Von Dr. Malte-Matthias Zimmer und Herbert Käszmann
Politiker und Behörden werden nicht müde, die Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen für die Wirtschaft zu betonen [1]. Der Mittelstand [3] sei es, der die Basis und das Rückgrat des wirtschaftlichen Erfolges bildet. Selbst in Brüssel scheint diese Erkenntnis auch angekommen zu sein [2]. 99 % aller europäischen Unternehmen gehören dem Kreis der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) an, sie schaffen 2 von 3 Arbeitsplätzen und sind für die Hälfte der Wertschöpfung aller Unternehmen in der EU verantwortlich. Dabei arbeiten wiederum 9 von 10 KMU-Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern! Zitat der Europäischen Kommission: „…ist der Mittelstand das wirkliche Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Ihm ist Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum zu verdanken, und er spielt eine Schlüsselrolle in den Bereichen Innovation, Forschung und Entwicklung.“
Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, stünde nicht die Präsenz der KMUs in öffentlichen Medien sowie ihr Einfluss auf Behörden und Politik im krassen Gegensatz zu ihrer Bedeutung. Stets ist die Rede von DAX-notierten Unternehmen, Wirtschaftsdelegationen werden überwiegend aus bedeutenden Wirtschaftslenkern – also Managern aus Großkonzernen und Großbanken – gebildet und die bekannten großen Industrieverbände sind generell dominiert von Großunternehmen und internationalen Konzernen.
Es drängt sich also die Frage auf, warum die das Rückgrat bildenden, so bedeutungsvollen KMUs von derart schwachem Einfluss und fast ohne öffentliche Wahrnehmung sind? Warum kann selbst die Regierung den Mittelstand ohne Folgen mit nur wenig Aufmerksamkeit bedenken?
Die Gründe sind vielfältig und nicht klar zu erkennen. Anhaltspunkte für mögliche Ursache werden daher nur dann sichtbar werden, wenn die Situation aus unterschiedlichen Blinkwinkel betrachtet wird.
Wir leben in einer komplexen Umgebung, in der sich alle Bereiche und Tätigkeitsfelder mehr oder weniger gegenseitig beeinflussen – und die Komplexität nimmt zu: Da sind zum einen die Veränderungen in den Märkten. Getrieben von Globalisierung und europäischem Gleichstellungsdrang wächst der internationale Wettbewerb. Dadurch steigt die Dominanz von Großkunden und auch Lieferanten. Gewachsene Geschäftsbeziehungen zerbrechen und Preise geraten unter Druck, obwohl sich die Kosten durch kerngeschäftsfremde Leistungen (nur ein Beispiel ist der inflationär steigende Regulierungswille Brüssels) erhöhen. Selbst der Dienstleistungssektor spürt dies durch ständige Preisvergleiche und Mangel an gut ausgebildetem Nachwuchs.
Gerade im Bereich F&E wird immer wieder nach einer Beschleunigung der technischen Produktentwicklung gerufen. Daher machen gerade Kundenkonzerne gern Druck auf die Lieferanten, was dort zu erhöhter Belastung führt. Die kurzfristige Personalpolitik der Konzerne, die die Ansprechpartner oft binnen Jahresfrist wechseln lässt, tut ihr übriges. Beschleunigt wird dadurch nichts – die entstehende Hektik verkürzt die Zeit der Produktentwicklung bis zur Serienreife kaum. Nur der Aufwand und damit die Kosten steigen. Meist für die Zulieferer, also überwiegend für die KMUs.
Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich derzeit und koppeln in den Lieferketten der KMUs zurück. Regulierungsbasierte Technologieänderungen, behördliche Auflagen, Prüfprozesse und vieles mehr belasten die kleinen und mittleren Unternehmen durch zusätzlichen Aufwand, ohne dass andererseits ein Mehrwert generiert werden kann. Fachpersonal muss jenseits der wertschöpfenden Prozesse eingesetzt werden, was sich für KMUs fatal auswirkt.
Die KMUs der produzierenden Gewerbe treffen im industriellen Bereich zunehmend auf kurzfristiges Denken. Großkundendominanz führt zu einem Einkäufermarkt, vielfach ist eine Risikoverlagerung auf den KMU-Lieferanten (beispielsweise für die zunehmend unentbehrlichen F&E-Aktivitäten) beobachtbar und die technische Expertise bei den Verhandlungspartnern schwindet.
Politisch verursacht sind Probleme wie Ausbildungsmängel und Fachkräftemangel. Mindestens ebenso bedeutsam sind erhöhte Aufwände durch ausufernde Bürokratie, Überregulierung und fehlendes Effizienzbewusstsein bei öffentlichen Institutionen.
Zusätzlich ist auch die Gesellschaft in einem Umbruch. Die heutige, wohlstandsgewohnte Generation ist konsumorientiert und vielfach produktionsfeindlich oder zumindest produktionskritisch eingestellt. Traumberufe finden sich derzeit in wertschöpfungsneutralen Bürobereichen. Imageprobleme und Fachkräftemangel sind zwei logische Folgerungen.
Für Querschnittsbranchen wie die Oberflächentechnik vervielfachen sich diese Aspekte noch, da die einzelnen KMUs in viele Lieferketten gleichzeitig eingebunden
sind.
Wie können die kleinen und mittleren Unternehmen diesen Entwicklungen mit den steigenden Anforderungen begegnen?
Zunächst muss man sich klar sein, dass jedes KMU-Unternehmen davon betroffen ist. Regionale oder gar lokale Begrenzungen sind nicht mehr möglich. Die Interessen jedes Einzelnen müssen wahrgenommen werden, und das bedeutet aktives Handeln! Andererseits ist dies aufgrund des Umfangs nicht jedem einzelnen möglich. Konzerne schaffen hierfür Stabsabteilungen – KMUs können dies nicht. Zumindest nicht allein! Gemeinsam aber sehr wohl!
KMUs brauchen zu diesem Zweck eine gemeinsame stabsähnliche Einrichtung, die die Interessen vertritt. Die Vorteile sind deutlich. Vor allem wird Einheitlichkeit geschaffen und die KMUs werden plötzlich greifbar für Politik und Medien.
Bisher sollen Verbände diese Aufgaben übernehmen. Doch nur wenige haben den Schritt geschafft, ihre Abläufe in die schnelllebige moderne Zeit zu entwickeln. Meist sind es jene, in denen Einheitlichkeit durch die Dominanz weniger erreicht wird. In KMU-dominierten Verbänden ist dies problematisch. Dazu muss Vertrauen in die handelnden Personen treten, was am einfachsten durch Transparenz, einfache Kommunikation und kurzfristige, aktuelle Information zu erreichen ist. Die KMUs müssen andererseits eine hohe Toleranzschwelle gegenüber Interessenabweichungen aufweisen. Nur so ist gemeinsames Handeln erreichbar. Aktives Mitwirken unter minimiertem Aufwand. Hier liegt die Zukunft von Interessenvereinigungen.
Die Mittel für ein solches Vorgehen stehen zur Verfügung. Eine moderne Interessenvereinigung muss in ihrer Entscheidungsfähigkeit nicht mehr auf seltene Zusammenkünfte limitiert bleiben. Gerade hier liegt die Chance für KMUs. Durch direkte Beteiligung an Entscheidungen und Meinungsbildung innerhalb der Interessengemeinschaft wird sie schlagkräftig – denn KMUs werden immer durch Entscheidungsträger vertreten. Delegation auf mittleres Management, das erst „Rücksprache halten“ oder sich „rückversichern“ muss, kommt praktisch nicht vor.
Die Zusammenarbeit der kleinen und mittleren Unternehmen untereinander kann schnell, effizient, transparent und zielgerichtet sein, sofern sich die Unternehmen in kurze Entscheidungswege einbinden lassen und mindestens hier aktiv mitarbeiten. Dadurch kann die zentrale Vertretung der Interessen aussagekräftig, einheitlich und nachhaltig wahrgenommen werden. Die Folge wäre eine Position der KMUs in Gesellschaft, Medien und Politik, die ihrer Bedeutung entspräche. Vielleicht ließen sich dadurch einige Entwicklungstendenzen der letzten Jahre sinnvoller umsetzen.
1 http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2013/03/2013-03-11-bk-besuch-in-sachsen.html
2 http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/facts-figures-analysis/index_de.htm
3 http://www.ifm-bonn.org/mittelstands-
definition/
Deutsche Gesellschaft für Galvano- u. Oberflächentechnik e. V. (DGO)
DGO-BG Thüringen
Neues aus Forschung und Lehre – Fachgebiet Elektrochemie und Galvanotechnik
Vor der Sommerpause fand an der Technischen Universität Ilmenau eine weitere Veranstaltung der DGO-Bezirksgruppe Thüringen statt, dieses Mal zum Thema Neues von der Stiftungsprofessur aus Forschung und Lehre der TU Ilmenau. Referent war der Leiter des Fachgebiets Elektrochemie und Galvanotechnik an der TU Ilmenau, Prof. Dr. Andreas Bund. In seinem Vortag berichtete er über die Aktivitäten des Fachgebiets zur Studentenwerbung, über den neu zu schaffenden Studiengang Elektrochemie und Galvanotechnik sowie über aktuell im Fachgebiet laufende Forschungsthemen und Projekte. Materielle Unterstützung für diese umfangreichen Aufgaben erhielt das Fachgebiet durch zahlreiche Einrichtungen, Firmen und Personen, die vom Referenten im Einzelnen im Vortrag genannt wurden. Schwerpunkt bildete hierbei die Forschungsförderung.
Mit klaren Zielen informierte Prof. Bund über dem ab Wintersemester 2013 beginnenden bundesweit einzigartigen neuen Studiengang Elektrochemie und Galvanotechnik. Dieser viersemestrige Studiengang setzt ein abgeschlossenes Bachelorstudium der Natur- oder Ingenieurwissenschaften oder einen gleichwertigen Abschluss voraus. Er beinhaltet acht Pflichtmodule, drei Wahlmodule und schließt mit einer Projektarbeit und der sechsmonatigen Masterarbeit mit dem Abschluss Master of Science (M. Sc.) ab. Damit ist auch die Möglichkeit zur Promotion auf dem Fachgebiet mit dem Titel Dr.-Ing. oder Dr. rer. nat. gegeben. Die Basis des Studiums bilden folgende Pflichtmodule:
- Chemie und Analytik
- Numerische Simulation in der Elektroprozesstechnik
- Elektrochemische Phasengrenzen
- Oberflächen- und Galvanotechnik
- Elektrochemische Kinetik
- Angewandte Galvanotechnik
- Regenerative Energien und Speichertechnik
- Batterien und Brennstoffzellen.
Externe Referenten sollen die breite Fachausbildung unterstützen, wobei praktische Arbeiten in Industriebetrieben sehr erwünscht sind. Die ersten Interessentenmeldungen für diesen Studiengang sind bereits im Fachgebiet eingegangen. Mit dem erfolgreichem Abschluss des Masterstudiums ergeben sich für die Absolventen nach Ansicht des Referenten exzellente Berufsaussichten in vielen Zweigen von Wirtschaft und Wissenschaft. Dementsprechend vielfältig erfolgte in der Fachpresse, im Internet und auf Messen eine intensive Werbung für diesen neuen Studiengang.
Auf dem Gebiet der Forschung im Fachgebiet Elektrochemie und Galvanotechnik konnte Prof. Bund eine erfolgreiche Bilanz ziehen. Aktuelle Forschungsfelder sind:
- Alternative Schichtsysteme (Metalle, Legierungen, Komposite)
- Elektrochemische Speicher
- Simulation elektrochemischer Prozesse
- Untersuchung ionischer Flüssigkeiten zur Metallabscheidung
- Elektropolieren
- Prozesstechnik für Speicher mit hoher Energiedichte.
Diese anspruchsvollen Forschungsvorhaben lassen sich nur durch qualifiziertes Personal und ein exzellentes Equipment realisieren. Öffentlich geförderte Forschungsprojekte unterstützen dabei wirkungsvoll die hochgesteckten Ziele des Fachgebiets. Weitere Projekte werden vorbereitet, wie:
- Modifizierte Anoden (AIF-Förderung),
- Ersatzschichten in der Luftfahrt (CORNET),
- Abscheidung von Refraktärmetallen für chemisch stark beanspruchte Oberflächen
Sowohl auf nationalem als auch internationalem Feld ist das Fachgebiet präsent. So bestehen langjährige Beziehungen zur PUCP in Lima/Peru, über die Erasmus Kooperation mit Bulgarien (Institut für Physikalische Chemie in Sofia) und mit der Universität Galati in Rumänien. Dazu tragen auch Veröffentlichungen von Mitarbeitern des Fachgebiets in den Fachzeitschriften bei.
In Anerkennung der akademischen Ausbildung auf dem Gebiet der physikalischen Chemie und Elektrochemie und dem regelmäßigen Austausch von Studierenden erhielt Prof. Andreas Bund die Ehrendoktorwürde der Universität Galati.
In seinen Ausführungen dankte Prof. Bund zum Schluss allen Mitarbeitern und Auszubildenden seines Fachgebiets, den Fachfirmen und besonders dem ZVO für die aktive Unterstützung bei der Bearbeitung und Lösung der anspruchsvollen Aufgaben in Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Elektrochemie und Galvanotechnik.
Zum Abschluss der Vortragsreihe wünschte der Leiter der DGO-Bezirksgruppe Thüringen, Jens Heinze, allen Teilnehmern eine erholsame Sommerpause und ein Wiedersehen ab September zur Fortsetzung der DGO-Veranstaltungen.Dr. Kutzschbach
Fachverband Galvanisierte Kunststoffe e. V. (FGK)
Ökologisches Benchmarking der Mitglieder des FGK zeigt deutliche Wirkung
Die elektrochemische Oberflächenveredelung von Kunststoffteilen hat in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Ob in Autos oder im Sanitärbereich, veredelte Kunststoffteile sind fester Bestandteil der Produktausstattung. Die kontinuierliche Verbesserung der Beschichtungsverfahren und der effiziente Einsatz von Material, Chemikalien und Wasser sind dabei entscheidende Wettbewerbsfaktoren für heimische Anbieter auf dem Weltmarkt.
Um seinen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, ihren Ressourcenverbrauch miteinander zu vergleichen, führt der Fachverband Galvanisierte Kunststoffe e. V. (FGK) zusammen mit der Effizienz-Agentur NRW ein prozessorientiertes ökologisches Benchmarking durch. Schon im zweiten Jahr beteiligen sich an dem Öko-Benchmarking bundesweit neun Unternehmen mit 13 Standorten.
Ziel ist es laut Jörg Püttbach, Vorsitzender des FGK, durch den Vergleich der Effizienzen im Ressourcenverbrauch, individuelle Anreize zu weiteren Anstrengungen zu schaffen. Durch die Verbesserung einzelner Unternehmen optimiere sich so die Ökobilanz der ganzen Branche. Und die Ergebnisse bestätigen dies laut Püttbach: Alle Kennzahlen entwickelten sich positiv.
Die Daten sollen weiter jährlich erhoben, ausgewertet und anonymisiert den beteiligten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Anhand der Benchmarking-Daten können die Betriebe ihre eigene Position im Branchenvergleich feststellen. Sich mit Branchenpartnern zu messen, biete den beteiligten Unternehmen die Möglichkeit, das eigene Tun besser einzuordnen. Daraus erwachse eine große Motivation, die eigenen Prozesse permanent zu verbessern, weiß auch Matthias Graf, Projektleiter der Effizienz-Agentur NRW. Vergleichbarkeit der Verbräuche fördere somit den Wettbewerb um effizientere Verfahren und Produkte.
Der Fachverband Galvanisierte Kunststoffe e. V. (FGK) repräsentiert qualifizierte Industrieunternehmen der Oberflächentechnik mit dem Schwerpunkt dekorative und funktionelle galvanische Oberflächen auf Kunststoffen für die Automobil- und Zulieferindustrie. Zweck des Verbandes ist es, durch eine gemeinsame strategische Ausrichtung die Interessen seiner Mitglieder wahrzunehmen, insbesondere durch Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen, mit anderen Verbänden – auch innerhalb des Zentralverbandes Oberflächentechnik e. V. – und sonstigen Stellen und Einrichtungen auf dem Gebiet der galvanischen Kunststoffbeschichtung. Ferner unterstützt der FGK seine Mitglieder bei Themen von branchenweitem Interesse, insbesondere hinsichtlich der Weiterentwicklung der Oberflächeneigenschaften im Hinblick auf Qualität und wirtschaftliche Herstellung, Weiterentwicklung der Prozesse und Oberflächen im Hinblick auf Umweltverträglichkeit und Sicherheit. Auch durch die Mitwirkung bei nationalen und internationalen Normengestaltungen und anderer Regelwerke sowie der Marktbeobachtung der Kunststoffgalvanisierung in Deutschland und der EU sowie deren Anwender im Hinblick auf Qualitätsanforderungen, Oberflächenentwicklungen und regionale sowie globale Standortveränderungen, nimmt der Verband die Interessen seiner Mitglieder wahr.
- www.f-g-k.org