Ein global aufgestellter Hersteller von Möbelfunktionsbeschlägen hatte vor einiger Zeit geplant, die Schleifprozesse in seinem Betriebsmittelbau neu auszurichten. Dazu suchte er nicht nur einen Maschinenlieferanten, sondern auch einen begleitenden Partner für zukünftige Herausforderungen. Der sollte neben schnellen, zuverlässigen und hochpräzisen Maschinen auch wichtige Impulse zur Weiterentwicklung bieten können. Mit dem japanischen Schleifmaschinenhersteller Amada hat das österreichische Familienunternehmen Blum den Wunschpartner gefunden, der die Erwartungen erfüllt. Weil auch die menschliche Seite der Verbindung passt, stehen heute mehrere japanische Schleifmaschinen bei Blum. Und Amada ist dankbar für anspruchsvolle Marktanforderungen, die die eigene Weiterentwicklung fördern.
Wie Gerhard Gorbach betonte, wird bei der Auswahl eines neuen Technologiepartners für den Betriebsmittelbau des Unternehmens auch darauf geachtet, dass der Lieferant entsprechend leistungsfähig ist. Dabei kommt es nicht nur auf die technischen Merkmale einzelner Maschinen an, sondern auch darauf, wie eine langfristige Partnerschaft die eigene Kompetenz steigern kann, so der Leiter des Betriebsmittelbaus im Werk 3 der Julius Blum GmbH. Die Maschine, mit der die Partnerschaft zwischen Blum und Amada begann, stellten die Schleifprofis aus Haan bei Düsseldorf den Vorarlbergern zunächst als Testmaschine zur Verfügung, wie Ben Scherr, Geschäftsführer von Amada Machine Tools Europe, den Beginn der Geschäftsbeziehung 2008 erläuterte. Außerdem ist der Lieferant nach Aussage von Produktmanager Guido Mayer von der Präzision und Leistungsfähigkeit der Maschinen überzeugt.
Amada unterstützt Fertigungstiefe mit Komplettbearbeitung
Wenn allein mehrere hundert Mitarbeiter im Betriebsmittelbau und in der Lehrlingsausbildung beschäftigt sind und dabei auf etwa 300 000 aktuelle Teilezeichnungen zurückgreifen können, dann lässt das auf eine große Fertigungstiefe schließen. Und in der Tat bauen die Beschäftigten im Betriebsmittelbau bei Blum in Vorarlberg den Großteil der Produktionsanlagen selbst, auf denen die weltweit mehr als 5700 Mitarbeiter die erfolgreichen Produkte in hoher Qualität herstellen. Was der Huf- und Wagenschmied Julius Blum 1952 mit Hufstollen, einem Gleitschutz für Pferdehufeisen, unternehmerisch begann, hat sich heute zu einem weltweit aktiven Hersteller von Möbelfunktionsbeschlägen entwickelt, der immer noch ein Familienunternehmen ist, obwohl der Umsatz inzwischen die Milliarden-Euro-Schwelle überschritten hat.

Die Schleiferei gehört im Betriebsmittelbau bei Blum traditionell zu den Kernbereichen / Foto: Blum
Der Betriebsmittelbau ist zentral in Höchst angesiedelt und klassisch, funktionsorientiert aufgebaut. Dabei hat man es mit Hilfe gut strukturierter, detaillierter Arbeitspläne geschafft, hohe handwerkliche Kompetenz mit einer industriellen Fertigung mit hohem Automatisierungsgrad zu vereinen. Die Schleiferei, die traditionell zu den Kernbereichen bei Blum gehört, hat immer genug Aufträge, damit alle Mitarbeitenden restlos ausgelastet sind. Zu den Schleifoperationen gehören neben dem Rundschleifen und dem Koordinatenschleifen auch das Flach-, Profil- und Bahnschleifen. Der Meister der Schleiferei, Ralf Hildebrand, erinnert sich an die erste Amada Meister G3, die 2008 ins Haus kam: Sie passte hervorragend in unser neues Konzept, weil auf ihr die Komplettbearbeitung möglich ist. Die Amada ersetzt mit ihrer Universalität zwei herkömmliche Schleifmaschinen, indem sie Flach-, Profil- und Bahnschleifoperationen ermöglicht, ohne dass die Präzision leidet. Nach Meinung von Hildebrand wurden die Möglichkeiten der Maschine schnell erkannt. So fertigt Blum auf der Amada beispielsweise ein Teil – einen Anschlag mit Profil – das früher nicht durch Schleifen herzustellen war. Daraus ergaben sich für das Unternehmen Blum neue Ideen für Optimierungen in den Abläufen und daraus neue Anforderungen.

Zur hohen Genauigkeit kommt die durchdachte Abrichtfunktion der Amada-Schleifmaschinen. Dafür sorgt die funktionelle CNC-Schleif- und Abrichttechnologie TPA/VPA zum Profilieren der Schleifscheibe / Foto: Blum
Neue Maschinen begleiten das Wachstum
Das forderte natürlich auch den Lieferanten Amada, da entsprechende, passende Lösungen erwartet wurden, die gemeinsam besprochen und in einem Lastenheft festgehalten wurden. Zunächst hat Blum 2009 die Testmaschine übernommen und danach im Jahresrhythmus weitere Meister G3 erworben, so dass heute in Höchst mehrere japanische Profil- und Flachschleifmaschinen stehen und im Blum-Werk in den USA, mit einer Meister G3 und einer Techster 104 zwei weitere Amada-Schleifmaschinen. Inzwischen ist mit einer vollautomatischen Schleifzelle bereits eine weitere Amada-Maschine mit zusätzlichem Potenzial auf dem Schiff nach Europa unterwegs, wie Scherr betont.

Die Amada Meister G3 ermöglicht die Komplettbearbeitung auf einer Maschine und ersetzt mit ihrer Universalität zwei herkömmliche Schleifmaschinen / Foto: Blum
Technisch haben die Meister G3 natürlich auch überzeugt. So war man bei Blum von Anfang an beeindruckt von der sehr hohen Grundgenauigkeit der Maschine. Genauso überzeugt die Möglichkeit der Komplettbearbeitung mit hoher Prozesssicherheit und zuverlässiger Wiederholbarkeit. Stimmen die klimatischen Bedingungen, dann ist eine Präzision mit einer Toleranz von +/- 2,5 Mikrometer möglich. Das kommt nach Ansicht von Hildebrand dem Unternehmen Blum vor allem in der Hochpräzisionsbearbeitung zugute, die bei bestimmten Teilen durchgeführt wird. Blum setzt die angeschafften Maschinen überwiegend zu Kapazitätserweiterungen ein. Sie begleiten so das weiterhin starke Wachstum des Beschlägeherstellers. Dabei sind ständige Innovationen eine Schlüsselkompetenz bei Blum.

Bei Blum ist man beeindruckt von der sehr hohen Grundgenauigkeit der Amada-Flach- und Profilschleifmaschinen. Die geforderte Präzision mit +/- 2,5 µm Toleranz ist machbar / Foto: Blum

Schnellen Zugang zu neuen Maschinen finden
Zu der hohen Genauigkeit kommt die durchdachte Abrichtfunktion der Amada-Schleifmaschinen. Dafür sorgt die funktionelle CNC-Schleif- und Abrichttechnologie TPA/VPA zum Profilieren der Schleifscheibe, denn sie eignet sich ideal für die verwendeten Korundscheiben. Die schwenkbare Einheit ist dafür direkt auf dem Maschinentisch montiert. Sie ist mit Gegenlagerung mechanisch sehr stabil und dabei kompakt und leicht ausgeführt und ermöglicht sehr hohe Profilgenauigkeiten. Eine separate, sehr schnell arbeitende Abrichteinheit für das Vorprofilieren schont das Abrichtrad für das Fertigprofilieren.
Dass die Amada-Schleifmaschinen nach der Integration in den Fertigungsprozess von den Bedienern so schnell akzeptiert werden, liegt unter anderem an der intuitiven Bedienbarkeit und dem schnellen Verstehen nach kurzer Einarbeitungszeit. So kann im Einrichtbetrieb der CNC-Steuerung schnell und einfach über das Werkstück verfahren werden, um über die Teach-in Eingabe die Schalt- und Umkehrpunkte per Tastendruck in die Steuerung zu übernehmen und Rüstzeiten zu senken. Die bedienerfreundliche CNC-Steuerung erlaubt eine breite Palette an Bearbeitungen, inklusive einer in zwei Bahnen integrierten Bahnschleiftechnologie.
Der Mensch schafft die Genauigkeit
Begeistert sind alle auch stets von den drei Handrädern, mit denen sich die Maschinen manuell bedienen lassen. Damit sind Vorschübe von 0,0001 Millimeter bis 0,04 Millimeter je Grad möglich. Für konventionelles Schleifen, wie es beispielsweise bei Nacharbeiten in der Realität immer wieder vorkommt, können die Maschinen schnell Ergebnisse liefern, ohne dass erst ein Programm geschrieben werden muss. Und Mayer kennt noch einen weiteren Aspekt der bewährten Einstellmöglichkeit, da die Handräder den Zugang zur Maschine erleichtern. Sie erlauben das schnelle Einfinden in die sichere Bedienung und Bearbeitung.
So hat Amada es geschafft, eine japanische Grundmaschine mit europäischer Abrichttechnologie und Software zu einem leistungsfähigen Produktionsmittel zu formen. Großes Vertrauen hat der Hersteller dabei gezeigt, als Blum die offene Schnittstelle zur Software mitgegeben wurde. Das zeigt nach Aussage von Ben Scherr das große Interesse daran, für Blum ein leistungsfähiger Partner zu sein.
Dies haben die Mitarbeiter von Blum auch jüngst erlebt, als sie von Scherr zu einem Besuch des Produktionswerks nach Japan eingeladen wurden. Nach der ausgiebigen Besichtigung der Amada-Produktion in Tokyo waren die Besucher beeindruckt von der Strukturiertheit und Nachhaltigkeit, mit der Amada seine Produkte entwickelt und fertigt. In Gesprächen mit Verantwortlichen vor Ort konnten sich die Besucher einen guten Eindruck verschaffen, wie Hildebrand die Eindrücke zusammenfasst.
Zudem erhielten die Besucher einen interessanten Einblick in Land und Leute und entwickelten dadurch viel Verständnis für die japanische Mentalität und Kultur. Auf beiden Seiten betrachten dies alle Beteiligten als eine gute Grundlage für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Text zum Titelbild: Blum fertigt heute auf der Amada Teile, die früher nicht durch Schleifen herzustellen waren / Foto: Blum
Julius Blum GmbH
Die 1952 gegründete Julius Blum GmbH ist ein weltweit tätiges, familiengeführtes Unternehmen, das auf die Herstellung von Möbelfunktionsbeschlägen spezialisiert ist. Die Hauptproduktgruppen sind Klappen-, Scharnier-, Box- und Führungssysteme für Möbel mit dem Schwerpunkt auf Küchen. Die Produkte gehen weltweit in über 100 Länder an Möbelhersteller, Möbelhändler und Servicekräfte sowie an Endkunden. Mit knapp 6000 Mitarbeitenden in 27 Tochterunternehmen und zehn Produktionsstandorten hat Blum zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Regelmäßige, große Investitionen und eine hohe Auszubildendenquote sichern dem Traditionsunternehmen in Vorarlberg seine Zukunftsfähigkeit.
Amada-Gruppe
Die Amada-Gruppe ist mit rund zwei Milliarden Euro Umsatz und über 6000 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Hersteller von Maschinen und Werkzeugen. Neben einem umfangreichen Programm an spanlosen blechbearbeitenden und spanabhebenden Maschinen bietet das Unternehmen modulare Lösungs- und Automatisierungskonzepte, Softwareapplikationen sowie ein umfangreiches Werkzeugprogramm und vielfältige Serviceleistungen an. Die 2009 in Haan bei Düsseldorf gegründete Amada Machine Tools Europe GmbH bündelt die über 70-jährige Erfahrung von Amada im Bereich der spanabhebenden Werkzeugmaschinen für das Drehen, Fräsen, Sägen und Schleifen. Berühmte Marken wie Wasino, Doebeli, PeTeWe oder Profiltec wurden unter diesem Dach zu einem leistungsfähigen Unternehmen mit einem breiten Angebot an erstklassigen Hightech-Maschinen zusammengeführt.
- www.amadamachinetools.de