Bester Jahrgang für zukunftsträchtige Technologie

Karriere 30. 08. 2014
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Verabschiedung der Absolventen der Fachschulen für Galvano- und Leiterplattentechnik Schwäbisch Gmünd

Am 26. Juli war es für 25 Absolventen der Techniker für Galvano- beziehungsweise Leiterplattentechnik soweit: Die zweijährige berufliche Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker neigte sich dem Ende zu. Wie Oberstudiendirektor Gerhard Barreith betonte, ist das ohne Zweifel ein Grund, stolz zu sein. Die Studenten der Technikerschule in Schwäbisch Gmünd leisten ihre Zusatzausbildung nach einigen Jahren in der Praxis, wodurch auf jeden Fall Durchhaltevermögen gefragt ist, um wieder die Schulbank drücken zu können. Zudem wird in dieser Zeit eine Fülle an Stoff geboten und zur Erreichung des Abschlusses sind viel Engagement und Fachverstand erforderlich. Ganz besonders erfreut zeigte sich Gerhard Barreith über die sehr guten Abschlussergebnisse: sieben Preise und acht Belobigungen wurden erreicht. Zugleich machte er deutlich, dass der erreichte Qualifizierungsgrad ein guter und wichtiger Ausgangspunkt für das heute geforderte, lebenslange Lernen ist.

Dem stimmte Kreiskämmerer Karl Kurz als Vertreter des Ostalbkreises, Schulträger der Gewerblichen Schulen, voll und ganz zu. Der gute Abschluss der Absolventen sei für den Landkreis eine gern gesehene Bestätigung dafür, dass die hohen Investitionen, die in die Modernisierung der Schule bereits getätigt wurden und im noch höheren Maße in Planung seien, gut angelegtes Geld seien. Er wies darauf hin, dass durch die Verlegung der Schulräume von der Lindacher Straße in die neuen Labor- und Schulräume im Berufsschulzentrum in der Heidenheimer Straße ein weiterer wichtiger Schritt getan werde, auch in Zukunft zu den wichtigsten Adressen der galvanotechnischen Ausbildung weltweit zu zählen.

Klaus Arnholdt, Leiter des Amts für Bildung und Sport der Stadt Schwäbisch Gmünd, unterstrich diese Aktivitäten und versicherte, dass die Stadt weiterhin für den Ausbau des Berufsbildungszentrums eintreten werde. Der nächste Schritt werde die Fertigstellung des neuen Labors für Leiterplattentechnik am Berufsschulzentrum sein, in das 400 000 Euro investiert worden seien.

Alle drei betonten, dass der Förderverein für die Fachschulen der Galvano- und Leiterplattentechnik e. V. ganz entscheidend zur guten Ausstattung der Schule, der Unterstützung der Studenten und damit auch zur guten Ausbildung insgesamt beiträgt; eine Leistung die von Stadt, Land und Staat kaum aufzubringen wäre. Zugleich lobten sie die Schaffung von engen Beziehungen zur Industrie über den Förderverein; dadurch erhalten die Studenten bereits während der Ausbildung die erforderlichen Kontakte zu Unternehmen, um nach ihrem Abschluss ihr Wissen für die Unternehmen zur Verfügung stellen zu können.

Von den ingesamt 25 Studenten hatten zwei Studenten den Abschluss im Bereich Leiterplattentechnik gewählt, der weltweit nur in Schwäbisch Gmünd zu absolvieren ist. Folgende Absolventen wurden in diesem Jahr mit einem Preis für einen Notendurchschnitt von 1,7 und besser geehrt:

  • Jenny Keller (1,7)
  • Joel Hillmann (1,5)
  • Thomas Rothgänger (1,5)
  • Stefan Förster (1,7)
  • Ferdinand Magel (1,7)
  • Davide Patel (1,7)
  • Andreas Waibel (1,7)

Belobigungen für einen Notendurchschnitt zwischen 1,8 und 2,2 gingen an:

  • Sebastian Märtz/Leiterplattentech. (1,8)
  • Kevin Mohr (1,8)
  • Michael Reiche (1,8)
  • Dennis Günther (1,9)
  • Wais Hassanzada (2,0)
  • Daniel Plangger (2,0)
  • Stefanie Ulrich (2,0)
  • Rafael Broda/Leiterplattentechnik (2,1)

Außerdem haben ihre Ausbildung zum staatlich geprüften Galvanotechniker mit Erfolg abgeschlossen: Dennis Brenner, Florian Bürkle, Gökhan ­Demir, Mario Feldmeier, Simon Haisch, Benjamin Höfferl, David Plat, Michael Pöser, Thomas Schwärzler und Julian Weller.

Arndt Striso, Vorstandsmitglied des Fördervereins für die Fachschulen der Galvano- und Leiterplattentechnik, überreichte Geldpreise des Fördervereins an Jenny Keller (1. Preis) sowie Joel Hillmann und Thomas Rothgänger (jeweils 2. Preis für den selben Notendurchschnitt). Zugleich gratulierte er im Namen des Fördervereins den Absolventen für die guten Leistungen, verbunden mit der Hoffnung, dass diese den Verein, und damit die zukünftigen Studenten, durch eine lange Mitgliedschaft unterstützen. Der Verein mit derzeit 350 Mitgliedern wird auch in Zukunft vor allem für neue und gute Gerätschaften sowie Lernmittel oder finanzielle Unterstützung der Studenten zum Wohl der Ausbildung beitragen.

Von den 13 durchgeführten Techniker­arbeiten wurden zum Abschluss der Veranstaltung zwei vorgestellt.

Daniel Plangger und Stefanie Ulrich gaben einen kurzen Einblick in ihr Thema. Sie untersuchten den Einfluss der einzelnen Badparameter auf die Makrostreuung im citratbasierten Goldelektrolyten mit dem Ziel einer optimalen Makrostreuung. Ausgangsbasis war die Forderung, Kontakte für die Elektrotechnik mit einer Innenbohrung von 1 mm Durchmesser mit einer Goldschicht von mindestens 0,4 µm zu beschichten und gleichzeitig auf der Außenseite nicht wesentlich mehr als diese Dicke zu benötigen. Für die Optimierung der Arbeitsparameter wählten sie die Unterstützung mittels Software nach dem Design of Experiments (DoE). Hierzu ermittelten sie im ersten Schritt die relevanten Arbeitsparameter aus: Goldgehalt, Elektrolyttemperatur, Stromdichte, pH-Wert des Elektrolyten sowie Gehalt an Citrat und Zusätzen. Dabei zeigten sich in Vorversuchen unterschiedliche Einflussgrößen. Durch Festlegung auf die am meisten beeinflussenden Größen ergab sich mit den fünf relevanten Parametern ein Umfang von 16 Versuchen. So wurde die Stromdichte beispielsweise zwischen 0,04 A/dm2 und 0,1 A/dm2 variiert, die Temperatur zwischen Raumtemperatur und 40 °C oder der Goldgehalt zwischen 2 g/l und 8 g/l. Die Versuche führten zu optimalen Ergebnissen bei geringem Goldgehalt, geringer Stromdichte und hoher Temperatur. Die entscheidende Streufähigkeit selbst wurde durch Abscheidungen in der Haring-Blum-Zelle gewonnen.

Die zweite Technikerarbeit von Joel Hillmann, Michael Reiche und Andreas Waibel zum Thema saure Kupferbäder neuester Generation – Einfluss der Additive und deren Bestimmung mittels CVS, vorgestellt von Michael Reiche und Andreas Waibel, wurde beim Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie in Schwäbisch Gmünd durchgeführt; sie kommt für die Herstellung von Bipolarplatten in Brennstoffzellen zum Einsatz. Der entsprechende Elektrolyt muss eine gute Streufähigkeit und Einebnung besitzen, um die säulenförmigen Mikrostrukturen mit Durchmessern im Bereich von einigen 10 µm und etwa 20 µm Höhe auf einer Trägerplatte mit Maske in hoher Reproduzierbarkeit herstellen zu können. Die Absolventen konnten in ihrer Arbeit die Wirkungsweise der Zusätze charakterisieren und die optimalen Arbeitsparameter bestimmen.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab Klassensprecher Rafael Broda einen Rückblick auf zwei Jahre Technikerausbildung. Er sprach Schule und Dozenten ein Lob aus, insbesondere aber auch dem Förderverein für dessen unbürokratische Unterstützung und Schaffung von Kontakten zur Industrie. Die Art der Ausbildung mit der guten Betreuung und Unterbringung der Studenten habe darüber hinaus ganz erheblich zur guten Zusammenarbeit untereinander beigetragen – auch diese Erfahrung wird den neuen staatlich geprüften Technikern im weiteren Berufsleben zugutekommen.

techniker.jpg

Themen der Technikerarbeiten

  • Auswirkungen verschiedener organischer Zusätze auf den Standard sauer Kupferelektrolyt (Teil I); Dennis Brenner
  • Werkstoffprüfung galvanisch abgeschiedener Schichten mit dem UNAT Messgerät; Benjamin Höfferl, Rafael Broda
  • Sonderoberflächen zur Erhöhung des Korrosionsschutzes im Mehrfach-Nickel-Schichtsystem; Julian Weller, Florian Bürkle
  • Metallische Verunreinigungen im elektrolytisch abgeschiedenen Nickel-Phosphor-Legierungselektrolyten; Kevin Mohr, Gökhan Demir
  • Ersatz von Borsäure in schwach sauren Zink- und Zink-Nickel-Elektrolyten; David Plat, Mario Feldmeier
  • Optimierung eines Chrom(III)-Elektrolyten für den Einsatz an der Fachschule für Galvanotechnik; Ferdinand Magel, Stefan Förster
  • Einstellung eines Kupferelektrolyten auf High-Aspect-Ratio-Anwendungen; Michael Pöser, Dennis Günther
  • Auswahl und Prüfung einer Chrom-VI-freien Vorbehandlung für Zinkdruckguss vor der Lackierung; Jenny Keller, Sebastian Märtz, Simon Haisch
  • Dispersionsabscheidung Edelmetalle – Gold, Silber; Wais Hassanzada
  • Saure Kupferbäder neuester Generation – Einfluss der Additive und deren Bestimmung mittels CVS; Davide Patel, Joel Hillmann, Michael Reiche, Andreas Waibel
  • Der Einfluss der einzelnen Badparameter auf die Makrostreuung im citrat-basierten Goldelektrolyten mit dem Ziel einer optimalen Makrostreuung im Au/Co-Bad; Daniel­ Plangger, Stefanie Ulrich
  • Optimierung der Spültechnik nach der Zinkatbeize; Thomas Rothgänger
  • Optimierung des cyanidischen Kupfer Elektrolyten; Thomas Schwärzler

Technikerausbildung in Schwäbisch Gmünd

Die Bildungsstätte in Schwäbisch Gmünd zählt zu den wenigen Aus- und Weiter­bildungseinrichtungen im Bereich Galvano- und Leiterplattentechnik weltweit. 24 Personen können seit kurzem den zweijährigen, berufsorientierten Bildungsgang in jedem Jahr beginnen. Den Fachschülern stehen gut eingerichtete­ Laborräume zur Verfügung. Darüber hinaus wird die Weiterbildung vor allem durch den Förderverein für die Fachschulen der Galvano- und Leiterplattentechnik e. V. mit der Anschaffung von Geräten, Anlagen, Chemikalien oder der Finanzierung von Exkursionen unter­stützt. Die Besonderheit dieser Fachschule ist der weltweit einzige Ausbildungsgang zum staatlich anerkannten Leiterplattentechniker. Hier erhalten die Absolventen alle Grundkenntnisse und die wichtigsten praktischen Erfahrungen, um für den weltweiten Einsatz gerüstet zu sein. Das Labor wurde neu eingerichtet und mit den modernsten Anlagen ausgestattet. Es kann im Oktober dieses Jahres für den nächsten Kurs in Betrieb genommen werden.

Ansprechpartner: Volker Rogoll

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