Technikentwicklung und deren Folgen

Werkstoffe 10. 07. 2014

Bis vor einigen Jahren hatte das Land Baden-Württemberg eine Einrichtung zur Technologiefolgeabschätzung unterhalten. Aufgabe der dort angestellten Fachleute war es, sich mit den weiterreichenden Auswirkungen von technischen Entwicklungen zu befassen und damit Situationen, die in einer ersten Euphorie oder auch auf den berühmten ersten Blick nicht zu erkennen sind, aufzuzeigen. Leider war die Landesregierung irgendwann der Meinung, eine solche Einrichtung wäre zu teuer, das heißt, die Kosten übersteigen den Nutzen.

Heute wären wir in Deutschland sicher froh, wenn sich bereits vor einigen Jahren eine solche Einrichtung mit den Folgen der europäischen Chemikalienverordnung befasst hätte. Inzwischen hat sich ein Teil der oberflächentechnischen Fachwelt bereits damit abgefunden, dass in Kürze Chrom und Kobalt, aber auch Nickel weitgehend verdrängt werden. Andererseits zeigen aber die Bemühungen von engagierten Gruppierungen in immer deutlicherem Maße, dass der Nutzen, beziehungsweise Vorteil, beispielsweise durch ein Verbot der Verwendung von sechswertigem Chrom, auch nicht annähernd so groß ist, wie der entstehende Schaden. Genau genommen ist im Falle der Galvanotechnik überhaupt kein Vorteil zu erkennen. Trotzdem werden wir uns vermutlich den politischen Zwängen beugen müssen – der Gesichtsverlust der Behörden ist scheinbar höher zu bewerten als alle denkbaren wirtschaftlichen Nachteile.

Trotz dieser Erkenntnis werden auf breiter Front die möglichen Alternativen zu Chrom, Kobalt oder Nickel untersucht und deren Umsetzbarkeit mit den möglichen Folgen geprüft. In einigen Bereichen steigt durch die REACh-basierten Entwicklungsaktivitäten die Attraktivität von physikalischen Beschichtungsverfahren, die oftmals aufgrund einer etwas aufwendigeren Anlagentechnologie gegenüber galvanischen Verfahren im Nachteil sind – insbesondere dann, wenn große Mengen an Teilen zu beschichten sind. Auch wenn kaum eine Beschichtungsvariante über die selbe große Eigenschaftenvielfalt wie Hartchrom verfügt, so besitzen beispielsweise Hartstoffschichten eine hohe Vielfalt an einstellbaren Eigenschaften und können so durch Variation an die verschiedenen Herausforderungen angepasst werden. Durch geschickte Kombination entstehen so Beschichtungen, die eventuell eine etwas geringere Zahl an positiven Eigenschaften aufweisen, hier aber die bisher üblichen Höchstwerte deutlich übertreffen und so wieder zum Vorteil werden. In der vorliegen Ausgabe der WOMag werden solche physikalischen Oberflächentechnologien vorgestellt.

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