Biokunststoffe und erneuerbare Energien im Fokus

Werkstoffe 10. 08. 2014
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Nachhaltigkeit in der Kunststofftechnik stand im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung Fortschritte in der Kunststofftechnik – Theorie und Praxis, die am 25. und 26. Juni an der Hochschule Osnabrück stattfand. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) und ehemaligen Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr. e.h. Fritz Brickwedde. In seinem Vortrag zum Thema Schafft Deutschland die Energiewende?

Nach dem gelungenen Auftakt am Vorabend wurde die Veranstaltung am nächsten Tag mit anspruchsvollen Fachvorträgen fortgesetzt. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei dem Vortrag von Prof. Dr. Hans-Josef Endres vom Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) der Hochschule Hannover zuteil, der in seiner Präsentation die Bedeutung der Biokunststoffe aufzeigte. Man muss sich darüber klar werden, dass die fossilen Rohstoffe begrenzt sind. Es ist deshalb nicht die Frage, ob die Ressourcen zu Neige gehen, sondern nur, wann sie zu Neige gehen. Es gibt somit keine Alternative dazu, sich heute bereits intensiv mit neuen Materialien auf Basis regenerierbarer Ressourcen zu befassen. In absehbarer Zukunft werden biobasierte Kunststoffe daher immer mehr an Bedeutung gewinnen und herkömmliche petrochemische Kunststoffe zunehmend ersetzen.

In weiteren Vorträgen gaben Dr. Bahman Sarabi vom UL Thermoplastics Testing Center und Dr. Maik Feldmann vom Institut für Werkstofftechnik der Universität Kassel einen Überblick über die Verarbeitungs- und Konstruktionskennwerte für Biokunststoffe­ sowie die Herstellung, Eigenschaften und Anwendungspotentiale von naturfaserverstärkten Kunststoffen. Als Vertreter eines führenden Herstellers von Biokunststoffen widmete sich Dr. Christoph Heß von der Firma Biotec der Frage, wie sich Fremdmaterial auf die Recyclingfähigkeit von Polyethylen-Blasfolien auswirkt. Er räumte dabei insbesondere das Vorurteil aus dem Weg, Biokunststoffe erschwerten das Recycling von herkömmlichen Verpackungs­folien aus PE. Biokunststoffe verhalten sich wie alle anderen Kunststoffe. Geringe Anteile von Fremdmaterial sind ohne Eigenschaftseinbußen zu tolerieren. Höhere Anteile führten sowohl bei herkömmlichen als auch bei Biokunststoffen zu einer Verschlechterung der Eigenschaften, so Dr. Heß, der diese Aussage mit klaren Fakten untermauern konnte.

Dass Kunststoffe im Bereich der erneuerbaren Energien ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, wurde durch Vorträge von Dr. Holger Borchert von der Universität Oldenburg sowie Prof. Dr. Claudia Kummerlöwe von der Hochschule Osnabrück deutlich. Normalerweise sind Kunststoffe nicht leitfähig und werden aus diesem Grund häufig zu Isolationszwecken eingesetzt. Elektrisch leitfähige Polymere sind neue Materialien, die unter anderem in der Dünnschichtphotovoltaik Anwendung finden und mit denen sich völlig neue Möglichkeiten bieten. Einblicke in die Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Kunststoffe wurden von Dr. Borchert anschaulich aufgezeigt.

Windenergie spielt schon heute eine wichtige Rolle bei der Stromversorgung. Korrosionsprobleme bei Offshore-Windkraftanlagen bilden den Hintergrund für ein Forschungsprojekt, das von Prof. Kummerlöwe an der Hochschule Osnabrück durchgeführt wird. Das Hochleistungspolymer PEEK soll dazu mithilfe eines Laserbeschichtungsverfahrens auf Stahlbauteile aufgebracht werden und somit die Korrosionsbeständigkeit der Bauteile verbessern. Ebenfalls hoch interessante und anspruchsvolle Anwendungsmöglichkeiten für Kunststoffe ergeben sich in der Brennstoffzelle, über die Sebastian Brokamp vom Zentrum für Brennstoffzellentechnik aus Duisburg berichtete. Bereits heute stehen hochgefüllte thermoplastische Kunststoffe für die Herstellung von Bipolarplatten und anderen Anwendungen zur Verfügung.

Gerade rechtzeitig vor dem entscheidenden WM-Gruppenspiel Deutschland gegen die USA ging eine spannende und interessante Fachtagung zu Ende, die auch in diesem Jahr wieder durch eine Fachausstellung und Posterpräsentation begleitet wurde. Mit über 100 Teilnehmern war die Veranstaltung erneut sehr gut besucht. Das interessante Programm, aber auch die angenehme Atmosphäre mit der Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen wurde von vielen Teilnehmern gelobt und ist sicher ein Grund dafür, auch beim nächsten Mal im Juni 2015 dabei zu sein. Die Planungen dafür haben bereits begonnen, denn – um einmal Sepp Herberger zu zitieren –: Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel.

Mit der Fachtagung wurde einmal mehr deutlich, dass die Kunststofftechnik über ein enormes Zukunftspotenzial verfügt. Die Industrie hat seit Jahren einen überdurchschnittlichen Bedarf an Kunststofftechnik-Ingenieuren, der sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken wird. Die Hochschule Osnabrück leistet seit vielen Jahren einen Beitrag, diesen Bedarf, insbesondere in der Region Osnabrück, aber auch weit darüber hinaus, zu decken. Wer Interesse hat, Kunststofftechnik an der Hochschule Osnabrück zu studieren, kann sich bis zum 15. Juli für diesen Studiengang mit Bachelorabschluss zum nächsten Wintersemester bewerben. Die Hochschule bietet diesen Studiengang auch als dualen Studiengang Kunststofftechnik im Praxisverbund an. Darüber hinaus bietet sie auch einen Masterstudiengang Angewandte Werkstoffwissenschaften mit einer Vertiefungsrichtung Polymerwerkstoffe an, der für Bachelorabsolventen aus einschlägigen Studiengängen offen ist. Bewerbungsfrist für das nächste Wintersemester ist auch hier der 15. Juli.

Nähere Informationen gibt es auf der Internetseite und dem Stichwort Studium.

L. Uffmann

 

Text zum Titelbild: Dr. e.h. Fritz Brickwedde (Mitte), der Vizepräsident der HS Osnabrück Prof. Dr. Alexander Schmehmann (rechts) und Tagungsleiter Prof. Dr. Norbert Vennemann auf der 16. Kunststofftagung

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