Galvanotechnik in Leipzig hat eine lange Tradition. Bereits 1881 gründete Dr. Georg Langbein die Chemische Fabrik für Galvanoplastik und Metall-Industrie. Durch den Zusammenschluss mit Wilhelm Pfanhauser aus Wien entstand hier 1907 die größte Fachfirma Europas. Und Leipzig wurde so für mehr als 100 Jahre eines der wichtigsten Zentren der galvanotechnischen Industrie. Noch heute beherbergt die Stadt mehrere mittelständische Fachfirmen der Branche.
Diese lange Tradition war der Ausgangspunkt für die Gründung des Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e. V. Leipzig (VDMG) am 24. Februar 2010. Ziel des Vereins ist es, ein Museum der Galvanotechnik zu schaffen. Der VDMG hat sich seitdem auf die Fahne geschrieben, das Erbe/die Tradition zu bewahren, der Öffentlichkeit ein aktuelles Bild der Branche zu zeigen und den Nachwuchs für das Fachgebiet zu interessieren. So war es für den Vorsitzenden des Vereins, Thilo von Vopelius, auch keine Frage, dass sich der VDMG am ersten Tag der Industriekultur in Leipzig beteiligt, da Industriekultur die Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Zukunft der Industriegesellschaft bedeutet.
Zur Vorbereitung der Veranstaltung wurde unter Leitung von Thilo von Vopelius eine Arbeitsgruppe gebildet, die nicht nur aus Fachkollegen aus der Branche Galvanotechnik bestand, sondern es wurden auch Vertreter des Geschichtsvereins mit ins Boot geholt, um so ein breiteres Angebot für die Besucher dieses Tages zu bieten. Sehr engagiert bei der Vorbereitung war Dr. Ulrich Vieweger, der ein Großteil der Exponate beschafft und katalogisiert, den Vortrag vorbereitet und alle Fäden, den Bereich Galvanotechnik betreffend, in der Hand gehalten hatte.
Das Museum war bei der Veranstaltung mit einem Vortrag zur Entwicklung der Galvanotechnik am Standort Leipzig (ausgearbeitet von Dr. Ulrich Vieweger, gehalten von Rosmarie Schlesier) vertreten. Darüber hinaus präsentiert es den Film Langbein-Pfanhauser-Werke AG – einen Film aus dem Jahre 1925, der das Arbeiten, aber auch das soziale Leben dieser Firma Mitte der zwanziger Jahre zeigt. Dieser Film kann auch als DVD erworben werden.
Zahlreiche Exponate demonstrierten die Entwicklung und die Leistungsfähigkeit der Galvanotechnik mit ihren Anwendungen, wie sie in vielen Industriezweigen zu finden sind:
- Modell-Beschichtungsanlage für Gestell- und Trommelware (Driesch Analgentechnik GmbH)
- vollautomatische Fertigungsanlage zur selektiven Beschichtung zylindrischer Werkstücke (Siemens AG, Berlin)
- Gleichstromgenerator 8 V/2250 A (1941) (Präzisionsgalvanik Wolfen)
- Gleichrichter 150 A/15 V (Enthone GmbH)
- Gleichstromgenerator 50 /4 V (1940)
- Stromregler 100 A (1940)
- Patente aus den Jahren 1909 bis 1920 der Langbein-Pfanhauser-Werke AG
- Musterteile, die mit den unterschiedlichsten Verfahren beschichtet worden sind (TZO Leipzig GmbH, AHC Oberflächentechnik GmbH, Enthone GmbH, Saxonia Galvanik GmbH, SMK GmbH, Galvanotechnik Baum GmbH)
Die Vitrinen zur Präsentation der Exponate und der Bildschirm zur Präsentation des Films konnten durch das Sponsoring der Holzapfel Metallveredelung GmbH und der Asmus Metallveredlung GmbH angeschafft werden. Auch die Ausstellung der Exponate war nur durch das Sponsoring der oben genannten Unternehmen möglich. Nicht zu vergessen ist das Engagement der Vopelius Chemie AG, welche die Räumlichkeiten und die gesamte Logistik bereitstellte, und natürlich das ehrenamtliche Engagement der AG-Mitglieder in der fünfmonatigen Vorbereitungszeit.

Komplettiert wurde das Programm durch zwei weitere Vorträge:
- Fritz Schulze & Co. – Entstehung, Entwicklung und Niedergang eines metallverarbeitenden Unternehmens der Region Leipzig im 20. Jahrhundert (Dr. Roger Liesaus, AHC Oberflächentechnik GmbH) und
- Industrieentwicklung entlang der Eisenbahn in Leipzig (Geschichtsverein: Ingolf Sonntag und Burhard Henkel) sowie
- die Vorführung des Films Lost places von Enno Seilfried, der sich mit architektonisch beeindruckenden Bauwerken schäftigt, die seit 20 Jahren und mehr leerstehen und auf ihren Abriss oder ihre Neunutzung warten und
- die Lesung zum Buch Zum Beispiel Kullerbude von Norbert Marohn. In diesem Buch wird dargestellt, wie Menschen den Übergang von einem volkseigenen Betrieb in die Marktwirtschaft erlebten.
Die Veranstalter konnten 95 Besucher begrüßen, die das angebotene Programm sehr interessiert verfolgten und den Exponaten viel Aufmerksamkeit widmeten. Die Organisatoren sind sich einig: Das Engagement hat sich gelohnt und das Museum wurde auf seinem Weg ein gutes Stück vorangebracht und konnte sich erstmals der Öffentlichkeit präsentieren.M. Regal
