Korrosionsschutz ohne Kompromisse

Werkstoffe 10. 06. 2013
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Thermisch entgratete Bauteile optimal reinigen und konservieren

Nach der thermischen Entgratung spielt die Reinigung und Konservierung der Bauteile eine wichtige Rolle. Vor allem bei Komponenten mit einer komplizierten Geometrie sind spezielle Verfahren unerlässlich, um auch Sackbohrungen und Kapillare optimal vor Korrosion zu schützen. Mit einer neuen Reinigungs- und Beölungsanlage setzt die Benseler-Firmengruppe in Marbach diese Anforderungen zuverlässig um und gewährleistet zudem eine sehr hohe technische Sauberkeit. Mit dem integrierten Shuttlesystem der neuen Anlage­ ist eine flexible und vollautomatische Bestückung der Kammern möglich. Schrauben, Drehteile oder Hydraulikblöcke durchlaufen die einzelnen Stationen in Reinigungskörben, die sich sowohl für Schüttgut als auch für Setzware bestens als Transportmittel eignen. Und während die Bauteile bei bislang üblichen Nachbehandlungsverfahren mit einem dicken Ölfilm behaftet waren, ermöglicht die neue Anlage eine komplett einbaufertige und saubere Lösung für die Kunden.

 

Innenaufnahme der Anlage mit dem Shuttlesystem (Mitte), der Reinigungsanlage (rechts) und der Beölungsanlage (links)

 

Schematischer Blick auf die Anlage von LPW/Hösel: in der Mitte die Beölungsanlage, links unterhalb der Shuttlelinie liegt die Reinigungsanlage 

Ultraschall, Druckumfluten mit bis zu 18 Bar und unterschiedliche Korbbewegungen sorgen dafür, dass die zuvor thermisch entgrateten Bauteile in einem ersten Schritt zuverlässig von Eisenoxiden befreit werden. Der hierfür eingesetzte pH-neutrale Reiniger und das vollentsalzte (VE) Wasser, das zum Spülen der Komponenten eingesetzt wird, gelangen über ein Doppelfiltersystem in die Reinigungskammer. Die große Filterfläche von 4,6 m2 ermöglicht dabei im Vergleich zu bisher üblichen Filtern eine längere Standzeit und eine höhere Maschinenverfügbarkeit. In einer weiteren Kammer findet nochmals ein Spülvorgang mit vollentsalztem Wasser (VE-Wasser) statt. Aufgrund der hohen Ansprüche an die technische Sauber­keit gelangt jenes ebenfalls über ein Doppelfiltersystem in die Spülkammer und wird danach zur Wiederverwendung in den Tank zurückgeleitet. Im Anschluss findet eine Kurzzeitpassivierung statt, bevor die Bauteile vollautomatisch zur Beölungskamme­r weitergeleitet werden. Vor der Beölung sorgt eine Trockenläufer-Vakuumpumpe, die mit Unterdruckspeicher ausgestattet ist, für eine perfekte Vorbereitung der Teile. Für den Fall, dass die Teile zu wenig Restwärme für eine optimale Trocknung haben, kann zusätzlich heiße Luft in die Kammer eingeblasen werden.

Konservierungsverfahren liefert komplett einbaufertige Teile

Während die Bauteile bislang manuell beölt wurden, geschieht dies nun vollauto­matisch. Durch das Vakuum in der Beölungskammer sowie Dreh- und Schaukelbewegungen erreicht das Gemisch aus Kohlenwasserstoff und Konservierungsöl alle Bereiche des Bauteils. So haftet nicht, wie bei bisherigen Nachbehandlungsverfahren, ein dicker Ölfilm auf der Teileoberfläche, während Kapillare und Sackbohrungen kaum beölt werden. Mit der neuen Behandlung sind die Teile gleichmäßig mit einer dünnen Ölschicht überzogen und somit flächendeckend noch besser vor Korrosion geschützt, wie Günter Gölz, technischer Geschäftsführer der Benseler Entgratungen GmbH, das Ergebnis beschreibt. Nach jeder Beölung wird das Gemisch wieder abgelassen und die Vakuumpumpe verdampft den restlichen Kohlenwasserstoff, der wieder in den Tank zurückgeleitet wird. Die thermisch entgrateten Bauteile werden anschließend nahezu trocken und mit wenig Restöl behaftet an die Kunden ausgeliefert.

Über einen langen Zeitraum hinweg kann Benseler bei Bedarf detaillierte Auskunft zu verschiedenen Verfahrensparametern geben. Dazu ist die Anlage nach Aussage von Gölz mit Radio-Frequency Identification (RFID) ausgestattet. So können bei Kundenrückfragen genaue Angaben zu Badtemperatur und -konzentration, zum pH-Wert und genauen Programmablauf sowie zu weiteren Parametern der jeweiligen Charge gegeben werden. Für Kunden spielt diese Nachverfolgbarkeit nach Kenntnis von Gölz eine wichtige Rolle. Die Benseler Entgratungen GmbH – Dienstleister für das Entfernen innenliegender Gratsituationen mit den Verfahren Thermisches Entgraten (TEM), Elektrochemische Formgebung (ECM) und Hochdruckwasserstrahlentgraten (HDW) – hat ihr Portfolio mit der neuen Anlage um ein ökologisches und zuverlässiges Verfahren erweitert.

Im Shuttle zur perfekten Reinigung

Die Bauteile durchlaufen die Anlage in Reinigungskörben, die sowohl mit Schüttgut als auch mit Setzware bestückbar sind. Nach dem manuellen Umladen der Bauteile­ in Körbe transportiert sie das Shuttlesystem vollautomatisch durch die Anlage.­ Zwar stand ein ähnliches Anlagenkonzept mit Rollenbandausführung ebenfalls in der engeren Auswahl, doch Benseler hat sich bewusst für die Lösung der LPW Reinigungssysteme GmbH und der Hösel GmbH entschieden. Wie Gölz erklärt, kann durch den frei programmierbaren Schlitten die Anlage sehr flexibel eingesetzt werden, ohne dabei an eine feste Abfolge gebunden zu sein. Die Entscheidung für das Shuttle­system fiel Benseler nicht schwer, da es bei künftigen Kapazitätsengpässen problemlos erweitert werden kann.

Vorteile für Mitarbeiter und Umwelt

Für das Unternehmen ist es ein wichtiges Anliegen, den Mitarbeitern die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu bieten. Nicht alleine die Tatsache, dass in der neuen Anlage ein deutlich geruchsärmeres Öl zum Einsatz kommt, auch die geschlossenen Kammern schirmen die Anlagenbediener vor schädlichen Ausdünstungen ab, beschreibt Gölz. Darüber hinaus vereinfachen Hub- und Senkstationen das Bestücken und Entladen der Reinigungskörbe.

Und auch die Umwelt profitiert von der neuen Anlage. Durch den Vakuumprozess landet nur so viel Öl auf der Teileoberfläche wie nötig. Damit werden erhebliche Mengen des Rohstoffs eingespart und auch der pH-neutrale Reiniger schont die Umwelt. Außerdem trägt die neue Anlage zur Energieersparnis bei: Verunreinigte Bäder, die keine weitere Verwendung mehr haben, werden verdampft und die dabei entstehende Wärme wird zum Beheizen der Bäder eingesetzt.

 

Text zum Titelbild: Über ein Rollenband gelangen die Reinigungskörbe zum Shuttlesystem (rechts)

 

Benseler-Firmengruppe

Die Benseler-Firmengruppe mit verschiedenen Standorten in Deutschland ist kompetenter Dienstleister und Partner für technisch anspruchsvolle Lösungen im Bereich der Beschichtung, Oberflächenveredelung, Entgratung und Formgebung von Serienteilen. Sie besteht aus den drei Geschäftsbereichen Organische Beschichtungen, Zinklamellensysteme und Entgratungen. Das Unternehmen entwickelt seine Kernprozesse stetig weiter, ergänzt sie um vor- und nachgelagerte Prozesse und pflegt Systempartnerschaften mit seinen Kunden. Benseler versteht daher die Bedürfnisse des Marktes und kann Lösungen mit Mehrwert anbieten. Acht Standorte in Deutschland stellen auch die räumliche Nähe zum Kunden sicher.

Die Firmengruppe erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von rund 119 Millionen Euro. Derzeit sind etwa 930 Mitarbeiter beschäftigt. Nachhaltigkeit und soziales Engagement prägen neben technischer Expertise das Handeln der Firmengruppe, die 2011 ihren 50. Geburtstag feierte.

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