Oberflächentechnik und Werkstofftechnik gehören zusammen – das eine kann nur dann zu guten Ergebnissen führen, wenn das andere verstanden wird. Nur wenn es gelingt, diesen Zusammenhang unserer Jugend frühzeitig attraktiv zu vermitteln, sind uns die Fachleute für die Zukunft garantiert.
In Zeiten von rasanter Computerentwicklung und Börsenspekulationen erscheint es manchmal geradezu hoffnungslos, interessierte und begabte Jugendliche zu einer Ausbildung oder einem Studium im technischen Bereich zu bewegen. Dazu trägt auch bei, dass die Inhalte vieler technischer Berufe nicht oder nur sehr spärlich bekannt sind. Auch unsere staatliche Arbeitsvermittlungsbehörde kann nur selten eine wirkliche Aufklärung leisten. Aus diesem Grund wurde auch die Hannover Messe 2013 als Präsentationsforum der verfügbaren technischen Arbeitsgebiete für Jugendliche genutzt. Im Bereich der Oberflächentechnik wurden in diesem Jahr die Ausbildungsmöglichkeiten von der Lehre zum Oberflächenbeschichter über den Techniker bis zur akademischen Ausbildung an technischen Hochschulen vorgestellt.
Lehre
Die Ausbildung im Bereich der gewerblichen Tätigkeit, die klassische Lehre, führt heute im Bereich der Oberflächentechnik zum Beruf des Oberflächenbeschichters. Hierin sind Tätigkeiten der galvanotechnischen Oberflächenbehandlung sowie des Feuerverzinkens enthalten. Die Ausbildung erfolgt nach dem dualen System durch die praktische Tätigkeit in einem Betrieb des entsprechenden Technikbereichs und parallel dazu in einer Berufsschulausbildung. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und endet mit einer Abschlussprüfung. Bei erfolgreichem Bestehen ist der Absolvent berechtigt, den Titel Oberflächenbeschichter zu führen. Derzeit gibt es in Deutschland vier Berufsschulstandorte, die über die erforderliche Einrichtung verfügen, um den Auszubildenden alle erforderlichen Grundlagen in Theorie und Praxis näher zu bringen. Die Standorte befinden sich in Nürnberg, Schwäbisch Gmünd, Solingen und Zwickau.
Weiterbildung
Im Bereich der Oberflächentechnik besteht die Möglichkeit, nach einer praktischen Tätigkeit von einigen Jahren die Qualifikation zum Meister zu absolvieren. Hintergrund der Meisterqualifikation ist der Gedanke, selbst als Ausbilder für Oberflächenbeschichter tätig zu werden oder ein eigenes Unternehmen zu führen. Neben den vertiefenden fachlichen Qualifikationen im Bereich der Oberflächenbehandlung werden deshalb auch kaufmännische Inhalte vermittelt. Die Ausbildung zum Meister wird in der Regel als nebenberufliche Ausbildung angeboten, das heißt, der Unterricht findet an Wochentagen abends, an Samstagen und blockweise in Ferienzeiten statt. Neben den bereits genannten Schulen bieten auch Einrichtungen wie Berufsschulen oder Innungen (z.B. Pforzheim oder Berlin) solche Weiterbildungsmaßnahmen.
Die nächste Qualifizierungsstufe auf Basis der gewerblichen Befähigung ist die Ausbildung zum Techniker. In dem über zwei Jahre dauernden Vollzeitunterricht werden vertiefende, theoretische Inhalte sowie praktisch anspruchsvollere Aufgaben behandelt. Die Ausbildung wird ergänzt durch Praktikumsprojekte mit oder auch bei Unternehmen in Richtung kleiner Entwicklungsprojekte oder Untersuchungen zu neuen Anwendungen. Am Abschluss steht eine Technikerarbeit, die in der Regel als Gemeinschaftsarbeit von mehreren Absolventen durchgeführt und zum Abschluss präsentiert wird. Die einzelnen Fächer werden in entsprechenden schriftlichen und mündlichen Prüfungen bewertet.
Studium
Im Bereich des Hochschulstudiums stehen heute die Hochschulen für Technik, hervorgegangen aus den früheren Fachhochschule, neben den Universitäten zur Auswahl. Die wohl älteste Hochschule für Technik mit Schwerpunkt auf der Oberflächentechnik ist die Hochschule Aalen. Oberflächentechnik war mit das Gründungsfachgebiet vor mehr als 50 Jahren. Zudem wird in diesem Studiengang großes Gewicht auf die Kombination aus Werkstoffkunde und Oberflächentechnik gelegt. Damit wird hier in besonderem Maße berücksichtigt, dass beide Fachgebiete die Grundvoraussetzung darstellen, um hochqualitative Produkte herzustellen. In Aalen werden im Bereich des Studiengangs alle Werkstoffbereiche und alle Oberflächentechniken behandelt, in weiten Teilen auch in der Praxis vermittelt.
Die Universität Ilmenau ist die derzeit einzige Universität mit einem Lehrstuhl in Galvanotechnik. Auch hier besteht die Möglichkeit, neben den verschiedenen Verfahren der Oberflächentechnik das Wissen in Werkstoffkunde zu vertiefen. Als weitere wichtige Universität kann die TU Chemnitz genannt werden. Sie bietet vertiefende Fachkenntnisse in galvanotechnischen Verfahren sowie für thermisches Spritzen. Ganz besonders breit ist hier die Werkstoffverarbeitung, insbesondere für Verbundwerkstoffe vertreten. Die Plasmatechnologien werden unter anderem in Aachen verstärkt behandelt und sind in Ilmenau mit vertiefenden Vorlesungsangeboten vertreten.
Berufsaussichten
Die Oberflächentechnik, insbesondere in Verbindung mit der Werkstoffkunde und Werkstoffverarbeitung, ist eine typische Querschnittstechnologie und aus diesem Grund auch in jedem Bereich der Entwicklung und Produktion zu finden. Dadurch sind Fachleute jeder Qualitätsstufe, vom Oberflächenbeschichter bis zum Akademiker, in allen Bereichen der Produktion zu finden. Auch hier macht sich in der Praxis bemerkbar, dass die Oberfläche eines jeden Produkts entscheidende Aufgaben hat, um die Funktion und das Aussehen des hergestellten Produkts zu erfüllen – auch wenn dies häufig bei Design, Konstruktion und Produktion übersehen wird. Dies führt dazu, dass die Fachleute aller Ausbildungsstätten nach wie vor zu den gesuchten Spezialisten zählen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
Ausblick
Diese sehr knappe Beschreibung der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie der Berufschancen wird in den nächsten Ausgaben der WOMag durch detaillierte Darstellungen der verschiedenen Ausbildungsstätten vertieft und soll Jugendlichen die Möglichkeiten der Werkstoffkunde und Oberflächentechnik als Betätigungsfeld für das Berufsleben näherbringen.