Kohlenstoffdioxid – vom Abfallstoff zum Wertstoff

Oberflächen 10. 06. 2013
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Nachwuchswissenschaftler des Leibniz-Instituts Katalyse e. V. (LIKAT Rostock) an der Universität Rostock erhalten zwei Millionen Euro, um die Nutzbarmachung des Klimakillers Kohlenstoffdioxid (CO2) als Rohstoff zu erkunden.

In Kohlenstoffdioxid steckt Kohlenstoff (C), das Element, das das Grundgerüst organischer Moleküle bildet. Organische Moleküle wiederum sind die Grundbausteine vieler Gegenstände des Alltags, angefangen vom Treibstoff bis hin zu pharmazeutischen oder kosmetischen Produkten. Der überwiegende Teil dieser Verbindungen wird heutzutage aus fossilen Rohstoffquellen produziert und so für den alltäglichen Gebrauch bereitgestellt. Die Endlichkeit dieser Rohstoffe und die fast täglich steigenden Preise sind hinlänglich bekannt, und beispielsweise an den Zapfsäulen der Tankstellen ersichtlich.

Die Erschließung alternativer Rohstoffquellen ist und bleibt somit ein hoch aktuelles Forschungsthema. Jährlich werden über 30 Milliarden Tonnen des Treibhausgases­ Kohlenstoffdioxid überwiegend durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe als Abfallstoff ausgestoßen. Bekannt als Klimakiller­ und eng mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang gebracht, ist das Kohlenstoff­dioxid gleichzeitig aber auch ein interessanter Rohstoff. Es ist ungiftig, kostengünstig und in großen Mengen verfügbar. Die Natur macht es uns vor. Sie nutzt seit Jahrmil­lionen Kohlenstoffdioxid als Kohlenstoffquelle. In der Photosynthese wird aus Kohlenstoffdioxid und Wasser mit Hilfe der Sonnenenergie Biomasse aufgebaut, der Ursprung unserer heutigen fossilen Rohstoffe Kohle, Öl und Erdgas.

Beispiel für einen Katalysator / Bildquelle: LIKAT/nordlicht

Kohlenstoffdioxid ist ein äußerst stabiles Molekül und sehr reaktionsträge. Die Lösung zu einer effizienten und wirtschaftlichen Nutzung des Kohlenstoffdioxids liegt in der Entwicklung neuer Katalysatoren. Die Katalyse – ein Phänomen der Natur abgeschaut – ist die Wissenschaft von der Beschleunigung chemischer Reaktionen. Katalysatoren fügen zusammen, was sich ohne sie sehr langsam oder gar nicht verbinden würde. Im Idealfall tun sie dies ohne sich zu verbrauchen. Seit mehr als 60 Jahren wird am Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock Katalyseforschung betrieben. Auch die Entwicklung neuer Katalysatoren für die stoffliche Nutzbarmachung von Kohlenstoffdioxid als Kohlenstoffbaustein wird in verschieden Projekten von Forschern des LIKAT’s bearbeitet. Insbesondere die Nachwuchsgruppe um Dr. Thomas Werner am LIKAT beschäftigt sich mit diesem aktuellen Forschungsthema.

Innerhalb der Fördermaßnahme Technologien für Nachhaltigkeit und Klimaschutz – Chemische Prozesse und stoffliche Nutzung von Kohlenstoffdioxid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt die Arbeitsgruppe Werner in Zusammenarbeit mit den Industriepartnern Bayer und Evonik, neue Katalysatorsysteme für die Nutzung von Kohlenstoffdioxid als Baustein in Polymeren und organischen Carbonaten. Während diese Polymere beispielsweise zu Schäumen für die Matratzenherstellung weiterverarbeitet werden können, finden organische Carbonate Anwendung in Lithium-Ionen-Batterien. Nach den kürzlich stattgefundenen positiven Evaluierungen der Projekte durch das BMBF, mit einem Gesamtfördervolumen von rund zwei Millionen Euro, können die Forschungsarbeiten für weitere zwei Jahre fortgeführt werden.

 

Text zum Titelbild: Polycarbonate im Kolben / Bildquelle: LIKAT/nordlicht

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