Insbesondere bei den metallischen Werkstoffen ist der Auflösungsprozess, also die Überführung vom metallischen Zustand in den des Oxids, ein alltäglich erkennbarer Prozess. Ganz besonders sichtbar bei häufig eingesetzten Metallarten wie den Stählen, Kupfer oder Zink. Zwar wurde die sichtbare Korrosion bei Fahrzeugen gegenüber dem Zustand vor etwa 30 Jahren deutlich verringert. Zum Teil ist dies auf die heutigen guten Korrosionsschutzsysteme, aber auch auf die vermehrte Verwendung von Kunststoffen zurückzuführen, deren Korrosion nicht die typischen Rosterscheinungen sind. Andererseits steigen die Herausforderungen durch sich stetig ändernde Umweltbedingungen, beispielsweise durch andere Schadstoffe in der Luft und im Wasser, oder dem verstärkten Einsatz von Anlagen zur Energiegewinnung an den Küsten. Diese Themen wurden auf der sehr interessanten Tagung Ulmer Gespräch aus dem Blickpunkt der Oberflächentechnik aus unterschiedlichen Blickrichtungen beleuchtet.
An dem hierbei nach wie vor sehr kontrovers diskutierten und wichtigsten Verfahren des kathodischen Korrosionsschutzes durch Zink wird deutlich, dass sehr viel Arbeit vor der Branche der Oberflächentechnik liegt. Beim Schichtwerkstoff tendiert die Mehrzahl der Fachleute zu Zink-Nickel, wobei natürlich die Kosten für die Beschichtung deutlich über denen für reines Zink liegen. Die Vielfalt der Nachbehandlung durch Passivierung und Topcoat führt zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten sowohl im Hinblick auf die Kosten als auch die Verwendung von Stoffen wie Kobalt. Auch hier sind weitere Untersuchungen und Bewertungen erforderlich. Nicht zuletzt ist bei den Verfahren zur Prüfung der Korrosionsbeständigkeit eine zunehmende Unsicherheit festzustellen: es werden immer mehr unterschiedliche Varianten in Betracht gezogen, worunter dann wiederum die Vergleichbarkeit erheblich leidet. Ein weiteres Feld, auf dem auch in Zukunft nach besseren Lösungen gesucht werden muss.
All dies waren Themen, zu denen das Ulmer Gespräch 2015 interessante Ansätze liefert. Prof. Dr. Bund von der TU Ilmenau brachte es hier treffend auf den Punkt: Korrosion kann nicht verhindert werden. Die Kunst ist es, die Kinetik eines Korrosionsprozesses möglichst niedrig zu halten.
Darin sollten die Fachleute der Oberflächentechnik eine ihrer eigentlichen Aufgabe sehen.