Kleines Beschichtungsunternehmen mit großem Technologievorsprung

Oberflächen 09. 07. 2013
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Baumann Plasma Flame Technic AG

Oberflächenbearbeitung ist eines der drei Themen auf der internationalen Fachmesse Schweißen und Schneiden 2013, wo es um ­Fügen, Trennen und Beschichten geht. Unter dem Aspekt der Wettbewerbsfähigkeit wird immer wieder neu angestrebt, die Qualität von Maschinen, Anlagen und Bauteilen zu verbessern, das heißt, sie vor Verschleiß durch Abrasion, Erosion und Korrosion zu schützen. Kosten zu reduzieren und Ressourcen zu schonen spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle. Das thermische Spritzen hat sich inzwischen mit seiner großen Vielfalt der unterschiedlichsten Verfahren längst bewährt. Je nach Einsatz gilt es, die Oberflächen so zu gestalten beziehungsweise zu verändern, dass sie jeder Anforderung in höchstem Maße gewachsen sind.

Wie es darüber hinaus ein kleiner innovativer Beschichtungsbetrieb immer wieder schafft, eingeladen zu werden, um bei großen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen sein Know-how einzubringen, zeigt die Baumann Plasma Flame Technic AG. Dazu müssen dann Aufgaben gelöst werden, wie zum Beispiel die Frage nach den Elementen einer Beschichtung, damit der Wirkungsgrad von Solarprojekten von heute 15 auf bis zu 45 Prozent gesteigert werden kann.

Lösungsfindung als Hauptmotivation

Die Baumann Plasma Flame Technic AG in Höri, Schweiz, wird vom Inhaber Hanspeter Walker selbst geführt. Er übernahm die Firma im Jahr 2003, nachdem er 14 Jahre lang in partnerschaftlicher Zusammenarbeit­ mit Baumann verbunden war. In dieser Zeit hat der Maschineningenieur für einen schweizerischen Industriellen einen Beschichtungsbetrieb, die C3Surfaces, aufgebaut, um anschließend das eigene Unternehmen Walker MST zu gründen, das sich ebenfalls mit Beschichtung befasst. Bis zur Übernahme der Baumann AG im Jahre 2003 hat er seine Kenntnisse auf dem Gebiet des thermischen Spritzens vertieft. Fasziniert von der Metallspritztechnik hat er den Beruf zum Hobby gemacht. Seine vielseitigen Erfahrungen in der Oberflächentechnik erarbeitete er sich als Verantwortlicher für den schweren Korrosionsschutz in Wasserkraftwerken, Raffinerien, Heizöl- und Benzintanklagern.

Kundenbezogene Lösungsfindung war schon immer die Hauptmotivation von Hanspeter Walker, Ergebnisse, die das Problem lösen, die wirtschaftlich sind und zudem Ressourcen und Umwelt schonen. Mit dem Kauf der Baumann AG ging ein Wunsch in Erfüllung. Die jahrelang gesammelten Erfahrungen kamen nun der treuen Kundschaft zu Gute.

Vertragspartner beim Solarprojekt mit höchstmöglicher Effizienz

Metall- und Keramikbeschichtungen für Reparaturen und Neuteile mit den thermischen Spritzverfahren Pulverflammspritzen, Drahtflammspritzen, Lichtbogenspritzen, Plasmaspritzen und Hochgeschwindigkeitsflammspritzen sind nur ein Schwerpunkt bei der Baumann Plasma Flame Technic AG. Der zweite liegt darin, verlässlicher Entwicklungspartner für Sonderaufgaben zu sein.

Einer dieser Partner ist Dipl.-Ing. Ulrich Georg Bech, Managing Director for Engineering bei Welldone Malta El Sur Ltd. Dieses Konsortium von internationaler Ingenieurexpertise liefert technische Problemlösungen, die auf Sonderwerkstoffen basieren, beispielsweise ein effizienteres Sonnenwärmekraftwerk (englisch: Concentrated Solar Power (CSP)) zu bauen, um den theoretisch möglichen Wirkungsgrad von 65 Prozent in Gas- und Dampfturbinen auszunutzen. So kann zusammen mit dem Heißgasspeicher ein Gesamtwirkungsgrad von 45 Prozent erzielt werden, währenddessen vergleichbare spanische Solarwärmeanlagen mit Salzspeichern nur etwa 22 bis 26 Prozent aufweisen. Die Grundlage bildet ein speziell entwickeltes Kernstück, in dem der gebündelte Sonnenstrahl auf 2000 °C gebracht werden kann. Die Sonnenwärme wird in Leitungen mit aufgeheiztem Stickstoff übertragen. Das erhitzte Volumen des Stickstoffs wirkt als Energieträger zum Antreiben der Gasturbine.

Ansporn für dieses Projekt bildete die immer noch zu geringe Ausbeute von oftmals nur 15 Prozent bei der gegenwärtigen Photovoltaik. Die Sonne in unseren Breitengraden kann im Sommer nur zur Mittagszeit optimal genutzt werden, wobei die Speicherung das große Problem darstellt. Georg Ulrich Bech, der Spezialwerkstofftechnik sozusagen verinnerlicht hat, sammelte seine Erfahrungen zunächst in der Stahlindustrie in den 1970er Jahren, wechselte dann zur Anwendung und arbeitete zwölf Jahre in der Schweiz. Schmunzelnd bemerkt er: Erfahrene Ingenieure haben bereits vor 25 Jahren ironisch gesagt, Sonnenenergienutzung in Deutschland ist wie Ananaszüchten in Grönland. Auch heute noch gestaltet sich die Situation mit der Gewinnung sowie wirtschaftlichen Ausnutzung der Sonne ­äußerst problematisch. Die Chinesen mit ihren ineffizienten Sonnenkraftwerken warten bereits begierig auf sein spezielles Kernteil, zumal die alten Einrichtungen weiterhin genutzt werden könnten.

Innovation, Kreativität und Verlässlichkeit

Bis das Kernteil für die Hochtemperatur-Sonnenwärmetechnik einsatzbereit war, bedurfte es eines intensiven Entwicklungsprozesses. Die hohen Temperaturen erforderten viele Komponenten mit Sonderwerkstoffen, um den extremen Bedingungen standzuhalten. Das bedeutete, geeignete Werkstoffe für die Beschichtung der einzelnen Komponenten sowie die passenden Beschichtungsverfahren zu finden. Dafür suchte Ulrich Georg Bech den richtigen Partner und entschied sich für Hanspeter Walker, Geschäftsinhaber von Baumann.

Die Beiden hatten ihre Zusammenarbeit schon vor knapp zehn Jahren begonnen mit diversen Projekten, wie beispielsweise der Beschichtung von medizinischen Endgeräten, besonders von Hüftgelenken. Für Ulrich Georg Bech ist Hanspeter Walker mit Baumann ein typisches Beispiel für einen Eigentümerunternehmer, bei dem sich ein anspruchsvoller Kunde mit einem Entwicklungsprojekt gut aufgehoben weiß, weil man ihm hundertprozentig vertrauen kann. Er beherrscht die Produktion im Beschichten, so wie viele andere auch, aber er besitzt darüber hinaus die entscheidenden Grundpfeiler für gemeinsame Entwicklungsprozesse: Innovation, Kreativität und Verlässlichkeit. Mit einem Großunternehmen wäre dies nach Ansicht von Georg Bech nicht möglich, weil oft die Geschäftsführer wechseln und das Know-how verloren geht.

Qualitätsgarantie und Zertifizierung

Die Baumann Plasma Flame Technic AG ist erfolgreich, weil sich das Unternehmen als Maxime auf das Prinzip der drei Säulen stützt: Kunde, Mitarbeiter und Geschäftsführung. Lösungsorientiert, hohe Flexibilität, kurze Lieferzeiten, ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis sind weitere Eigenschaften, die von den Kunden in hohem Maße geschätzt werden.

Bei der Baumann AG stehen drei Lärmschutzkabinen zur Verfügung. Davon dient eine ausschließlich dem Medizinalbereich, wo beispielsweise Implantate mit Titanhydrid mittels atmosphärischem Plasmaspritzen beschichtet werden. Die Beschichtung mit Titanhydrid erlaubt eine schwammig vergrößerte Oberfläche, die biologisch verträgliches Einwachsen erleichtert. Anwendung findet diese Beschichtung auf Implantaten sowohl in der Human- als auch der Animalmedizin.

Beiträge an Forschung und Entwicklung für Unternehmen beim Musteraufbau für Wärmeübertragungselemente bei Heizsystemen in Autos oder Heizungen für alternative Antriebe gehören ebenso zur Leistungspalette der Baumann AG wie Anlagenberatung und Verkauf von Hilfsstoffen, zum Beispiel Pulver und Drähte, für kleinere Spritzbetriebe.

Bei einem weiteren Forschungsprojekt geht es um das Beschichten von Brennstoff­zellen. Die Brennstoffzellentechnologie ist eine der ökologischsten Formen, aus Erdgas oder Bio-Erdgas Energie zu gewinnen. In einem elektrochemischen Prozess wandelt die Brennstoffzelle wasserstoffreiches­ Gas mit überlegenem Wirkungsgrad in Wärme und Strom um. Das Modell der Zukunft – ideal für den Elektro- und Wärmebedarf in Gebäuden.

Das Unternehmen Baumann ist eines von rund 200 Mitgliedern in der GTS Gemeinschaft Thermisches Spritzen und besitzt seit 2008 das begehrte GTS-Zertifikat – das weltweit erste verfahrens-, personen- und produktbezogene Zertifikat für das thermische Spritzen. Mit ihm heben sich GTS-Mitglieder entscheidend vom herkömmlichen Zertifizierungslevel ab. Dieser 1992 gegründete eingetragene Verein GTS Gemeinschaft Thermisches Spritzen ist inzwischen zu einem weltweiten Interessenverband von Industrieunternehmen, Handwerks­betrieben, Handelsfirmen und Forschungseinrichtungen für das thermische Spritzen­ herangewachsen, der seine Mitglieder durch Fachveranstaltungen über den neuesten Stand auf dem Laufenden hält. 13 seiner Mitgliedsfirmen präsentieren sich auf der Messe Schweißen und Schneiden 2013. Seit kurzem ist die Baumann AG auch ISO 9001 : 2008 zertifiziert.

Hanspeter Walker, der es geschafft hat, mit seinem Technologievorsprung zukunftsweisend zu sein, arbeitet intensiv an einer Nachfolgeregelung für sein Unternehmen. Dabei besitzt die Nachhaltigkeit mit Fokus auf die bestehenden Kunden sowie die Mitarbeiter oberste Priorität.U. Mertig

Baumann Plasma Flame Technic AG
Hofstrasse 1, CH-8181 Höri b. Bülach

Gemeinschaft Thermisches Spritzen e. V.
c/o Linde AG, Geschäftsbereich Linde Gas
Werner Krömmer, Carl-von-Linde-Straße 25,
D-85716 Unterschleißheim

 
     

Beschichtete Implantate für den Medizinalbereich (links) und künstliche Hüftgelenke (rechts)

Muster unterschiedlichster Materialien, die mit den verschiedensten Verfahren des Pulver-Flammspritzens, Draht-Flammspritzens, Hochgeschwindigkeits-Flammspritzens und Plasmaspritzens beschichtet wurden

Hanspeter Walker (li) und ein Mitarbeiter vor dem Steuerungsgerät für die Plasma-Anlage im Medizinalbereich

 

 
 
 

Verschleißschutz an einem Rotor (oben), mit Aluminiumbronze beschichtete Halbkugel (Mitte) und beschichtete Brennstoffzelle (unten)

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