Von Rüdiger Maas
Viele Personen des öffentlichen Lebens nutzen die Wirkung der Medien. Medienkontakt birgt auch für Unternehmen Chancen. Deshalb wird Medientraining immer wichtiger.
Viele Fußballer tun es, der eine oder andere Star auch. Einige haben die Relevanz von gutem Medientraining bereits erkannt. Für die meisten Menschen, die im Rampenlicht stehen, ist Medientraining etwas Selbstverständliches. Dennoch sind öffentlichkeitsscheue Unternehmer und Berühmtheiten, ja sogar Politiker, keine Seltenheit. Zu viele Negativbeispiele sind tagtäglich im Fernsehen, im Radio oder im Internet zu sehen.
Dabei birgt Medienkontakt eigentlich eine riesige Chance für jeden Einzelnen und auch für jedes Unternehmen. Der Medienauftritt macht Unternehmen greifbarer; er kann ein positives Bild von den Menschen im Unternehmen und dem Unternehmen selbst hinterlassen, wichtige Botschaften verbreiten und nicht zuletzt neue Kunden anlocken und begeistern.
Fallstricke in den Medien sind nicht abstreitbar. Wenn eine Antwort zum Beispiel im TV nicht begeistert, verschwindet diese schon ganz automatisch zwischen all den anderen Sendungen. Anders in Zeiten von Social-Media wie You tube: Hier bleibt eine unglücklich formulierte Antwort vielmehr noch jahrelang im Netz stehen und haftet geradezu am O-Ton-Geber oder der O-Ton-Geberin.
Beim nächsten Mal wird alles besser? Wahrscheinlich nicht. Nuscheln, zu schnelles Sprechen, das krampfhafte Festhalten am Papier, der fehlende Blickkontakt, inhaltlich unstrukturierte Botschaften bleiben ohne vernünftiges und gezieltes Training bestehen. Genauso ergeht es auch denjenigen, die im Kontakt mit den jeweiligen Medien übertreiben. Eine Selbstinszenierung ohne Inhalt, ein Schwall an Worthülsen oder das Niedermachen des Gesprächspartners mögen zwar für manchen unterhaltsam sein, der Inhalt bleibt dabei aber auf der Strecke.
Hinzu die Mauer-Strategien mancher Interviewgeber: Wer mich nicht versteht, hat eben Pech gehabt. Oder noch schlimmer: Ich sage zum Thema XY einfach nichts und damit basta. Der Kontakt mit Medien ist oftmals notwendig und verlangt, eine Antwort auf die gestellten Fragen. Der ineffektivste Weg mit Medien umzugehen, ist also, einfach nichts zu sagen. Das wirkt nicht nur unsicher, sondern auch unsympathisch. Man kann einfach nicht nicht-kommunizieren. Eine Aussage oder ein Nicht-Aussage bleibt immer irgendwo hängen.
Viele Unternehmen entgehen dem direkten Medienkontakt und somit auch der Notwendigkeit, sich festzulegen. Anstelle der direkten Konfrontation werden zum Beispiel Facebook und Twitter bemüht. Doch diese Kanäle sind unbeständig, denn man kann nie wissen, ob die Meinungen darin nachhaltig sind. Die Like-Raten des heutigen Tages mögen verblüffend hoch sein, können aber schon am Folgetag niemanden mehr interessieren.
Die Axel-Springer Akademie hat anlässlich der Bundestagswahl 2013 sogar festgestellt, dass soziale Netzwerke weniger Relevanz haben als bisher angenommen. Der einfachste und auch effektivste Weg ist also nach wie vor der direkte Medienkontakt. Dabei gilt es einige Grundsätze zu beachten.
Zunächst sind einfache und verständliche Botschaften zu senden: Wer die Materie wirklich verstanden hat, der kann sie auch so darstellen, dass ein Grundschüler es versteht, egal wie komplex die Aussage einmal war. Psychologisch lässt sich das dadurch erklären, dass kurze, prägnante Aussagen besser im Gedächtnis gespeichert werden können. Ähnlich sieht das auch die Berliner Medientrainerin Manuela Tischler. Die ehemalige TV-Reporterin und Moderatorin meint dazu: ein sympathisches Interview und klar strukturierte Botschaften in TV oder Web überzeugen nach wie vor am besten. Auch hierbei gilt die Prämisse, je verständlicher, desto besser.
Neben der Einfachheit ist auch die Länge der Ausführungen entscheidend. Ellenlange Antworten gespickt mit Fachtermini sind für Fachleute oft einfacher, tragen aber wenig zum Verständnis bei. Hier ist es sinnvoll, mit fachfremden Trainern zu üben, die viel Medienerfahrung haben, denn sie können am besten einschätzen, was die Öffentlichkeit versteht. Aussagen können aber nicht nur zu lang, sondern auch zu kurz geraten. Wer Botschaften bis zur Unkenntlichkeit verkürzt, muss sich nicht über Missverständnisse wundern.
Ein Medientraining zum Beispiel könnte davor bewahren, in viele Fallen, die der direkte Medienkontakt mit sich bringt, zu tappen. Nicht zuletzt wird an der Rhetorik und dem Auftreten gefeilt und optimiert so den positiven und nachhaltigen Eindruck, den jeder in der Öffentlichkeit hinterlassen möchte.
Denn eines ist sicher, das Internet vergisst nichts.