalität, die der Metallveredler benötigte, bereits im Standard des Programms enthalten war, konnten Anpassungen sehr schnell umgesetzt werden. Unser Ansatz ist es, branchentypische Anforderungen an Betriebsaufträge, EMPBs, Warenanhänger, Etiketten, Kommissionsaufträge, Einzel- und Sammellieferscheine, Prüfprotokolle usw. im Standard abzubilden und Modifikationen, wo nötig, konfigurativ vorzunehmen, beleuchtet Softec -orstandsvorsitzender Michael Hellmuth den strategischen Produktansatz der Softwarelösung. Das Programm enthält viele Best-Practices, also Standardabläufe von Oberflächenveredlern. Individuallösungen entwickelt Softec, wenn ein Kunde Alleinstellungsmerkmale hat, sodass eine hochindividualisierte Lösung erforderlich wird.

Für die Anpassungen im Programm sowie die Schulung und Einführungsbetreuung­ der Mitarbeiter unterstützte der Software­dienstleister mit einem Einführungsteam aus verantwortlichem Projektconsultant sowie technischem Consultant. Die Mitarbeiter wurden vor Ort im Testsystem geschult und konnten ihre Anregungen, zum Beispiel zum Feintuning einzelner Teilprozesse, direkt einbringen. Insbesondere bei der Formularanpassung nutzte der Metallveredler die vielfältigen Automatisierungsmöglichkeiten des Programms hinsichtlich gestalterischer Vorlagen, Textbausteinen, Kalkulationsalgorithmen oder dem automatisierten Abruf von gewünschtem Bildmaterial.

Seit 1. Januar ist das ERP-System im Livebetrieb. Biesz ist mit dem Echtstart sehr zufrieden. Meine Mitarbeiter fanden sich von Anfang an gut mit den neuen Prozessen im Programm zurecht. Mit dem ERP-System seien die administrativen Abläufe deutlich schneller geworden – und transparenter, denn das Wissen beispielsweise zu einem Auftrag sei eindeutig hinterlegt; dies sei für die Auskunft gegenüber Kunden ein erheblicher Vorteil.

Ausbauschritte

Im nächsten Schritt ist bei Jung die Neuaufstellung eines integrierten Qualitätsmanagements in Planung. Über das Ausbaumodul Omnitec QM können alle zentralen Aufgabenbereiche des Qualitäts­managements direkt im ERP-System abgebildet und Qualitätsprüfungen über die QM-Messemittelanbindung abgerufen werden. So wird das neue Qualitätsmanagement die automatisierte Erzeugung von Reklamationen und Mängelanzeigen, Nacharbeits- und Ausschussmengen ebenso umfassen wie die Erstellung von Werksprüfzeugnissen, die Hinterlegung von Prüfplänen, die Erstellung von Prüfprotokollen und Erstmusterprüfberichten.

Im Programm entsteht eine lückenlose Qualitätshistorie, die intern, aber auch für Kunden und Auditoren für maximale Prozesstransparenz sorgt.

Um den integrierten Informationsfluss zu komplettieren, steht bei Jung Metallveredlung in der abschließenden Ausbaustufe die Einbindung einer umfangreichen Betriebsdatenerfassung sowie die Kopplung der modernen, computergesteuerten Anlagen an. So werden bis Jahresende auch die verbleibenden Produktionsdaten im ERP-System erfasst und für Auswertungen zur Verfügung stehen.

 

Text zum Titelbild: Screenshot des neuen ERP-Systems bei der Johann Jung Metallveredelung GmbH

Johann Jung Metallveredlung GmbH

Die Johann Jung Metallveredlung GmbH mit Sitz in Bietigheim-Bissingen ist ein auf galvanotechnische Beschichtungen spezialisierter unabhängiger Partner der Metallindustrie. Zum Kundenstamm gehören renommierte Unternehmen der Möbelbranche, des Werkzeugbaus und des Automotivesektors. Neben schneller und flexibler Groß- und Kleinserienbeschichtung in höchster Qualität hat sich das Unternehmen auch durch eine ausgereifte Prototypengalvanik einen Namen gemacht.

 

 

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