Auch schwerer Korrosionsschutz kann ästhetisch sein

Oberflächen 09. 01. 2014
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Unter schwerem Korrosionsschutz stellt man sich dick aufgetragene und raue Oberflächen vor. Also nicht gerade das, was das Auge erfreut. Dabei kann schwerer Korrosionsschutz durchaus ästhetisch sein. Möglich macht dies eine Kombination von Primer und Pulverlack, der auf feuerverzinkte Oberflächen aufgetragen wird.

Nur ganz wenige Dinge im Leben halten so lang wie Galvaswiss. Dieser Leitspruch verkörpert den Anspruch des Schweizer Oberflächenunternehmens, Ästhetik und Wert­erhaltung von Stahl- und Metallobjekten miteinander zu verbinden. In vier modernen Verzinkereien und Lackierwerken werden beim Oberflächenunternehmen Galvaswiss Teile von bis zu 20 Meter Länge und drei Meter Höhe feuerverzinkt und anschließend beschichtet. Dafür werden bis zu 45 Jahre unterhaltsfreie Nutzungsdauer garantiert, was natürlich nur mit den qualitativ besten Verfahren erreicht werden kann.

Neben der klassischen Feuerverzinkung wird dabei auch das Thermoplex 2-Verfahren eingesetzt. Nach Aussage von Dr. Martin Matter, Leiter F+E bei Galvaswiss Oberflächentechnik, wird beim Thermoplex 2-Verfahren auf die feuerverzinkte Oberfläche ein Pulverprimer und anschließend ein Pulverlack aufgetragen. Diese Kombination verbindet sich einerseits zu einem außerordentlich guten Korrosionsschutz, da von außen keine korrosionsfördernden Einflüsse auf das Grundmaterial einwirken können. Zum anderen werden Teile für Thermoplex bereits im Verzinkungsverfahren so behandelt, dass eine weniger raue, verzinkte Oberfläche resultiert. Zusammen mit dem Pulverlack garantiert dieses Vorgehen eine glatte, ästhetisch sehr attraktive Oberfläche.

Ausgasungsresistenz als Schlüsselfaktor

Galvaswiss setzt im Werk Aarberg für die Thermoplex 2-Beschichtung auf bewährte­ Produkte der Karl Bubenhofer AG. Speziell für die Anwendung auf feuerverzinkten Oberflächen hat das Unternehmen aus Gossau, Schweiz, den Polyflex® EP-20 Korroflexprimer entwickelt, welcher mit dem Deckpulver Polyflex® PES-125-GU eine starke und vielfältige Kombination ergibt.

Beim Pulverbeschichtungsprozess kann es zu Ausgasungen aus der Zinkoberfläche kommen. Der Grund dafür liegt in der teilweise porösen Zinkschicht, in welcher sich Feuchtigkeit einlagern kann. Diese Feuchtigkeit, oder auch in den Poren befindliche­ Luft, verdampft nach der Beschichtung im Einbrennofen wieder in Form von Aus­gasungen und erzeugt Krater oder Einschlüsse auf der Oberfläche.

Das System der Karl Bubenhofer AG unterbindet diese unerwünschten Ausgasungen. Bei der Entwicklung des KABE-Korrosionsschutzsystems mit Korroflexprimer und Beschichtungspulver wurde besonders berücksichtigt, dass das Pulver den höchstmöglichen Schutz bietet. Dafür wurde die Zusammensetzung so ausgelegt, dass sich der Primer nahtlos mit der Zinkoberfläche verbindet und diese sozusagen abisoliert. Dank dieser extremen Haftung schließt der Primer die Poren der Zinkoberfläche und unterbindet die Ausgasung.

Gleichzeitig wurde bei der Entwicklung des Korroflexprimers großer Wert auf einen sehr guten Verlauf gelegt. Der Primer nivelliert die raue Zinkoberfläche aus, was wiederum der Oberflächenbeschaffenheit des Decklacks entgegenkommt. Ein glatter Verlauf ist damit jederzeit gewährleistet, wie Willi Linsi, Anwendungstechniker bei Karl Bubenhofer AG, erläutert. Oberstes Ziel war, einen optimalen Schutz des Objekts zu erzielen, aber dem Kunden gleichzeitig eine einfache und wirtschaftliche Verarbeitung des Systems zu ermöglichen. Das Resultat des gesamten Aufbaus überzeugt mit ausgezeichneter Wetterbeständigkeit, guter Chemikalienresistenz (Säuren/Laugen) und vorzüglicher Überbrennstabilität.

GSB-Zertifikat garantiert Prozesssicherheit

Karl Bubenhofer AG hat für das Polyflexpulver PES-125-GU die GSB-Zertifizierung erhalten (GSB Nr. 906a). Dank der Ausgasungsresistenz resultieren sehr glatte Oberflächen. GSB hat dem Pulver aufgrund der geforderten Eigenschaften die Zulassung erteilt, was für ein Beschichtungspulver im Verzinkungsbereich selten ist. In diesem Segment steht nach Aussage von Roger Zeller, Verkaufs- und Marketingleiter bei Bubenhofer, den Anwendern nur eine beschränkte Auswahl an Produkten zur Verfügung. Diese Zertifizierung hilft den Betrieben, die am 1. Juli 2013 in Kraft getretene Bauprodukteverordnung DIN EN 1090 zu erfüllen. Diese fordert unter anderem den Nachweis der Korrosivitätskategorie, der Schutzdauer für den jeweiligen Auftrag und die lückenlose Dokumentation des Verarbeitungsprozesses sowie der Produkte.

Besonders geeignet ist das von Galvaswiss angewandte Verfahren für Bauten und Teile, welche permanent starken Belastungen ausgesetzt sind. Dazu gehören beispielsweise Schallschutzwände an Autobahnen und Eisenbahnlinien. Abgase, Steinschlag, Tausalzbelastung, chemische Substanzen, aber auch Druckwellen vorbeifahrender Züge oder Lastwagen setzen den Komponenten stark zu. Mit dem neuen Verfahren wird ein hervorragender Schutz erzielt. Das System ist stabil gegen Abplatzer aufgrund von mechanischen Einflüssen. Bei Lackschäden garantiert so die darunterliegende Zinkoberfläche den Korrosionsschutz und das Substrat aus Stahl wird nicht angegriffen, so Martin Matter. Dank der Verfügbarkeit des Decklacks in sämtlichen RAL-Farben, inklusive Metallics, erfüllt Galvaswiss die vielfältigen Kundenanforderungen an die Farbgestaltung. Denn moderne Schallschutzwände sollen nicht nur effizient Lärm absorbieren, sondern sich auch möglichst unsichtbar in die Umgebung integrieren.

Galvaswiss ist überzeugt, dass nur eine kombinierte Beschichtung mit Primer und Decklack auf feuerverzinktem Stahl einen qualitativ hochwertigen Schutz bietet. Einfachbeschichtungen, also Decklack direkt auf die Feuerverzinkung, ergeben auch aus Sicht der Norm ISO 12944 nach Aussage von Dr. Matter nur einen beschränkten Korrosionsschutz. Besonders in Bodennähe kann die Oberfläche erhöhter Feuchte und vermehrten mechanischen Einwirkungen nicht widerstehen.

Seit dreieinhalb Jahren verarbeitet Galva­swiss in Aarberg das Korrosionsschutzpaket der Karl Bubenhofer AG und ist überzeugt von den Ergebnissen. Die Ausgasungsstabilität des Primers garantiert eine sehr hohe Prozesssicherheit über die ganze Verarbeitungskette und das Gesamtpaket zeichnet sich durch hohe UV-Beständigkeit aus. Letzteres hat sich in verschiedenen intensiven Tests bestätigt. Der sehr gute Verlauf ergibt eine glatte Oberfläche und erfüllt höchste ästhetische Ansprüche. Damit ist die Kombination von Primer und Decklack von Bubenhofer prädestiniert für den Einsatz im öffentlichen Bereich, Straßenverkehr und öffentlichen Verkehr. Zum einen sind die Teile sehr langlebig und zum anderen brauchen sie kaum Unterhalt und Pflege. Mittel- und langfristig ist damit das Thermoplex 2-Verfahren nach den Erfahrungen von Dr. Matter mit der Kombina­tion Zink und Farbe die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung.

Mit dem Thermoplex 2-Verfahren beschichtete Lärmschutzwand an der Schweizer Autobahn (links) und attraktiv gestalteter Grenzübergang Schweiz-Italien in Chiasso, der teilweise mit Elementen mit Thermoplex 2 ausgestattet ist

chiasso_01.jpg

Dr. Martin Matter, Leiter F&E bei Galvaswiss (links); Roger Zeller, Verkaufs- und Marketingleiter bei Karl Bubenhofer AG (Mitte); Willi Linsi, Anwendungstechniker bei Karl Bubenhofer AG (rechts)

 

Fachwissen in kompakter Form

Galvaswiss stellt Fachleuten im Metallbau mit Ks einen kompakten, handlichen Ratgeber rund um das Thema Korrosionsschutz auf Metall- und Stahlbauteilen zur Verfügung. In diesem Buch finden Anwender umfassende Informationen, ausführliche Tabellen zur Wahl des richtigen Korrosionsschutzes und viele Tipps zum Einsatz von Stahlkomponenten. Der Ratgeber kann direkt über die Website von Galvaswiss bezogen oder als PDF herunter geladen werden.

 

 
 
 

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